Storch in Lübbenau: Drama um Störche in der Altstadt

Neben den Ferienwohnungen der Familie Nopper in Lübbenau hatte die Feuerwehr einen ungewöhnlichen Einsatz mit Drehleiter und Kran.
Daniel PreikschatUrsula und Frank Nopper sind aufmerksame Stochenbeobachter. Seit 1995 besetzt ein Storchenpaar einen Horst, der auf dem Grundstück der Noppers neben deren Ferienwohnungen aufragt. In den letzten Jahren schlüpften dort oben immer zwei bis drei Junge. Der Standort gefiel den großen Vögeln ganz offenbar.
Dieses Jahr allerdings fiel auf, dass mehrere Tage lang immer nur noch ein Storch zu sehen war, berichtet Frank Nopper. War etwa einem der beiden Elterntiere etwas zugestoßen? Besorgt rief Nopper beim Naturschutzbund (Nabu) in Person von Bernd Elsner an. Auch die 112 wählte Nopper auf dessen Rat hin. Nach dem Anruf bei der Leitstelle in Cottbus dauerte es nicht lange, bis die Lübbenauer Feuerwehr ein Drehleiterfahrzeug im idyllischen Innenhof der Noppers parkte.
Drama um Störche in Lübbenau ‒ wohin mit den Eiern?
Im Drehleiterkorb ließen sich Stadtbrandmeister Hartmut Wassermann und Nabu-Mitarbeiter Bernd Elsner auf Höhe bringen. Kurz vor Erreichen des Nestes flatterte das Muttertier davon. Vorsichtig entnahmen die beiden Männer drei Storcheneier, legten sie vorsichtig in einen von Nopper selbst geflochtenen Korb, deckten sie zu und ließen sich wieder herunterfahren.

Bernd Elsner (li.) und Hartmut Wassermann mit den geretteten Storcheneiern in Lübbenau.
Daniel PreikschatWährend für Wassermann und einen weiteren Feuerwehrmann der Einsatz damit zu Ende war, hatte Nopper noch eine Fahrt nach Reddern vor sich. In der Wildtierstation dort kümmert sich Förster Gernot Heindl um dergleichen Notfälle. „Dort können die Eier ausgebrütet und die Jungen aufgezogen werden“, sagt Elsner.

Frank Nopper fährt die wertvolle Fracht von Lübbenau zu Förster Gernot Heindl nach Reddern.
Daniel PreikschatDer Mann vom Nabu geht davon aus, dass Nopper recht hat und das männliche Elterntier bei der Nahrungssuche wahrscheinlich tödlich verletzt worden ist. So etwas passiere leider immer mal wieder, Autoverkehr und Hochspannungsleitungen seien unter anderem Gefahrenquellen für Störche. Die Mutter allein könne aber keine drei Jungen aufziehen. Den Nachwuchs schützen und für Nahrung sorgen – das schafft ein Tier allein nicht. „Die Störchin hätte die Jungen nicht verlassen und wäre mit ihnen verhungert“, ist Bernd Elsner sicher.
Für Familie Nopper ist der Storchenhorst eine Art Alleinstellungsmerkmal für ihren Pensionsbetrieb, den mittlerweile der Sohn übernommen hat. Welcher Übernachtungsanbieter könne das schon bieten, sagen die Noppers. Es soll sogar so sein, sagt Ursula Nopper ein wenig im Scherz, dass die Nähe des Storchenhorstes positiven Einfluss für übernachtende Paare hatte.
Was wird aus der Storchenmutter in Lübbenau?
Weitere Tiere auf dem Grundstück der Noppers sind die Alpakas Tom und Theo, Pony Bella und Hündin Lotte. Da es sich um ein Wassergrundstück handelt, können Übernachtende auch mit dem Boot in die Fließlandschaft paddeln.
Und was wird aus der Storchenmutter? Die werde noch einige Male über dem Nest kreisen und sich dann damit abfinden, dass die Eier weg sind, sagt Elsner. Vielleicht finde sie noch dieses Jahr einen anderen Partner für das Nest, sonst eben im nächsten Jahr.
