Energie Cottbus: Wünschewagen bringt ALS-kranken Jens zu seinem FCE ins Stadion

Noch einmal ein Spiel von Energie Cottbus sehen: dieser Herzenswunsch wurde dem schwerkranken Jens Sewald (unten Mitte) nun mithilfe des Wünschewagens erfüllt.
Michael Sewald- Jens Sewald, schwerkrank mit ALS, erfüllt sich mit dem Wünschewagen seinen Herzenswunsch, ein Spiel von Energie Cottbus im Stadion zu sehen.
- Jens erhielt die Diagnose ALS im Juli 2024, ein Jahr später ist er ein Pflegefall.
- Der Wünschewagen des ASB Mecklenburg-Vorpommern organisierte seinen Transport von Rügen nach Cottbus.
- Familie Kaltschmidt aus Calau stellte eine barrierefreie Ferienwohnung kostenlos zur Verfügung.
- Der Wünschewagen ist ein Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes und wird durch Spenden finanziert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Rentner Michael Sewald (69) aus Calau kann noch immer nicht fassen, wie schnell das alles ging. Im Juli 2024 bekommt sein Sohn Jens die Diagnose: Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS. Bereits im Dezember ist der 44-Jährige ein Pflegefall mit dem höchsten Pflegegrad 5. „Er wird gefüttert, gewindelt – er kann nichts mehr alleine“, erzählt Vater Michael Sewald.
Die Krankheit ALS ist nur schwer zu diagnostizieren. Denn sie ist selten: Jedes Jahr, so teilt das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Göttingen mit, erkranken in Europa nur etwa drei von 100.000 Menschen neu an Amyotropher Lateralsklerose. In Deutschland gibt es derzeit gerade einmal 8000 bis 9000 ALS-Patienten.
Jens Sewald aus Calau leidet an ALS – Krankheit ist unheilbar
Meist erkranken Menschen im Alter zwischen 60 und 80 Jahren. Aber auch Jüngere können betroffen sein: Der wohl bekannteste ALS-Patient, Wissenschaftler Stephen Hawking, war gerade 21 Jahre alt, als die Krankheit bei ihm diagnostiziert wurde, allerdings in einer langsam verlaufenden Form. 2018 verstarb er daran.
Die Diagnose ALS stellen Ärzte oft erst dann, wenn alles andere ausgeschlossen wurde. So war es auch bei Jens Sewald. Seine Lebensgefährtin Peggy musste die Aufenthalte im Krankenhaus regelrecht erzwingen, damit Jens dort weiter untersucht werden konnte.
Bei der Amyotrophen Lateralsklerose werden bestimmte Nervenzellen im Körper zerstört – nämlich die, die für die Steuerung der Muskeln zuständig sind. Patienten können nicht mehr laufen, haben Schwierigkeiten zu schlucken und zu sprechen. Im finalen Stadium versagt dann auch die Atmung. ALS ist unheilbar – es gibt keinen Weg zurück.
Aktuell ist Jens auf Morphin, Cannabis und andere Schmerzmittel angewiesen, um durch den Tag zu kommen.
Wünschewagen organisiert Transport von Rügen nach Cottbus
Jens, der in Bergen auf Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) wohnt, arbeitet bis zu seiner Erkrankung als Altenpfleger. Seine Partnerin Peggy ist ausgebildete Krankenschwester und Pflegerin. Ihre Arbeit hat sie niedergelegt, um sich um Jens kümmern zu können. „Doch inzwischen ist sie am Ende ihrer Kräfte“, sagt Michael Sewald.
Zweimal im Monat fahren er und seine Frau nach Rügen, wechseln sich beim Besuchen mit den anderen Familienmitgliedern ab. „Das geht natürlich auch ins Geld“, sagt der Rentner aus Calau. „Übernachten können wir auch nicht mehr bei Jens, weil die ganze Wohnung voll mit Geräten steht. Also müssen wir jedes Mal in eine Pension“.

Derzeit gibt es 23 Wünschewagen in Deutschland. Sie sollen letzte Träume von Menschen erfüllen, die nicht mehr lange leben werden. (Archivfoto)
Lisa HambschJens hat nicht nur lange Zeit aktiv Handball gespielt. Er ist auch glühender Fan des FC Energie Cottbus. Noch einmal bei einem Heimspiel von Energie im Stadion dabei sein – das ist der Traum des Sterbenskranken. Der Wünschewagen des ASB Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern hat ihm diesen Herzenswunsch nun erfüllt.
„Starke Aktion“ – Fans von Energie Cottbus sind begeistert
„Die Mitarbeiter vom ASB haben den Transport von Rügen nach Cottbus organisiert. Energie hat uns die Karten gesponsort. Zum Schluss haben dann noch die beiden Energie-Spieler Axel Borgmann und Tobias Hasse auf seinem Trikot unterschrieben. Die Menschen auf der Tribüne haben applaudiert. Es war ein bewegender Tag“, blickt Vater Michael auf diesen 4. Mai 2025 zurück.
Die Facebook-Nutzer sehen das ähnlich. Auf der Seite des FC Energie Cottbus kommentiert User Manuel Kaiser: „Da merkt man schnell wieder, wie unwichtig eine Niederlage oder ein verpasster Aufstieg ist. Es geht um so viel mehr im Leben“.
Auch Nutzer Marco Siebert findet: „Starke Aktion“.
„Gänsehaut, gepaart mit Tränen“, pflichtet Facebook-User Jens Bartel bei.
Ferienwohnung in Calau kostenlos zur Verfügung gestellt
Nach dem Spiel geht es für Familie Sewald zurück nach Calau. Dort wollen sie den Tag gemeinsam beim Grillen ausklingen lassen. Doch eine barrierefreie Unterkunft zu finden, die für Jens Rollstuhl geeignet ist, erweist sich als schwierig. Die Ferienwohnung „Urlaub beim Jäger“ von Familie Kaltschmidt in Calau passt schließlich.
Als Marina und Reinhard Kaltschmidt von Jens Schicksal erfahren, stellen sie die Wohnung kostenlos zur Verfügung. „Sie haben uns jeden Wunsch von den Augen abgelesen, sodass wir alles hatten, um in der Familie zusammenzusitzen und mit Jens zu feiern“, erinnert sich Michael Sewald.
Bei allen Beteiligten – dem ASB Wünschewagen, dem FC Energie Cottbus und Familie Kaltschmidt – bedankt er sich herzlich für ihre Unterstützung.
Im Oktober wird Jens 45 Jahre alt – „wenn er es erlebt“, sagt sein Vater. „Irgendwann wird der Anruf kommen, dass Jens nicht mehr da ist. Wenn die Kinder vor den Eltern gehen … dann ist das schwer“, so der Rentner aus Calau.
Der Wünschewagen – letzte Wünsche wagen
Der Wünschewagen ist ein Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes in Deutschland. Das Konzept stammt aus den Niederlanden. Seit 2014 wird es in Deutschland umgesetzt.
Der speziell ausgestattete Krankentransportwagen bringt Sterbenskranke in der letzten Phase ihres Lebens zu ihren Lieblingsorten.
Die Besatzung des Wünschewagens arbeitet ehrenamtlich. Das Fahrzeug und die Einsätze werden ausschließlich über Spenden finanziert.
Wer mehr über den Wünschewagen erfahren oder selbst spenden will, wird auf der Internetseite www.wuenschewagen.de fündig.


