Reisepass in Lübben
: Warum die Ausstellung von Reisepässen so lange dauert

Die Stadt Lübben informiert über erhebliche Verzögerungen bei der Ausstellung von Reisepässen und rät, Anträge frühzeitig zu stellen. Was sind die Gründe?
Von
Terence Lee
Lübben
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Deutscher Reisepass: ARCHIV - 29.11.2022, Bayern, Kaufbeuren: Ein deutscher Reisepass. (zu dpa: «Auch im Saarland verzögern sich Reisepass-Lieferungen») Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Derzeit kommt es bundesweit zu erheblichen Verzögerungen bei der Ausstellung von Reisepässen, auch die Bürger in Lübben sind davon betroffen.

Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ausgerechnet in der Hauptreisezeit meldet die Bundesdruckerei erhebliche Probleme bei der Ausstellung von Reisepässen. Der Grund: Bei dem Pass- und Ausweishersteller mit Sitz in Berlin-Kreuzberg sind so viele Anträge auf Reisepässe eingegangen wie nie. Antragsteller müssen in der Folge mit einer deutlich längeren Wartezeit als üblich rechnen.

Die Verzögerungen betreffen sowohl Neuausstellungen als auch Verlängerungen, teilt die Stadt Lübben mit. Statt der üblichen vier Wochen könne es aktuell bis zu acht Wochen dauern, bis ein Reisepass ausgestellt wird. Das städtische Bürgerbüro habe selbst keinen Einfluss auf die Lieferzeiten, betont Stadtsprecherin Lisa Maaß.

Man empfehle Bürgern daher, ihre Reisepässe frühzeitig zu beantragen. Maaß weist zugleich auf die Möglichkeit hin, einen sogenannten Expresspass zu beantragen; diese Pässe werden weiterhin zeitgerecht geliefert. Ein Expresspass verursache allerdings zusätzliche Kosten, „da der erste Antrag bei der Bundesdruckerei nicht storniert werden kann“, wie Maaß erklärt.

Hintergründe der Verzögerungen

Eine Sprecherin des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) erläutert die Hintergründe der Verzögerungen: „Seit den ersten Wochen des Jahres 2024 stiegen die Antragszahlen für Reisepässe außergewöhnlich deutlich an. Binnen vier Wochen wurden erstmals in der Geschichte der Bundesdruckerei GmbH weit über 600.000 Reisepässe bestellt. Bis in den Mai hinein wurden immer neue Tagesrekorde des täglichen Bestelleingangs aufgestellt.“

Wie kommt es zu den hohen Bestellzahlen?

Die außergewöhnlich hohen Bestellzahlen sind auf mehrere Faktoren zurückzuführen, erklärt das BMI:

  • Anhaltend hohe „Reiselust“, insbesondere Fernreisen außerhalb der EU, teilweise das Niveau vor der Corona-Pandemie übertreffend
  • Brexit (Passpflicht auch für Reisen nach Großbritannien)
  • Steigende Einbürgerungen beziehungsweise Wegfall der Optionspflicht für Doppelstaatler
  • In den Jahren der Pandemie mangels Reisemöglichkeiten und verfügbaren Bürgeramtsterminen unterlassene Erneuerung eines abgelaufenen Reisepasses
  • Eine sich alle zehn Jahre (Regelgültigkeitsdauer) wiederholende Antragswelle wegen der im Zuge der Deutschen Einheit 1990 neu beantragten Reisepässe für Bürgerinnen und Bürger des Beitrittsgebietes, wegen Corona zeitlich verschoben
  • Das Sicherheitsbedürfnis, einen Pass zu besitzen

Die Bundesdruckerei verzeichne aktuell auch viele zusätzliche Bestellungen von Expresspässen, so die BMI-Sprecherin weiter. Die Verzögerungen bei regulär bestellten Reisepässen führe dazu, dass für dieselbe Person ein weiterer Reisepass im Express-Verfahren bestellt wurde, ohne die alte Reisepass-Bestellung im Einzelfall zu stornieren.

Maßnahmen der Bundesdruckerei

Die Bundesdruckerei hat nach eigenen Angaben schnell und umfangreich reagiert, um die Produktionskapazitäten zu erhöhen. „Seit Jahresbeginn übertreffen die Reisepass-Bestellungen die Kapazitäten der Produktionsmaschinen. Die Bundesdruckerei hat nach dem Ende der Corona-Pandemie den Maschinenzukauf bereits initiiert und aktuell mit flexiblem Personalmanagement schnell und umfangreich reagiert – dennoch haben sich die Lieferzeiten nun leider deutlich verlängert“, heißt es in einer Pressemitteilung der Bundesdruckerei.

Dank eines Drei-Schicht-Betriebs an sieben Tagen in der Woche und zusätzlicher Wochenendarbeit konnte die Bundesdruckerei die Lieferzeiten zunächst im gewohnten Rahmen halten. „Aufgrund der getroffenen Maßnahmen – sowie des unermüdlichen Einsatzes der Kolleginnen und Kollegen in der Produktion – konnten die Lieferzeiten von regulären Passbestellungen lange im gewohnten Rahmen gehalten werden“, so ein Sprecher weiter. Allerdings blieben die Bestellzahlen auf sehr hohem Niveau, was zu kontinuierlich steigenden Produktions- und Lieferzeiten führe.

Lösungsmöglichkeiten und Prognosen

Das BMI hat nunmehr eine Lösung kommuniziert, indem den Bürgern vorläufige Pässe ausgestellt werden, soweit das Reisezielland diese Passdokumente für die Einreise anerkennt. Vorteil ist, dass vorläufige Pässe sofort ausgehändigt werden können. Der regulär beantragte Reisepass kann dann nach Rückkehr aus dem Urlaub in der Passbehörde abgeholt werden.

Die Produktionszeit des regulär beantragten Reisepasses lag mit Stand Ende Juni 2024 bei durchschnittlich 28,9 Werktagen. Bei Express-Bestellungen liegt der Reisepass weiterhin nach drei Werktagen abholbereit in der Behörde vor.

Im Spätsommer und Herbst eines jeden Jahres gehen in der Regel die Bestellzahlen in der Bundesdruckerei zurück beziehungsweise erreichen den niedrigsten Wert im Jahresvergleich. Das BMI geht davon aus, dass die Lieferverzögerungen schrittweise abgebaut werden können.

Das empfiehlt Lübbens Stadtverwaltung

Die Stadt Lübben betont, das städtische Bürgerbüro sei bemüht, die Abwicklung schnellstmöglich zu gewährleisten – und bietet die Möglichkeit an, eine direkte Terminreservierung außerhalb der Öffnungszeiten telefonisch zu vereinbaren (Telefon 03546 792505, -06, -07). Bürger können zudem Auskunft über vorläufige Reisepässe oder eine Expressbeantragung im Lübbener Bürgerbüro erhalten.