Streik bei Kaufland in Brandenburg
: Noch vor Ostern – Verdi bestreikt Supermärkte

Kaufland steht aktuell im Fokus bundesweiter Streiks. Den Aktionshöhepunkt für Berlin und Brandenburg kündigt die Gewerkschaft Verdi in Lübbenau an.
Von
Harriet Stürmer
Lübbenau
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Verdi ruft zum Streik im Einzelhandel und Großhandel in Berlin und Brandenburg auf.

Christophe Gateau/dpa

„Ostern steht vor der Tür – wir auch“ – unter diesem Motto ruft die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten ausgewählter Unternehmen im Einzel- und im Großhandel in Berlin und Brandenburg am Gründonnerstag (28. März 2024) zum Streik auf. Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen für beide Branchen.

Im Rahmen der Kaufland-Aktionswoche findet der gemeinsame Aktionshöhepunkt vor dem Kaufland-Lager in Lübbenau statt, kündigt Conny Weissbach, Verdi-Landesfachbereichsleiterin für den Handel in Berlin und Brandenburg, an. Demnach werden Streikende anderer Handelsunternehmen aus ganz Berlin und Brandenburg für die Kundgebung nach Lübbenau anreisen. Der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke wird ebenfalls erwartet und dort sprechen.

Mit der Aktionswoche „Kaufland“ will Verdi die Schwarz-Gruppe ins Visier nehmen, zu der das Unternehmen Kaufland gehört. „Die Gruppe, zu der auch die Marke Lidl gehört, gilt als einer der Blockierer im Arbeitgeberverband und ist gleichzeitig einer der marktprägenden Akteure im deutschen Einzelhandel“, sagt Landesfachbereichsleiterin Conny Weissbach. Zuletzt hatten der Edeka- und der Rewe-Konzern im Mittelpunkt von Streikaktionswochen gestanden.

Wird in Lübbenau erwartet: Frank Werneke, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi).

Soeren Stache/dpa

Weissbach betont, die Handelskonzerne würden weiterhin Verhandlungen verweigern und versuchen, mit einseitigen Lohnerhöhungen die Streikbereitschaft zu schwächen. „Diese einseitigen Erhöhungen sind jedoch nicht rechtssicher, bieten den Beschäftigten keine planbare Zukunft und können den Reallohnverlust der letzten drei Jahre nicht kompensieren. Vor diesem Hintergrund ist die Streikbereitschaft unter den Beschäftigten weiterhin hoch. Viele stehen finanziell am Abgrund“, erklärt Weissbach.

Das fordert die Gewerkschaft

● Verdi fordert in den Tarifverhandlungen für den Einzelhandel 2,50 Euro pro Stunde mehr Gehalt bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten.

Das bieten die Arbeitgeber an

● Die Arbeitgeber hatten zuletzt 1,04 Euro mehr pro Stunde nach drei Nullmonaten im ersten Jahr und zusätzlich vier Prozent im zweiten Jahr bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwei Jahren angeboten.

● Das jüngste Angebot der Arbeitgeber im Großhandel sieht im ersten Jahr nach vier Nullmonaten eine Erhöhung von 5,1 Prozent und für das zweite Tarifjahr nach drei Nullmonaten 2,9 Prozent vor.

● Verdi kommentiert: „Die Abwanderung aus dem Handel ist mit weiteren massiven Reallohnverlusten nicht zu stoppen.“

Gewerkschaft bittet an den Verhandlungstisch

„Der tarifpolitische Einfluss von Kaufland ist enorm“, sagt Verdi-Landesfachbereichsleiterin Conny Weissbach. „Das Unternehmen ist damit mitverantwortlich für die Blockade der Tarifverhandlungen durch die Arbeitgeber. Mit unserem Aktionstag vor dem Kaufland-Lager fordern wir auch Kaufland auf, seiner Verantwortung gerecht zu werden. Wenn die Handelskonzerne an einer Lösung interessiert sind, geht das nur in Verhandlungen. Die Unternehmen müssen umgehend an den Verhandlungstisch zurückkehren und einen fairen Kompromiss aushandeln. Einen Abschluss, der die massiven Reallohnverluste stoppt, das Entgeltniveau nachhaltig hebt und die eigenen Beschäftigten in der Branche hält und vor Altersarmut schützt.“