Musikverein Vetschau
: Baustelle Nachwuchs – wie bleibt die Blasmusik lebendig?

Fast jeder Verein kämpft gegen den Mitgliederschwund. Auch der Musikverein Vetschau. Mit einem Sechs-Punkte-Plan will er die Hürden für Neuzugänge senken.
Von
Jana Semt
Vetschau
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Kommt da der Krach raus ?. Der 13 Monate alte Niklas aus Düsseldorf will es ganz genau wissen und schaut dem Tubaspieler einer Jazzband bei einem Auftritt in Düsseldorf in sein Instrument (Foto vom 24.04.2011). Foto: Horst Ossinger dpa ++ +++ dpa-Bildfunk +++

„Wenn wir frühzeitig ansetzen, junge Menschen mitreißen und ihnen Perspektiven bieten, wird die Blasmusik auch in Zukunft lebendig bleiben“, sagt Martin Neumann vom Musikverein Vetschau. Er hat einen Plan entwickelt, wie Nachwuchsarbeit gelingen kann. (Symbolfoto)

picture alliance / dpa | Horst Ossinger
  • Der Musikverein Vetschau kämpft gegen Mitgliederschwund mit einem Sechs-Punkte-Plan.
  • Martin Neumann: Ziel ist es, junge Menschen frühzeitig für Blasmusik zu begeistern.
  • Familienfreundliche Probezeiten und moderne Musikstücke sollen die Hürden senken.
  • Auch Erwachsene sind willkommen; Blasmusik bietet geistiges Training.
  • Kontakt über www.musikverein-vetschau.de.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die kalte Jahreszeit ist die Zeit der Zamper- und Fastnachtsumzüge in der Region. Wenn die bunt gekleideten Leute von Haus zu Haus ziehen, um den dunklen Winter zu vertreiben, darf eines nicht fehlen: eine Zamperkapelle. Mit Pauken und Trompeten kündigt sie lautstark das lustige Treiben an, spielt Ständchen um Ständchen als Dank für Sach- und Geldspenden.

Doch wer schon einmal einen solchen Umzug organisiert hat, weiß: Eine Zamperkapelle zu finden ist schwierig geworden. Immer weniger Menschen widmen ihre Freizeit dem Spielen von Tuba, Posaune und Klarinette. Das bestätigt auch Martin Neumann, Vorsitzender des Musikvereins Vetschau.

Viele der Zampermusiker, die an den Wochenenden noch durch die Dörfer ziehen, sind hier Mitglied. Er sagt: „Die Überalterung ist ein gravierendes Thema, das Ringen um Neuzugänge auch. Davon sind alle Vereine betroffen, wir sind da leider ein typisches Beispiel“. Ist die Tradition der Zamperkapellen in Gefahr?

Sechs-Punkte-Plan gegen den Nachwuchsmangel

Zwar zählt der Vetschauer Musikverein über 50 Mitglieder, doch nur gut 30 von ihnen machen auch aktiv Musik. Als der Verein 1956 als Pionier- und FDJ-Blasorchester gegründet wurde, war der Zulauf noch groß, erzählt Martin Neumann (69). „Die Kinder freuten sich darauf, ein Instrument zu erlernen und Zeit mit Gleichaltrigen zu verbringen. Das ist heute anders“. Nicht nur das Interesse am Vereinsleben schwindet. Auch Holz- und Blechblasinstrumente stehen bei den Heranwachsenden, nun ja, nicht gerade hoch im Kurs.

Vereinsvorsitzender Martin Neumann, der eine Professur für Technische Gebäudeausrüstung an der Hochschule Magdeburg innehat, aber auch acht Jahre für die FDP im Bundestag saß, hat sich so gut es geht darauf vorbereitet – und eine Art Sechs-Punkte-Plan gegen den Nachwuchsmangel zusammengestellt. „Nur so kann die Blasmusik lebendig bleiben“, meint er.

Mit familienfreundlichen Probezeiten, moderneren Musikstücken und Musiker-Patenschaften will er die Hürden für Neu-Mitglieder so niedrig wie möglich halten. „Auch über Leihinstrumente kann man im Einzelfall reden. Das Interesse und die Leidenschaft für die Musik müssen da sein“, meint Neumann, „alles andere findet sich“.

Die Blasmusiker des Vetschauer Musikvereins beim Neujahrskonzert in der Wendischen Kirche Vetschau.

Die Blasmusiker des Vetschauer Musikvereins beim Neujahrskonzert 2025 in der Wendischen Kirche Vetschau. (Archivfoto)

Martin Neumann

Blasmusiker aus Vetschau spielen breit gefächertes Repertoire

Dabei zielen seine Bemühungen nicht unbedingt nur auf Kinder oder Jugendliche ab. Auch Erwachsene jeden Alters sind willkommen. „Sind die Kinder aus dem Haus oder hat sich beruflich etwas verändert, hat man vielleicht Gelegenheit, noch einmal ein Instrument zu lernen. Oder wieder einzusteigen, da bin ich selbst das beste Beispiel. Es ist auch ein unheimlich gutes Training, um geistig fit zu bleiben“, sagt der gebürtige Vetschauer Martin Neumann.

Spielen kann man im Vetschauer Musikverein neben verschiedenen Holzblasinstrumenten wie Klarinette, Flöte und Oboe auch Blechblasblasinstrumente, darunter Trompete, Posaune, Tuba und verschiedene Hörner. „Wir sind nicht überall besetzt, hätten das aber gern“, sagt Herr Neumann, der selbst Baritonhorn spielt.

Welche Musikstücke das Orchester probt, entscheiden die Mitglieder ganz demokratisch selbst: so stehen neben jeder Menge symphonischer Blasmusik auch Stücke von regionalen Komponisten, Filmmusiken, Polka und auch Marsch auf dem Programm.

Zusammensitzen nach der Probe – auch das ist Vereinsleben

„Grundsätzlich treffen wir uns freitags zum Proben. Wie oft, das hängt davon ab, ob ein Auftritt ansteht“, ergänzt der Musikvereinsvorsitzende. Neben den beliebten Neujahrskonzerten tritt das Vetschauer Blasorchester auch bei Stadtfesten und dem Cottbuser Musikherbst auf. Geprobt wird übrigens im Haus der Musik am Kirchplatz in Vetschau. Dorthin könne man auch zum Üben kommen, sagt er, „denn nicht jeder wohnt im Eigenheim“.

Nach dem Proben wird es meist noch gemütlich: sind die Instrumente eingepackt, sitzen die Mitglieder zusammen, trinken etwas und reden über alles Mögliche. „Es ist wie eine Familie“, sagt Neumann, „auch das macht das Vereinsleben aus“.

Mitmachen beim Musikverein Vetschau?

Interessierte können über die Internetseite www.musikverein-vetschau.de mit dem Verein Kontakt aufnehmen.