Schule in Königs Wusterhausen: Darum bringen Elterntaxis Schulkinder in Gefahr

Ein Pick-Up fährt am Morgen vor der Erich-Kästner-Grundschule in Königs Wusterhausen: „Die Kinder vor den eigenen Eltern schützen.“
Till Eichenauer- Elterntaxis sorgen vor Schulen in Königs Wusterhausen für Verkehrschaos und gefährden Kinder.
- Schulleiter und Bürgermeisterin kritisieren rücksichtsloses Verhalten und fordern ein Umdenken.
- Vorschläge: „Kiss-&-Go-Zonen“, Halteverbot und kontrollierte Eltern-Taxi-Parkplätze.
- Verkehrswacht rät zu sicheren Schulwegen, Übung von Gefahrenstellen und reflektierender Kleidung.
- Appell: Eltern sollen Kinder zu Fuß begleiten und sie früh zur Selbstständigkeit erziehen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Die Leute würden ihre Kinder am liebsten bis ins Klassenzimmer reinfahren“, sagt ein junger Vater genervt. Vor der Erich-Kästner-Schule in Königs Wusterhausen ist es eng an diesem Wochentag im September 2025 um 7.15 Uhr. Kurz vor Unterrichtsbeginn kommen dutzende Autos vor das Schultor gefahren und parken auf beiden Straßenseiten vor dem Zebrastreifen. Die Kinder steigen aus, die Autos wenden mitten auf der Straße und fahren weg.
Auch Schulleiter Fabian Kristeleit ist genervt vom Verhalten der Eltern vor seiner Schule: „Es wird falsch geparkt, und andere Autos werden direkt vor der Schule überholt.“ Man merke den Eltern an, dass sie morgens unter Zeitdruck stehen und wenig Rücksicht auf andere nehmen: „Das eigene Kind ist voll im Fokus. Und wenn der Kleine ausgestiegen ist – sozusagen aus der Schussbahn – dann ist alles egal.“
Am schlimmsten sei es eigentlich, wenn es dunkler wird und dazu noch regnet, so Schulleiter Kristeleit weiter. Aber selbst an diesem sonnigen Septembermorgen, kurz nach dem Schulstart, verstopfen die Autos die Straße.
Vor den Schulen in Königs Wusterhausen ist es eng
Sandra Schwarz hat gerade ihre Kinder zur Schule gebracht. Mit dem Auto? „Ja“, sagt sie. Aber nicht direkt vor die Schule. „Ich hab vorn auf dem Parkplatz vor dem Getränkemarkt geparkt und dann sind wir zusammen gelaufen“, sagt sie. Der Markt ist gut 100 Meter von der Schule entfernt und öffnet erst um 9 Uhr. Nebenan gäbe es auch noch den Kaufland-Parkplatz, so Schwarz weiter. Von dort könnten die Kinder dann auch noch etwas laufen und Straßenerziehung lernen. „Hier lernen sie nur, wie man sich schlecht mit dem Auto vor einen Zebrastreifen stellt.“
Sandra Schwarz lebt auf dem Funkerberg in Köngis Wusterhausen. Das sei etwas zu weit zum Laufen für ihren Erstklässler – in zwei oder drei Jahren sei das Fahrrad aber kein Problem, so die Mutter.

Stau vor dem Zebrastreifen: Oft ist vor der Erich-Kästner-Schule in Königs Wusterhausen kein Durchkommen mehr. Die Straßenseiten sind mit Autos zugeparkt.
Till EichenauerAuch Bürgermeisterin Michaela Wiezorek kennt das Problem. Das Thema Elterntaxis begleitet sie schon seit 30 Jahren. Sie erinnert sich an ein Erlebnis, das sie vor einigen Jahren als Leiterin des Fachbereichs Tiefbau an einer Schule in Zernsdorf hatte. „Wir waren dort mit der Straßenverkehrsbehörde, mit der Polizei, dem Ordnungsamt und der Schulleitung vor Ort, um uns ein Bild von der Verkehrssituation zu machen. Und während wir da morgens zu Schulbeginn standen, kamen Eltern vorgefahren und haben uns von der Straße gehupt“, erzählt die Bürgermeisterin.
Probleme mit Eltern-Taxis gebe es in Königs Wusterhausen vor allen Schulen, obwohl die meisten Kinder nicht weit von ihrer Schule wohnen würden, so die Bürgermeisterin weiter. Sie betont das Schul-Motto der Stadt: „Kurze Beine, kurze Wege“.
Tipps der Verkehrswacht für einen sicheren Schulweg
Schulweg planen: Eltern sollten gemeinsam mit dem Kind den sichersten Weg zur Schule auswählen, auch wenn er nicht der kürzeste ist.
Gefahrenstellen erkennen: Kreuzungen, Ampeln, unübersichtliche Stellen und Einfahrten sollten gezielt und mehrmals geübt werden.
Reflektierende Kleidung: Gerade in der dunklen Jahreszeit ist auffällige Kleidung wichtig.
Für das Problem der Elterntaxis und dem Gedränge vor der Schule soll eine Lösung her. Bürgermeisterin Wiezorek bringt sogenannte „Kiss-&-Go-Zonen“ ins Spiel: „Wir prüfen als Stadt, ob es geeignete Standorte für Stellen in der näheren Umgebung der Schulen gibt, an denen Eltern ihre Kinder aussteigen lassen können und die Kinder dann alleine die letzte Strecke zur Schule gehen.“
Die Idee mit dem Elterntaxi-Parkplatz begrüßt auch Schulleiter Kristeleit. „Ein solches Konzept war schon einmal von Seiten der Stadt im Gespräch. In den Nebenstraßen rund um die Schule könnte man Eltern-Taxi-Parkplätze festlegen.“
Halteverbot vor Schulen in Königs Wusterhausen?
Auch Nicolai Neuhauß hat sich über die Verkehrssituation in Königs Wusterhausen Gedanken gemacht. „Es ist so ein Teufelskreis: Weil die Lage vor der Schule oft haarsträubend ist, wollen die Eltern ihre Kinder nicht alleine zur Schule gehen lassen, sondern fahren sie lieber mit dem Auto vor die Tür. Das macht die Lage wieder schlimmer.“ Deshalb hat er als Teil der Grünen in der Stadtverordnetenversammlung ein Mobilitätskonzept vorgelegt, das auch die Situation vor der Erich-Kästner-Schule entschärfen soll.
„Wir haben gefordert, dass man zumindest an der Straße vor dem Schultor ein Halteverbot einrichtet, damit die Elterntaxis nicht direkt vor das Schultor fahren“, so Neuhauß. Die Idee findet auch Schulleiter Kristeleit gut, solange dies dann auch konsequent durchgesetzt wird: „Da müsste man dann aber auch wirklich mal durchgreifen. Das Halteverbot müsste dann vom Ordnungsamt kontrolliert und Verstöße bestraft werden.“
Schulleiter: „Eltern müssen lernen, ihre Kinder loszulassen.“
In einem sind sich aber alle einig, und zwar, dass ein Umdenken bei den Eltern einsetzen müsse. „Ich appelliere an die Eltern, den Mut zu haben, tatsächlich ihre Kinder zu Fuß gehen zu lassen und sie am Anfang zu begleiten. Wir können nicht Regeln erlassen, die Kinder vor den eigenen Eltern schützen“, so Bürgermeisterin Michaela Wiezorek.
Laut Schulleiter Kristeleit können Kinder ab der dritten Klasse sicher alleine zur Schule kommen: „Man kann auch kleine Gruppen organisieren, dass sie zusammen in die Schule gehen oder das Rad oder den Roller nehmen. Da gibt es viele Möglichkeiten. Die Eltern müssen lernen, ihre Kinder auch mal loszulassen.“

