Betrug in Senftenberg
: Rentnerin wehrt sich erfolgreich gegen dreiste Eurojackpot-Masche

Angeblich hatte sie 8000 Euro Schulden wegen eines Eurojackpot-Abos. Doch bei Rentnerin Brigitte Menzel (73) aus Senftenberg bissen die Telefonbetrüger auf Granit. Jetzt will die Seniorin andere warnen. Was die Polizei dazu sagt.
Von
Rita Seyfert
Senftenberg
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Nicht mit ihr: Rentnerin Brigitte Menzel (73) aus Senftenberg hat Telefonbetrüger in die Schranken verwiesen.

Rita Seyfert

Beim Gedanken an den Schock-Anruf ist Brigitte Menzel (73) immer noch aufgebracht. „Was denken Sie, wie das in meinem Kopf gerattert hat?“, sagt sie. Die alte Dame ringt kurz um Worte, doch dann erzählt sie ihre Geschichte ganz nüchtern und gefasst. „Den Halunken habe ich es gezeigt“, sagt sie. Der Vorfall ging glimpflich aus. Nun will sie andere Leute warnen.

Es war ein Donnerstag, als das Telefon gegen 10.45 Uhr klingelte, erzählt sie. Eine „Frau Schulz“ habe sich vorgestellt. „Angeblich von Eurojackpot.“ Bei der Zahlenlotterie soll Brigitte Menzel ein Abo abgeschlossen, aber nie bezahlt haben, behauptete die Anruferin. Schulden von 8000 Euro sollen zusammengekommen sein, erzählt die Rentnerin. Dabei würde sie immer sofort jede Rechnung begleichen.

Anruferin redet und redet – und die Seniorin bittet um Bedenkzeit

„Mir war das unbegreiflich, einfach utopisch“, sagt sie. Doch es kommt noch fieser. „Wir können das außergerichtlich machen“, so der Vorschlag. „Also ohne Gerichtsvollzieher oder Kontopfändung.“ Andernfalls müsse sie sich einen Anwalt nehmen. Während die Anruferin ununterbrochen redete und redete, versuchte Brigitte Menzel einen klaren Gedanken zu fassen.

„Was soll ich beim Anwalt, ich habe nie ein Mahnschreiben bekommen?“, habe sie laut denkend gesagt. „Doch“, behauptete die Betrügerin frech weiter, „eine Zahlungsaufforderung habe Eurojackpot per Post geschickt.“ Schließlich wurde es Brigitte Menzel zu bunt. „Stopp, ich brauche Bedenkzeit“, forderte sie.

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Was die Senftenberg Rentnerin nach dem Telefonat herausfindet

Beide Frauen vereinbaren einen zweiten Telefontermin. Doch die alte Dame lässt sich nicht foppen. Nachdem sie aufgelegt hat, recherchiert sie im Internet. Auf der Seite www.wemgehoert.de überschlagen sich die Kommentare zu der Handynummer +491783241647. Schnell wird klar, dass es sich um eine Betrugsmasche handeln muss.

Auch andere Personen berichten auf der Internetplattform, dass sie von einer „Frau Schulz“ im Auftrag von Eurojackpot angerufen wurden. Als Mitarbeiterin vom „zentralen Mahngericht“ habe sie einen weiteren Anruf einer mutmaßlichen Kanzlei namens „Neumann und Meier“ angekündigt, schreibt ein Kommentator am 14. November. Die Bankverbindung würde aus steuerlichen Gründen mit „GB“ beginnen. Bei der Überweisung auf ein deutsches Konto würden sonst Mehrkosten entstehen, so die Begründung.

So wird im Internet von der Eurojackpot-Masche berichtet

In einem weiteren Kommentar im August dieses Jahres berichtet ein Angerufener ebenfalls von einer Frau Schulz, die behauptete, dass sie eine „Fahndungsakte“ habe und pfänden solle. Der per Gerichtsvollzieher geforderte Betrag über 9000 Euro ist ähnlich hoch. „Außergerichtlich sollten es dann 3987 Euro sein“, schreibt er. Die Bankverbindung sollte per SMS gesendet werden. „Diese Telefonnummer war aber bei Rückrufversuch nicht bekannt“, heißt es weiter. Auch er warnt: „Es stinkt nach Betrug.“

Brigitte Menzel studiert alles im Detail. Danach ruft sie ihre Tochter (53) an. Diese bestärkt sie in dem Betrugs-Verdacht. Daraufhin entschließt sich Brigitte Menzel zur Strafanzeige. „Man fühlt sich so hintergangen“, erzählt sie. Für den angehenden Polizeibeamten im letzten Lehrjahr sei es das erste Mal gewesen, dass er so eine Anzeige gegen unbekannt schreiben musste, erzählt sie. Hoffnung machte er ihr aber keine. „Die kommen an solche Leute gar nicht ran“, sagt sie.

Anzeige gegen unbekannt – warum die Polizei nichts machen kann

Polizeisprecher Maik Kettlitz aus Cottbus bestätigt, dass es kaum eine Handhabe gegen die betrügerischen Banden gibt. „Meist sind die Telefonnummern manipuliert“, sagt er. Insofern sie sich zurückverfolgen lassen, führe der Weg häufig raus aus der Europäischen Union. Dies erschwere die Ermittlungen. In einigen Fällen sei es aber gelungen, die Betrüger bei der Geldübergabe auffliegen zu lassen.

Soweit ist es bei Brigitte Menzel allerdings nicht gekommen. „Innerhalb der Familie haben wir dann Wetten abgeschlossen“, berichtet Brigitte Menzel. Ihr Sohn (52) sei davon ausgegangen, dass „Frau Schulz“ nicht mehr anruft. Doch ihr sei klar gewesen, dass die Betrügerin so frech ist, um es noch einmal zu versuchen. Und so kam es dann auch. Doch diesmal verlief das Telefonat nur kurz und knapp. Brigitte Menzel bluffte, dass sie eine Fangschaltung zur Polizei gelegt habe. Darauf legte „Frau Schulz“ ruckzuck wieder auf.

Auch angebliche Justizvollzugsanstalt wollte bei ihr pfänden

Es ist nicht das erste Mal, dass Brigitte Menzel von betrügerischen Anrufern belästigt wird. Auch ein angeblicher Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt in Stuttgart rufe sie etwa zweimal jährlich an. „Die wollen auch bei mit pfänden, weil ich angeblich Schulden habe“, erzählt sie. Inzwischen sei sie aber gewappnet. Auch beim nächsten Mal würde sie den Betrügern zuhören. „Und dann würde ich fragen, ob sie eigentlich selber glauben, was sie da erzählen.“

Was die Polizei zu dem Fall sagt

„Chapeau an Brigitte Menzel, alles richtig gemacht“, so die Einschätzung von Polizeisprecher Maik Kettlitz. „Die Eurojackpot-Masche ist uns bekannt“, sagt er. Bedenkzeit erbitten, um einen klaren Kopf zu gewinnen – genau dies sei die richtige Reaktion am Telefon. Bei Geld skeptisch bleiben. Gerade bei hohen Summen rät die Polizei, was Schriftliches zum Vertragsgegenstand zu verlangen. Bleiben die Zweifel bestehen, dann besser die Revierpolizei anrufen.

„Diese oder ähnliche Versuche gibt es jeden Tag“, berichtet Maik Kettlitz. Die Zahlen sind konstant. 2022 wurden 608 Betrugsfälle zur Anzeige gebracht, 2021 waren es 618, und 2020: 616, darunter sowohl Betrugsversuche am Telefon als auch solche über Ebay. Dies dürfte aber nur die Spitze vom Eisberg sein. „Die meisten Angerufenen legen einfach auf.“

Neben der Eurojackpot-Masche warnt die Polizei in jüngster Zeit auch zunehmend vor Betrugsversuchen, bei der eine Kaution verlangt wird. Die Betrüger behaupten angeblich im Namen der Staatsanwaltschaft, dass ein naher Verwandter einen Unfall verursacht hat. Die Kaution soll verhindern, dass Sohn oder Tochter ins Gefängnis müssen. Dabei kommen Kautionen im deutschen Rechtssystem gar nicht zum Einsatz, stellt der Polizeisprecher klar. Im Gegensatz dazu scheint die polizeiliche Aufklärungsarbeit zum inzwischen rückläufigen Enkeltrick von Erfolg gekrönt.