Von Uwe  Hegewald

Wer derzeit mit Fernrohr am Altdöberner See unterwegs ist, dem dürfte vielleicht ein kleines Boot auf der Wasseroberfläche aufgefallen sein. Ferngesteuert zieht es in den kommenden Wochen seine Kreise, vorausgesetzt die Witterung spielt mit.

„Einmal mussten wir die Arbeiten aufgrund des zu hohen Wellenganges abbrechen“, berichtet Christian Lehmann vom Ingenieurbüro für Luftbild, Vermessung (ILV) und Fernerkundung GmbH mit Hauptsitz in Berlin. Auftrag des Ingenieurbüros ist die Erfassung des Gewässerbodenreliefs, das ständigen Veränderungen unterliegt. Die letzten Lotungsarbeiten im später einmal wasserreichsten künstlichen See im Land Brandenburg datieren aus dem Jahr 2001.

An der Seite des 30-jährigen Lehmann operieren Philipp Helbig (28) und Holger Lange (61). Drei zupackende Männer sind für den Job auf und am Altdöberner See auch nötig. Immerhin wiegt das 1,80 Meter lange Z-Boot aus dem US-amerikanischen Kalifornien samt Akkus rund 70 Kilogramm. „Ein Akku-Satz reicht für etwa drei bis vier Stunden. Im Schnitt müssen wir das Boot pro Schicht dreimal ans Ufer ziehen“, erklärt Christian Lehmann, der in Berlin lebt und dort wie Philipp Helbig auch Geoinformation studiert hat.

Aufgrund der Arbeiten in Sperrbereichen macht sich das zwingende Tragen von Schwimmwesten und Sicherungsleinen erforderlich. Davon überzeugen konnten sich Mitarbeiter der Auftrag gebenden LMBV bei einem Besuch am Freitag. Steffen Petrich, verantwortlicher Projektmanager Nordraum Lausitz, und LMBV-Vizepressesprecherin Stefanie Klein machten sich auf den Weg zum Altdöberner See, der von den Bergbausanierern auch „Bergsee“ genannt wird. Dazu beigetragen haben das Uferrelief, die Tiefe des Sees zwischen 60 und 70 Metern sowie die gute Wasserqualität.

„Die Ergebnisse der Lotung sind Bestandteil der Vorbereitung des Planfeststellungsverfahrens für das ehemalige Restloch Greifenhain“, erklärt Steffen Petrich. Aktuell betrage der Füllstand 75,6 Meter über Normalhöhennull (mNHN). Zum Flutungsende werden es 82,4 mNHN sein. Bis dahin müssen wir die Sanierung abgeschlossen haben, so der Projektmanager. Dann wird die Wasseroberfläche 1130  betragen. Aktuell sind es 830 Hektar, mit einem 380 Hektar großen Seegrund, der nun mittels Sonar erfasst wird. „Am Donnerstag ist per Helikopter zusätzlich eine Schallsonde eingesetzt worden“, teilt Christian Lehmann mit, der sich immer wieder freut, wegen der Aufträge in die frühere Heimat zurückkehren zu können.

„Im September 2018 haben wir mit einem bemannten Boot den Knappensee (bei Hoyerswerda) gelotet, im Frühjahr dieses Jahres den Senftenberger See, so der gebürtige Cottbuser. Die ILV-Fernerkundung GmbH habe aber auch schon Projekte in Ghana, Nigeria oder den Vereinigten Arabischen Emiraten verwirklicht.

Aufgrund von Eigenaufkommen durch Niederschlag, Oberflächenwasser und unterirdischem Zustrom (einst angebaggertes unterirdisches Flussbett, das sich bis Dahme/Mark erstreckt) füllt sich der Altdöberner See fast von selbst. „Bis zu einem dreiviertel Meter pro Jahr. Das gestattete uns die im Jahr 1998 begonnene Flutung aus der Grubenwasser-Reinigungsanlage Rainitza im März 2007 auszusetzen“, teilt Steffen Petrich mit. Im selben Atemzug verweist der LMBV-Projektmanager auf die noch vorhandene Rohrleitung. „Bei Bedarf könnten wir die technische Flutung aber wieder aktivieren. Mit einem Erreichen des Füllstandes des ,Bergsees’ ist frühestens Mitte der 2020er-Jahre zu rechnen.