Wahl 2024 in Lübbenau
: Das sind die bekanntesten Kandidaten

Mit personellen Überraschungen warten die Parteien bei der Kommunalwahl 2024 in Lübbenau auf. Die SPD hat lokale Promis in ihren Reihen. Die Grünen stellen den ältesten Kandidaten und eine Partei ist neu.
Von
Daniel Preikschat
Lübbenau
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Die Stadtverordneten mit Ortsvorstehern aus Lübbenau. Das Foto entstand im Anschluss an die konstituierende Sitzung nach der Kommunalwahl 2019. 2024 steht wieder eine Wahl an.

Daniel Preikschat

Nur für einen der 28 Stadtverordneten in Lübbenau ist die Sitzung am Mittwoch, 24. April, definitiv die letzte. Holger Bartsch (SPD) kandidiert am 9. Juni 2024 nicht erneut bei der Kommunalwahl. Der ehemalige Landesvorsitzende der SPD Brandenburg und Landrat des Landkreises OSL wurde kürzlich 83 Jahre alt und beendet seine politische Laufbahn.

Alle anderen 27 derzeitigen Stadtverordneten stellen sich am 9. Juni erneut der Wahl. Dabei müssen sie sich gegen 48 weitere Kandidaten behaupten. Nach der Sitzung des Wahlausschusses am 10. April ist das nun amtlich.

Nach dem Ausscheiden Bartschs könnte Joachim Liedtke ältester neuer Stadtverordneter werden. Der Pfarrer im Ruhestand, Jahrgang 1943, hatte sein Mandat im Juni 2022 bereits niedergelegt, tritt aber nun erneut an. Sollte am 9. Juni nicht nur Joachim Liedtke, sondern auch die jüngste SPD-Kandidatin Pia Hensel (geboren 2004) in die SVV gewählt werden, wäre die Alterspanne dort beträchtlich.

Aufgrund seiner Bekanntheit in Lübbenau hat Liedtke vermutlich bessere Chancen als die junge Sozialdemokratin, genügend Stimmen zu bekommen. Der Ruheständler holte bei der Kommunalwahl 2019 immerhin 591 Stimmen und schaffte damit das fünftbeste Wahlergebnis aller 79 Kandidaten.

Zweiter Anlauf für SPD-Kandidaten in Lübbenau

Die SPD Lübbenau hat dafür zweifellos die meisten lokalen Promis in ihren Reihen und kann die längste Kandidatenliste aufweisen. 18 Namen stehen darauf, darunter der von Pensionsbetreiber Marko Schröter, nunmehr auch Vorsitzender der Händlerinitiative IGEA in der Altstadt, und der von Jörg Schwerdtner, Inhaber des wohl bekanntesten Lübbenauer Gasthauses „Am Grünen Strand zur Spree“ und Vorsitzender des Lübbenauer Tourismusvereins. Beide Lübbenauer traten bereits bei der Kommunalwahl 2019 für die SPD an und versuchen es nun erneut. Ebenso wie Ulrich Thorhauer, ehemaliger Leiter der Beruflichen Schule für Sozialwesen der AWO in Lübbenau.

Zu den bekannteren Kandidaten dürfte auch Queenie Nopper zählen, seit Jahren Quartiersmanagerin im Projektbüro Lübbenaubrücke und Strippenzieherin in Kulturangelegenheiten. Die Lübbenauerin kandidiert wie Ruheständler Liedtke für die Grünen, die mit insgesamt acht Kandidaten in die Wahl gehen.

Weniger Popularität dürfte Maschinenbauingenieur Andreas Brendel genießen, der dafür aber lokalpolitische Erfahrung einbringen kann. Er war bereits von 2003 bis 2013 CDU-Stadtverordneter und will es nun erneut werden.

Bald neue politische Kraft in Lübbenau?

Außer Brendel kandidiert auch die junge Landwirtin Wiebke Kullick aus dem Ortsteil Groß Lübbenau für die CDU, die kürzlich durch beherzte öffentliche Stellungnahmen zu Problemen in der Landwirtschaft durch Solar- und Windanlagen von sich reden gemacht hat.

Wollten bei der Kommunalwahl 2019 noch 15 Lübbenauer für die CDU in die SVV, sind es nun noch acht. Drei Sitze verloren die Christdemokraten damals an die AfD. Entsprechend wurden beim traditionellen Neujahrsempfang der CDU Lübbenau Ende Februar keine überambitionierten Ziele und Kampfansagen formuliert.

Keine Unbekannten in der Spreewaldstadt sind auch Ricarda und Thilo Christiansen. Die Friseurmeisterin mit einem Salon in der Karl-Marx-Straße und der Hotelbetriebswirt gehören den Freien Wählern an, die neue politische Kraft in Lübbenau werden möchten. Thilo Christiansen ist Sprecher der Freien Wähler Lübbenau/Spreewald und hatte sich zuletzt unter anderem für die Belange der Garagennutzer starkgemacht.

Sieben Kandidatenimmerhin bieten die Freien Wähler auf. Nur zwei weniger als die Linken und die AfD. Beide Parteien verbindet zudem, dass sie in ihren Kandidatenreihen mit Frank Menzel (AfD) und Philipp Rödel (Linke) einen Polizeibeamten haben. Bei der AfD war 2019 Marian von Stürmer der Stimmenabräumer. Fast 3000 Stimmen holte er und leistete damit großen Anteil, die in Teilen rechtsextreme Partei zur zweitstärksten Kraft in Lübbenau zu machen. Nur noch Stadtverordnetenvorsteher Uwe Pielenz (SPD) und Roswitha Schier (CDU), die auch Landtagsabgeordnete ist, knackten die 1000er Marke. Offenbar konnte der AfD-Fraktionschef nun auch einen Berufskollegen für das Stadtverordnetenehrenamt erwärmen. Der etwa gleichaltrige Mathias Meyer, Jahrgang 1978, ist wie von Stürmer ebenfalls Dachdeckermeister.

Viele Landwirte bei der AWG

Die meisten Landwirte hingegen finden sich erwartungsgemäß unter den Kandidaten der AWG. Jens Teichert, Helmut Richter, Jens Kulick, Nico Wagner und Dirk Richter betreiben Landwirtschaft in Lübbenauer Ortsteilen. Wobei der regelmäßige Landpartieteilnehmer Helmut Richter mit seinem Angerhof in Bischdorf der wohl prominenteste Landwirt sein dürfte.

Die Alternative Wählergemeinschaft steht für ausreichende Daseinsvorsorge im ländlichen Raum, konnte bei der Kommunalwahl 2019 mit 16 Kandidaten antreten und vier Sitze in der Stadtverordnetenversammlung besetzen. 2024 sind es immerhin noch zwölf Bewerber, das kann nur die SPD toppen (18 Bewerber), die stärkste politische Kraft in Lübbenau bleiben will.

So fiel die letzte Kommunalwahl in Lübbenau aus

► Bei der Kommunalwahl in Lübbenau am 26. Mai 2019

● bekam die SPD einen Stimmenanteil von 24,2 Prozent,

● es folgten die AfD (20 Prozent),

● CDU (19,4),

● AWG (15,1),

● Die Linke (13,4),

● Grüne/B90 (4,3),

● FDP (3,1)

● und NPD (0,5).

► Entsprechend wurden die 28 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung verteilt:

● sieben für die SPD,

● sechs für die AfD,

● vier für die AWG und Die Linke,

● je ein Sitz für FDP und Grüne/B90.

► Während der fünfjährigen Amtszeit legten sechs Stadtverordnete ihr Mandat aus verschiedenen Gründen nieder:

● Siegmar Feldheim (SPD),

● Antje Pohler (Linke),

● Joachim Liedtke (B90/Grüne),

● Marcel Wepprich und Ronny Liersch (AfD)

● sowie Reinhard Mich (AWG).

► Für die Kommunalwahl, bei der jeder Wahlberechtigte drei Stimmen vergeben darf, gab es

● 2019 insgesamt 79 Kandidaten,

● 2024 sind es 75.

► Die Wahlbeteiligung lag 2019 bei 55 Prozent, wahlberechtigt waren 14.150 Lübbenauer.

► Konstituierende Sitzung mit den 2024 neu gewählt Lübbenauer Stadtverordneten wird am 3. Juli sein.