Diebstahl in Lauchhammer: Diebe stehlen Wasserhähne auf Friedhöfen – Zeugen gesucht

Diebstahl in Lauchhammer: Die Wasserhähne auf dem Zentralfriedhof geraten immer wieder ins Visier von Dieben.
Rita Seyfert„Bürger achtet diese Stätte des Friedens“ – diese etwas verwitterte Aufschrift ist auf einer schwarzen Marmorplatte direkt am Eingang vom Zentralfriedhof (Butterberg 60) in Lauchhammer Mitte zu lesen. Doch skrupellose Diebe haben diese Mahnung nun schon mehrfach ignoriert.
Wie Heiko Jahn, Sprecher der Stadt Lauchhammer, mitteilt, kommt es auf den Friedhöfen in Lauchhammer schon seit längerer Zeit immer mal wieder zu Diebstählen von Wasserhähnen. „Die Hähne werden abgeschraubt“, berichtet er. Doch nun haben die Diebstähle ein bisher unbekanntes Ausmaß angenommen.
Insgesamt 13 Wasserhähne wurden an einem Tag gestohlen
So dreist wie beim letzten Mal seien die Diebe noch nie gewesen. Demnach wurden erst kürzlich an einem Tag gleich 13 Wasserhähne abgebaut, teilt die Stadt mit. „Das war der Extremfall, das gab es so noch nie“, berichtet Lauchhammer-Sprecher Heiko Jahn. Betroffen seien hauptsächlich der Zentralfriedhof in Lauchhammer-Mitte und der Friedhof in Lauchhammer-Ost.
Nach den Diebstählen der Ventile läuft das Wasser oft über Stunden ungehindert aus den Leitungen. Die dadurch entstehenden, immensen Wasserkosten sind dabei aber nur ein Ärgernis. Auch die Wege rund um die Wasserentnahmestellen werden durch das ungehindert sprudelnde Wasser völlig überschwemmt. Die Angehörigen, die die Blumen auf den Gräbern der Verstorbenen gießen wollen, müssen mit den Gießkannen durch die matschigen Pfützen waten.
Diebstahl in Lauchhammer: Wer hat was gesehen?
„Das hatten wir so auch noch nicht gehabt“, berichtet Stadtsprecher Heiko Jahn. Doch so soll es nicht weiter gehen. Deswegen hat sich die Kunstguss-Stadt jetzt an die Medien gewandt. Zeugen werden gesucht. Auch das lokale Fernsehen hat schon über die vermehrten Diebstähle von Wasserhähnen auf den Friedhöfen in Lauchhammer berichtet.

Auf den Friedhöfen in Lauchhammer werden immer wieder Wasserhähne gestohlen. Ohne Ventil sprudelt das Wasser oft über mehrere Stunden - mit weitreichenden Folgen.
Stadt LauchhammerEine ältere Dame, die den Zentralfriedhof in Lauchhammer-Mitte einmal pro Woche zum Gießen besucht, wurde über das TV auf die Problematik aufmerksam gemacht. Am Dienstag (13. August), als sie auf dem Friedhof nach den Wasserhähnen schaut, ist bereits alles wieder repariert. „Ich habe nichts mitbekommen“, berichtet sie. Die Diebe werden sicherlich abends oder in der Nacht kommen, spekuliert sie.
Was Besucher vom Friedhof über die Wasserhahn-Diebe denken
Auch Kathrin Heidrich aus Lauchhammer hat nichts gesehen. „Ich komme alle drei bis vier Tage zum Gießen her“, erzählt sie. Jetzt, bei der Hitze im Hochsommer, wässert sie die Blumen auf der Grabstätte manchmal auch schon zeitig am Morgen. Völlig „unverständlich“ sei ihr, wie jemand überhaupt auf die Idee kommen könne, ausgerechnet auf einem Friedhof Wasserhähne zu stehlen.
„Das ist doch unmöglich, ja fast schon makaber“, sagt sie. Nicht nur die Wasserhähne, auch die Gießkannen würden immer weniger werden. An dem sonst stets voll behangenen Ständer hätten heute nur zwei Kannen gehangen. Warum jemand eine Gießkanne mit der Aufschrift „Friedhof“ klaut, das könne sie sich allerdings nicht vorstellen. „Vielleicht wurden die Kannen auch einfach nur neben den Gräbern stehen gelassen, und nicht zurückgeräumt“, überlegt Kathrin Heidrich.
Was der Schrotthändler für einen Wasserhahn bezahlt
Nicht nur für das Stehlen von Wasserhähnen, auch für das Entwenden von Grabschmuck habe sie kein Verständnis. „Sowas kann ich nicht nachvollziehen, das gehört sich einfach nicht“, sagt Kathrin Heidrich. Dabei dürfte sich der Wasserhahn-Coup aus Sicht von Olaf Köhler, Schrotthändler beim Entsorgungsunternehmen Lausitz Recycling, für die Diebe kaum gelohnt haben.
„Ein Wasserhahn wiegt etwa 0,8 Kilogramm“, erklärt er. Der Kilogramm-Preis für Messing liege derzeit bei 3,10 Euro. Im Vergleich dazu gibt es für das Kilogramm Aluminium 70 Cent. Und für Kupfer liegt der Kilo-Preis je nach Reinheit zwischen 5,5 und 6,20 Euro. Heißt, für 13 Wasserhähne aus Messing, dem Material, aus dem die meisten Wasserhähne bestehen, dürften die Diebe damit etwa 35 Euro bekommen haben.
Bei Grablampen aus Bronze schöpft der Schrotthändler Verdacht
„Das ist schon eine Sauerei“, so der Schrotthändler. Er habe über Facebook davon erfahren. Bei ihm sei aber nichts dergleichen abgegeben worden. „Momentan sind wir im Sommerloch“, erzählt er. Es sei einfach zu heiß. Derzeit werden vor allem Papier abgegeben, mitunter auch etwas Eisenschrott, also Bleche, Schrauben oder Nägel.
Eine paar Jahre sei es her, als ein Kunde mal Grablampen aus Bronze vorbeibrachte. „Da haben wir aber gleich Verdacht geschöpft“, berichtet der Schrotthändler. „So was gibt es bei uns nicht“, stellt er klar. Der Mann habe seitdem Hausverbot.
Zeugen gesucht
- Erstmals wurde der Diebstahl von Wasserhähnen auf Friedhöfen in Lauchhammer im Jahr 2016 registriert. Inzwischen mussten insgesamt 38 Wasserhähne durch die Stadt ersetzt werden.
- Die Kosten betragen je nach Hersteller zwischen 9 und 11 Euro.
- Nach erneut vermehrt aufgetretenen Diebstählen von Wasserhähnen auf Friedhöfen in Lauchhammer werden nun Zeugen gesucht.
- Die Stadt Lauchhammer nimmt daher gern Hinweise von Bürgern entgegen, wenn diese Diebstähle oder Vandalismus beobachtet haben.
- Zeugen können sich telefonisch unter 03574 488-408 oder per Mail: friedhofswesen@lauchhammer.de melden.



