Spreewerk Lübben
: Tote bei Explosionen, die Anfänge, die Jahre in der DDR

Das Spreewerk Lübben hat eine bewegte Geschichte. Die Anfänge liegen vor der Gründung des DDR-Werkes. Zur Historie der Munitionsfabrik gehören auch Tote bei Unglücken auf dem Gelände.
Von
Tilo Winkler,
dpa ,
Harriet Stürmer
Lübben
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Die vorhandenen Gebäude will die Spreewerk Lübben GmbH umbauen, um dort künftig Akkus zu recyceln. Im Moment sind 80 Prozent ungenutzt.

Die vorhandenen Gebäude will die Spreewerk Lübben GmbH umbauen, um dort künftig auch Akkus zu recyceln.

Das Spreewerk Lübben (Dahme-Spreewald) hat eine bewegte Geschichte. Die Anfänge liegen noch vor der DDR-Zeit. Die Gebäude stehen auf einem 190 Hektar großen Gelände.

Katrin Kunipatz/Archiv
  • Das Spreewerk Lübben wurde 1957 gegründet; Standort in einem 190 Hektar großen Gelände bei Lübben.
  • Es stellte zu DDR-Zeiten Munition für Kleinwaffen her und beschäftigte über 800 Mitarbeiter.
  • 2002 und 2018 gab es schwere Unfälle mit Todesfällen; 2024 wurde der Betrieb wegen fehlender Auslastung eingestellt.
  • Die Tauber Unternehmensgruppe übernahm 2024 und plant, ab 2025 wieder Munition zu produzieren.
  • Diehl Defence wurde 2024 Miteigentümer.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Rund sechs Kilometer nördlich von der Stadt Lübben (Dahme-Spreewald), versteckt in einem Kiefernwald bei Börnichen, liegt das Spreewerk Lübben. Ein großer deutscher Rüstungskonzern ist neuer Miteigentümer. In Lübben soll nun wieder Munition fürs Militär produziert werden.

Das Werk hat eine bewegte Geschichte. Der Grundstein für die Munitionsfabrik wurde aber nicht erst in der DDR gelegt. Es gab mehrere Unglücke. Alles Wichtige gibt es hier zusammengefasst:

  • Die Geschichte des Spreewerks Lübben nahm im Zweiten Weltkrieg ihren Anfang. Die Nazis begannen im Jahr 1944 mit dem Bau der Gebäude. Historiker vermuten, dass das Werk Munition für die damalige Munitionsanstalt im nahen Krugau liefern sollte. Dazu kam es aber nicht mehr.  Nach Ende des Zweiten Weltkrieges lagen die Werksgebäude offenbar mehr als ein Jahrzehnt lang brach.
  • Der Betrieb wurde dann 1957 als VEB Spreewerk Lübben gegründet. Zu DDR-Zeiten stellte der Betrieb hauptsächlich Munition für Kleinwaffen her (Pistolen, Gewehre, militärische Maschinenpistolen und Maschinengewehre). Zeitweise zählte das Unternehmen mehr als 800 Mitarbeiter, war einer der größten Betriebe im damaligen Kreis Lübben und verfügte sogar über einen Betriebskindergarten.
  • US-Amerikaner kaufen Spreewerk Lübben von der Treuhand

  • 1992 kaufte die US-amerikanische Firma General Atomics die Unternehmensgruppe Spezialtechnik Dresden, zu der auch das Spreewerk gehörte, von der Treuhand. Die Spreewerk Lübben GmbH wurde zu einem Betrieb für die Zerlegung von Munition.
  • In dem Industriepark im Spreewald wurden fortan Munition für Rohrwaffen aller Kaliber, Raketen und Minen sowie Bomben und Pyrotechnik vernichtet. Entsorgt wurde für die Bundeswehr, die Nato und UN-Blauhelmtruppen sowie für die US-Armee.
  • 1997 wurde die Feuerwehr zu einem Phosphorbrand ins Spreewerk gerufen, 1998 geriet ein Stapel mit Nebelgranaten in Brand. Gefahr für die Mitarbeiter soll damals nicht bestanden haben.
  • Im Januar 2001 kam es zu einem Großbrand auf dem Gelände des Spreewerkes. Von einem Laborgebäude ausgehend, erfasste es Lagerräume. Es kam zu mehreren Detonationen. Das Gelände wurde im Umkreis von einem Kilometer abgeriegelt, rund 70 Menschen wurden in Sicherheit gebracht, ein Mensch leicht verletzt. Die Ursache des Brandes konnte nie vollständig geklärt werden.
  • Tote bei Explosionen im Spreewerk Lübben

  • Im Jahr 2002 ereignete sich ein weiterer schwerer Unfall im Spreewerk Lübben. Auf dem Gelände explodierte ein Munitionsbunker. Dabei kamen vier Menschen ums Leben. In dem betroffenen Bunker, in dem bis zu sechs Fliegerbomben gelagert werden konnten, hatte es mindestens eine Detonation gegeben.
  • Ein weiterer tödlicher Unfall im Spreewerk ereignete sich am 16. März 2018. Bei einer Explosion wurde ein 55-jähriger Firmenangestellter getötet. Der Tote wurde erst einen Tag später, am 17. März 2018, aus den Trümmern des Werksgebäudes geborgen. Laut Polizei wurde zudem ein weiterer Mensch verletzt.
  • 16.03.2018, Brandenburg, Lübben: Ein Hubschrauber der Polizei landet nahe dem Munitionsentsorgungswerk Spreewerk. Nach der schweren Explosion im Spreewerk Lübben wird ein Mensch vermisst. Dies teilte der Landkreis am Freitag mit. Laut Polizei wurde zudem ein Mensch verletzt. In dem Munitionsentsorgungswerk hatte es am Vormittag eine schwere Explosion gegeben.

16.03.2018, Brandenburg, Lübben: Einsatzkräfte der Feuerwehr, Notarzt und Polizei warten auf einer Straße nahe dem Munitionsentsorgungswerk Spreewerk. Nach der schweren Explosion im Spreewerk Lübben wird ein Mensch vermisst. Dies teilte der Landkreis am Freitag mit. Laut Polizei wurde zudem ein Mensch verletzt. In dem Munitionsentsorgungswerk hatte es am Vormittag eine schwere Explosion gegeben. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Einsatzkräfte der Feuerwehr, Notarzt und Polizei warten am 16. März 2018 auf einer Straße nahe dem Munitionsentsorgungswerk Spreewerk Lübben. Bei einer schweren Explosion wurde ein Mensch getötet.

    Patrick Pleul/Archiv
  • Im Herbst 2019 verkündete der Munitionsentsorger dann, dass man vor dem Hintergrund rückläufiger Aufträge komplett umsattelt und stattdessen ins Recycling von E-Auto-Akkus einsteige. Aus diesen Plänen wurde nichts. Gleichzeitig wurde die Munitionsentsorgung auf dem knapp 190 Hektar großen Betriebsgelände eingestellt.
  • Zu Beginn des Jahres 2024 kam dann für viele überraschend das Aus des Spreewerkes. Während einer Betriebsversammlung hatte die Geschäftsleitung des Mutterkonzerns General Atomics Europe mitgeteilt, dass der operative Betrieb der Spreewerk GmbH Lübben aufgrund fehlender Auslastung eingestellt wird.
  • Ein gutes halbes Jahr später folgte wiederum die Rolle rückwärts. Die Tauber Unternehmensgruppe übernahm im Juli 2024 den Betrieb und führt ihn seitdem als Spreewerk Lübben Delaborierung GmbH weiter, mit Schwerpunkt in Lagerung und Logistik von Munition und anderen Gefahrstoffen, hieß es zu diesem Zeitpunkt.
  • Im Oktober 2024 wurde bekannt, dass das Rüstungsunternehmen Diehl Defence Miteigentümer des Spreewerkes geworden ist. In Lübben soll wieder investiert und ab Sommer 2025 Munition hergestellt werden. Die Mitarbeiterzahl soll steigen. Diehl Deforce zählt zu den größten Rüstungsunternehmen in Deutschland.