Schlossinsel Lübben
: Der Spreewald auf Leinwand – regionale Kunst im Kunstsalon

Künstler aus der Region laden am Wochenende zum Kunstsalon auf die Schlossinsel in Lübben ein. Mit dabei: Rückkehrerin Annett Wagner. Sie verspricht „vielfältige Kunstformen“.
Von
Alexandra Leibmann
Lübben
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Anett Wagner mit ihrem Bild vom verlassenen Freibad in Lübben

Anett Wagner mit ihrem entstandenen Kunstwerk, auf dem das verlassene Freibad in Lübben zu sehen ist.

Anett Wagner

Wo die Realität ihre Grenzen hat und Orte zur Vergangenheit werden, dort fängt die Kunst an. Sie kann Erzählungen fortführen und Dinge, die in Vergessenheit geraten sind, wieder zum Leben erwecken.

Künstlerin Anett Wagner kommt aus Lübben und ist nach langer Zeit wieder in ihren Heimatort zurückgekehrt. Mit ihrer Kunst möchte sie Menschen dazu ermutigen, ihren Blickwinkel auf gewohnte Dinge und Situationen zu ändern. Sie nimmt Nachhaltigkeit und Vergänglichkeit als Prozess wahr, den sie ihren Betrachtern zugänglich macht.

Upcycling-Kunst lässt Orte wiederbeleben

Wagner macht Upcycling-Kunst. Upcycling bedeutet Wiederverwertung. Sie malt nicht auf frische Leinwände oder hochwertiges Papier, sondern verwendet gefundene oder gebrauchte Materialien wie Pappverpackungen oder Regal-Einlegebögen, die sie auf dem Sperrmüll findet. Auch die Holzrahmen für ihre Kunstwerke sind aus Holzresten verwertet, die jemand als unbrauchbar empfunden und in den Müll geworfen hat.

Anett Wagner schneidet die Materialien zurecht und lässt Bilder darauf entstehen, die in lebendigen Farben vergessene und verlassene Orte – sogenannte Lost Places – zeigen. Sie erweckt sowohl das Material als auch die Orte wieder zum Leben und möchte damit unter anderem aufzeigen, wie Nachhaltigkeit in unserem Kreislauf funktionieren kann.

Einblick in den Arbeitsprozess von Anett Wagner. Das Gemälde wird in rechteckige Stücke zerschnitten und auf einem festen Hintergrund wieder zusammengesetzt.

„Durch diese Motive möchte ich die zerbrechliche Schönheit von natürlichen und künstlichen Schöpfungen uns allen ins Bewusstsein rufen. Das Zusammenspiel kann funktionieren, denn die Natur und der Mensch sind widerstands- und anpassungsfähig, aber es muss im Einklang geschehen und nicht im Zwiespalt.“

Anett Wagner

„Mein Anliegen ist es zu zeigen, dass man Ressourcen schonen und Materialien wiederverwenden und neue Dinge daraus entstehen lassen kann“, sagt die 43-Jährige. „Dabei spielt die materialbedingte Kachelung der Motive eine zentrale Rolle: Das vollständige Bild ergibt sich nur aus der Kombination aller Teile. Jedes Element ist für das Zusammenspiel wichtig, für sich allein jedoch bedeutungslos“, beschreibt die Künstlerin.

Lost Places im Spreewald

Auch im Spreewald existieren solche Lost Places. Ein verlassenes Freibad in Lübben und ein verlassener Sportplatz in Straupitz, nennt die Lübbenerin als Schauplätze, die sie auch in ihren Kunstwerken darstellt.

Ihre aktuelle Serie zeigt Ecken des Spreeparks im Plänterwald in Berlin, der 2002 stillgelegt wurde. Die Künstlerin ist fasziniert von der Co-Existenz der Dinge: „Mich interessiert das Zusammenspiel von künstlich geschaffenen Strukturen und der Natur, die sich die Orte zurückerobert.“

Gemeinsam mit acht weiteren Künstlerinnen und Künstlern wird Anett Wagner ihre Kunstwerke im Kunstsalon auf der Schlossinsel in Lübben (Landkreis Dahme-Spreewald) am Wochenende 31. August/1. September 2024 präsentieren und zum Verkauf ausstellen. Der Ausstellungsort ist in der Touristeninformation jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Beim Kunstsalon geht es darum, regionalen Künstlerinnen und Künstlern mehr Sichtbarkeit zu geben. Das Spannende in Lübben sei, sagt Wagner, dass es für so einen kleinen Ort doch ein sehr breites Spektrum an verschiedenen Kunstformen und Stilen gibt.

Regionale Kunst im Kunstsalon auf der Schlossinsel

Der Kunstsalon ist auf die Initiative der Künstlerinnen und Künstler selbst gewachsen. Dabei geht es weniger darum, eine Verkaufsplattform zu gestalten, sondern mehr darum, die verschiedenen Facetten der regionalen Kunst aufzuzeigen. Dabei kann man beim Kunstsalon die Kunstschaffenden direkt antreffen und mit ihnen ins Gespräch kommen.

Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler sind dieses Jahr neben Anett Wagner auch Martin Schulze, Siggiko, Sybille Grunert, Stefan Bleyl, Christina und Karel Weyn, Michael Brandenburger und Karin Schrager, die mit unterschiedlichen Techniken wie unter anderem Malerei, Skulpturen, Fotografie und Illustration arbeiten. Als jüngste Künstlerin – mit gerade einmal 14 Jahren – wird Zoe Lehmann mit im Boot sein.

Stand von Stefan Bleyl vom Kunstsalon auf der Schlossinsel 2023

Stand von Stefan Bleyl vom Kunstsalon auf der Schlossinsel 2023

Stefan Bleyl

Während des Kunstsalons ist auch ein kleines Rahmenprogramm geplant. So wird es am Samstag von 11 bis 15 Uhr Musik vom Förderverein der Lübbener Musikschule geben und am Sonntag von 14 bis 15 Uhr ein Konzert von der Band „Stückwerk“, die sich aus zwei von den anwesenden Künstlern jüngst gegründet hat.