Fröhliches Kinderlachen ist schon von weitem zu hören in der Kita „Rasselbande“ im Calauer Ortsteil Zinnitz. Stefanie Jungwirth legt eine Spielpause mit den Knirpsen ein, die Kinder freuen sich auf das Mittagessen. Seit Anfang November ist die 40-Jährige die neue Leiterin der städtischen Einrichtung.

Die Mutter von zwei Kindern hat im Jahr 2000 ihre Ausbildung abgeschlossen und sich 2011 in Hamburg zur Märchentherapeutin und 2016 zur Entspannungstrainerin ausbilden lassen. Dann kehrte sie nach Missen zurück. Und nutzt diese Fähigkeiten noch heute: Vielen in und um Calau ist Stefanie Jungwirth als „Malima“, die Märchenerzählerin, bekannt. Einige Male schon hat sie Zuhörer auf besondere Weise durch Geschichten und Märchen vergangener Zeiten im Rahmen ihrer Sagentouren geführt.

Missen/Calau

Viele neue Ideen für die Kita

„In Hamburg habe ich außerdem drei Jahre die Vorschule in der Kita geleitet“, sagt Stefanie Jungwirth. Dabei stellte sich schnell heraus: „Die Arbeit mit Kindern ist etwas ganz Besonderes für mich“, sagt sie. Das soll nun auch auf die Kita in Zinnitz abfärben. Jeder soll sich dort wohlfühlen, so ihr Credo. Kinder, Eltern, Mitarbeiter.

Mit vielen neuen Ideen möchte Stefanie Jungwirth durchstarten: Da ist zum einen die Kreativwerkstatt für Holz- und Tonarbeiten. Das Themenfeld „Waldpädagogik“ will die 40-Jährige erweitern – mit Fred, der Ameise. „Fred ist eine Handpuppe, die spielerisch bei Waldspaziergängen eingesetzt wird“, so die Kita-Leiterin. Bewegung, Spiel und Spaß stünden im Vordergrund. Auch auf gesunde Ernährung werde sie Wert legen, „denn immerhin sind wir Kita mit Biss“, sagt Jungwirth.

Vorgängerin nach schwerwiegenden Vorwürfen beurlaubt

Seit etwa zwei Wochen ist die Kita nun auch passend zur Adventszeit geschmückt. Die Kinder erfreuen sich derzeit jeden Tag an einem Märchen- und Geschichtenkalender.

Doch so harmonisch war es nicht immer in der Einrichtung. Die ehemalige Kitaleiterin wurde beurlaubt, da sie Dinge verschuldet haben soll, „die das Wohl der Kinder gefährdeten und die Rechte der Kinder missachteten“. Das wurde am Rande des öffentlichen Teils des Sozialausschusses angedeutet und geht ziemlich konkret aus einem Schriftwechsel der Stadt Calau mit den Eltern der Kita hervor. Calaus Bürgermeister Werner Suchner (parteilos) bestätigt die Vorfälle. „Aushilfskräfte hätten Beobachtungen dazu gemacht“, so die Stadtspitze. Der Stadt als Träger der Kita wurden die Vorkommnisse daraufhin gemeldet. Kinder hätten Dinge tun müssen, die sie nicht wollten, sie seien zum Essen gezwungen worden, auch wenn sie nicht mehr essen wollten, sie hätten nicht auf die Toilette gehen dürfen, wenn sie hätten gehen müssen, besonders während der Schlafsituation. Und sie seien angeschrien worden, heißt es in dem Schriftstück. Den schweren Vorwürfen geht inzwischen die Staatsanwaltschaft Cottbus nach.

Bürgermeister Werner Suchner will „qualifizierten Neustart“

„Wir als Träger der Kita hatten eine Meldepflicht gegenüber dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg und gegenüber den Praxisberatern vom Jugendamt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz“, sagt Suchner, wo die Vorwürfe ebenfalls geprüft wurden. Aktuell laufen noch Ermittlungen gegen die ehemalige Kitaleitung. „Wir mussten sie beurlauben, da wir die Personalverantwortung haben“, so Suchner.

Für ihn und die Verwaltung sei es zwingend erforderlich gewesen, dass in Zinnitz ein qualifizierter Neustart erfolgt – vor allem im Sinne der Kinder. Im Rahmen dieses Neustarts wurde auch eine Erzieherin aus dem Team der ehemaligen Leitung versetzt, wie die Stadt bestätigt. Das sorgte anfangs zu Protesten einiger Väter und Mütter, die befürchteten, dass ihren Kindern gewohnte Bezugspersonen in der Einrichtung verloren gehen.

Unabhängig von der neuen Kita-Leitung hatten sich einige Eltern dafür stark gemacht, dass möglichst keine Erzieherwechsel an der Kita stattfinden, um die Kinder nicht aus dem gewohnten Umfeld zu reißen.
Unabhängig von der neuen Kita-Leitung hatten sich einige Eltern dafür stark gemacht, dass möglichst keine Erzieherwechsel an der Kita stattfinden, um die Kinder nicht aus dem gewohnten Umfeld zu reißen.
© Foto: Rüdiger Hofmann

Vorerst keine weiteren Personalwechsel

Mütter wie Michelle Schneeweiß. Sie hatte am Rande des Sozialausschusses darauf aufmerksam gemacht. „Wir kämpfen für den Erhalt der Erzieherinnen in der Einrichtung der Kita Rasselbande. Nach der sofortigen Beurlaubung der Kitaleitung im August dieses Jahres aufgrund von Anschuldigungen wegen der Gefährdung unserer Kinder hat die Stadt nun die nächste Erzieherin von einem Tag auf den anderen aus der Kita gerissen und in eine andere Kita gesetzt. Wir Eltern wurden zu den Entscheidungen nicht einbezogen und konnten dem Ganzen nur hilflos zusehen“, teilte Schneeweiß damals mit.

Die Stadt versuchte daraufhin, aufzuklären und Ruhe in das Thema zu bringen. Mitte November fand eine Elternversammlung statt, wo die Verwaltung, Eltern und die Kita gemeinsam die Probleme diskutierten. „Uns war es wichtig, die Dinge zu ordnen und von allen Seiten zu beleuchten und den Eltern die Chance zu geben, sich zu äußern“, sagt Werner Suchner. Laut Bürgermeister werde man bei den Personalentscheidungen bleiben, weitere Personalwechsel werde es aber nicht geben. Die von einigen Eltern eingeforderten Beteiligungsrechte gäbe es nur bedingt. „Diese beziehen sich nur auf konzeptionelle Dinge, nicht aber auf personelle Entscheidungen“, teilt die Verwaltung mit.

Laut Suchner scheint nun größtenteils Verständnis bei den Eltern über die Entscheidungen zu herrschen. „Wechsel gehören dazu. Es gibt nicht immer nur eine Bezugsperson für die Kinder. Wir begleiten den Neustart an der Kita nun positiv und haben mit Frau Jungwirth die richtige Leiterin dafür gefunden“, so das Stadtoberhaupt.

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Struktur der Kita Zinnitz


In der Kita Zinnitz sind aktuell 28 Kinder untergebracht, zehn davon im Krippenbereich und 18 im Kindergartenbereich. Es arbeiten die Kitaleiterin, fünf Erzieherinnen, ein Azubi und eine Hauswirtschaftskarft in der Einrichtung.

„Kita mit Biss“ darf sich die „Zinnitzer Rasselbande“ seit Anfang 2018 nennen. Zur Förderung der Mundgesundheit der Kinder begleitet die „Kita mit Biss“ die tägliche Zahnpflege.