Ostern im Spreewald
: Erstes Osterreiten seit drei Jahren – was 2023 anders sein wird

Jahrelang fiel die beliebte Veranstaltung aus - doch dieses Jahr werden die Osterreiter wieder durch Lübbenauer Ortsteile ziehen. Die Vorbereitungen zur beliebten Ostersonntagsveranstaltung laufen auf Hochtouren. Doch fehlt auch noch etwas Wichtiges.
Von
Julia Siebrecht
Lübbenau
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Osterreiterin mit geflochtenem Buchsbaumkreuz

Burisch, Juliane

Drei Jahre konnte das Osterreiten im Spreewald coronabedingt nicht stattfinden. 2023 ist es nun endlich wieder so weit. Die festlich geschmückten Reiterinnen und Reiter werden am Ostersonntag auf ihren geputzten Pferden durch Zerkwitz, Klein und Groß Beuchow, Klein Radden, Ragow und Krimnitz reiten und in jedem Ort einem jungen Mädchen einen Tonkrug mit Osterwasser übergeben.

Der feierliche Reiterzug durch die Spreewälder Dörfer steht symbolisch für die Verkündigung der Auferstehung Christi an die Menschen. Hierzu trägt das erste und das letzte Reiterpaar im Zug weiße Fahnen mit einem roten Kreuz. Die Fahnen werden den Reitern traditionell im Anschluss an den Gottesdienst am Ostersonntag vor der Tür der Evangelischen Kirche Zerkwitz übergeben. Die Übergabe markiert den Beginn des Osterreitens.

Osterreiten 2023 in Lübbenau: Es gibt einige Veränderungen

Nach mehreren Jahren, in denen der feierliche Umzug nicht hatte durchgeführt werden können, gibt es zum diesjährigen Osterreiten am 9. April durch Lübbenauer Ortschaften auch einige Veränderungen: Zum einen wird es erstmalig vom Reit- und Fahrverein Nature Experience e.V. aus Hindenberg/Lübbenau organisiert. Des Weiteren wird sich seitens der Organisatoren bemüht, das erste Mal Kinder auf Ponys mitreiten zu lassen.

Auch bestehen Änderungen im Ablauf: Die Osterreiter werden sich in jeder Ortschaft, durch die sie kommen, eine Viertelstunde aufhalten. Wo es möglich ist, soll eine kurze Andacht abgehalten werden. Bei vorangegangenen Prozessionen ist dagegen in Ragow ein vergleichsweiser langer Halt gemacht worden. Auch wenn die Aufenthaltsdauer in Ragow etwas reduziert werden soll, wird es dort nach wie vor ein Mittagessen geben. Mit der Ablaufänderung soll das Osterreiten gleichmäßiger auf die verschiedenen Ortschaften verteilt werden. Auch den Pferden würde der veränderte Ablauf entgegenkommen, meint Juliane Burisch, eine der schätzungsweise 20 Osterreiterinnen und Osterreiter.

Darin liegt zugleich eine weitere Besonderheit des Brauchs im Spreewald: im Unterschied zu streng konservativen Prozessionen in der sächsischen Oberlausitz führen hier auch Frauen die Pferde. Erfahrungsgemäß bestehe der Zug sogar in der Mehrheit aus Reiterinnen, meint Juliane Burisch. Dass beim Osterreiten im Spreewald auch Frauen als Reiter zugelassen sind, mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass hier der feierliche Umzug vor knapp 25 Jahren durch das Wirken des langjährigen Pfarrers der Zerkwitzer Gemeinde, Michael Oelmann, wiederbelebt worden ist. Das Osterreiten der Wittichenauer Kreuzreiter, wo nur Männer als Reiter zugelassen sind, findet dagegen schon etwas länger statt, nämlich seit 1541.

Was noch ganz dringend gesucht wird

Doch benötigen die Organisatoren noch ganz dringend eine Sache, ohne die das Osterreiten 2023 nicht ganz komplett wäre: einen Buchsbaum. Aus seinen Zweigen wird ein Kreuz umflochten, welches die Osterreiter dann mit sich führen. Außerdem werden beim Ritt durch die Ortschaften kleine Buchsbaumsträußchen an die Menschen verteilt. „Darüber freuen sich die Besucher immer ganz besonders. Es wäre sehr schade, wenn wir diesen schönen Brauch in Ermangelung eines Buchsbaums nicht umsetzen könnten“, meint Juliane Burisch.

Noch stecken die vielen freiwilligen Helfer und Helferinnen mitten in den Vorbereitungen. Am Freitag, den 31. März, findet 18 Uhr in der Feuerwache der Freiwilligen Feuerwehr Zerkwitz (in unmittelbarer Nähe zur Kirche) ein letztes, gemeinsames Vorbereitungstreffen statt. „Wir freuen uns über jede helfende Hand und laden alle Interessierten herzlich ein, mit dabei zu sein“, sagt Juliane Burisch. So würden noch Leute für den Auf- und Abbau, etwa von Sitzmöglichkeiten und Tischen, gesucht. „Falls wir noch genügend Buchsbaum bekommen, würden sich die Zerkwitzer Frauen auch sehr über Unterstützung beim Flechten freuen“, so Juliane Burisch. Auch Menschen, die Teil des Reiterzuges sein wollen, könnten sich noch anmelden.

Im Sommer soll dann mit einem Fest allen an der Organisation Beteiligten gedankt werden. Denn die Veranstaltung bringe schon einen gewissen zeitlichen und finanziellen Aufwand mit sich, meint Juliane Burisch. Doch der Aufwand würde sich auch lohnen. Allein der Umstand, dass das letzte Osterreiten im Jahr 2019 stattfand, macht das erste Osterreiten seit vier Jahren zu etwas ganz Besonderem. „Wir laden alle sehr herzlich ein, mit uns in diesem Jahr wieder Ostern zu feiern“, sagt Reiterin Juliane Burisch.

Zum genauen Ablauf

Am Ostersonntag, dem 9. April, findet das Osterreiten in Lübbenau, Spreewald, statt. Es beginnt um 9 Uhr mit einem Gottesdienst in der Evangelischen Kirche Zerkwitz. Im Anschluss erhalten die Osterreiter den Segen und die Glaubenssymbole und reiten von Zerkwitz aus nach Klein Beuchow, wo sie etwa 10.30 Uhr eintreffen sollen. Um 10.50 Uhr ist die Ankunft in Groß Beuchow geplant, 11.30 Uhr Klein Radden und um 12.20 Uhr kommen sie in Ragow an, wo eine Mittagsrast gemacht wird. Krimnitz bildet den Abschluss der Spreewalder Osterreiterprozession um 13 Uhr.

Die Organisatoren bitten alle Besucherinnen und Besucher ausreichend Abstand zu den Pferden zu halten. So wird beiden Seiten Sicherheit gewährt.

Wer sich noch als Reiter anmelden möchte, Buchsbaum beisteuern kann oder anderweitig helfen möchte, kann Juliane Burisch unter JuleBu@web.de kontaktieren.