Notfall am Flughafen BER
: Vogel in Turbine - Urlauber von Easyjet enttäuscht

Ein Urlaubsflieger vom Flughafen BER muss wegen Vogelschlag umkehren. Eine Brandenburger Familie erlebt die Sicherheitslandung an Bord. Von Easyjet fühlen sie sich im Stich gelassen.
Von
Till Eichenauer
Schönefeld
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Ein Feuerwehrmann an Bord des Easyjet-Fluges nach Bulgarien. Nach der Sicherheitslandung zurück am Flughafen BER herrscht Unsicherheit an Bord.

Ein Feuerwehrmann an Bord des Easyjet-Fluges nach Bulgarien. Nach der Sicherheitslandung zurück am Flughafen BER herrscht Unsicherheit an Bord.

Patrick Hörnlein
  • Easyjet-Flug BER–Burgas kehrte nach Vogelschlag um – Sicherheitslandung in Schönefeld.
  • Passagiere blieben zunächst an Bord, Feuerwehr stieg ein und prüfte den Zustand der Reisenden.
  • Maschine flog vor der Landung Schleifen, um Kerosin zu verbrennen; Landung nach 52 Minuten.
  • Kapitän stoppte den Flugbetrieb der Maschine, Ersatz über App bot erst Donnerstag-Flug an.
  • Familie aus Potsdam organisierte selbst Ersatz: Abflug Dienstag ab Hamburg, zwei Tage später im Hotel.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Da war plötzlich ein komisches Geräusch zu hören. Und für einen Moment wurde die Turbine ein wenig lauter als sonst“, berichtet Patrick Hörnlein. Er war kurz zuvor am frühen Sonntagmorgen (2.8.) mit seiner Familie am Flughafen BER in einen Easyjetflug nach Burgas in Bulgarien eingestiegen.

Eigentlich sollte der Ferienflieger die Familie zum sogenannten Sonnenstrand ans Schwarze Meer bringen. Aber schnell merkte Hörnlein: Aus dem Sommerurlaub wurde wohl nichts. Über die Lautsprecher des Airbus A320 kam die Ansage: „We return to Berlin.“ Das Flugzeug drehte um und flog zurück nach Schönefeld. Ein größerer Vogel hatte wohl kurz nach dem Start die Turbine des Flugzeugs getroffen.

„Die Leute im Flugzeug haben das zunächst ziemlich gefasst mitgemacht“, berichtet der Familienvater aus Potsdam. Aber das Flugzeug flog nicht direkt zurück zum BER, sondern drehte zunächst im Luftraum über Luckenwalde einige Schleifen. „Ich habe irgendwann aus dem Fenster geschaut und gedacht: Ach, schon wieder die gleiche Ecke“, so Hörnlein. Einige Passagiere seien da bereits etwas unruhig geworden.

Nach 52 Minuten landet der Urlaubsflieger wieder am Flughafen BER

Das Bordpersonal erklärte den Fluggästen, man sei noch zu schwer für die Landung und müsse zunächst etwas Kerosin verbrennen. Erst dann ging es zurück zum BER. Laut Flugdaten landete die Easyjet-Maschine nach 52 Minuten wieder auf derselben Landebahn, auf der sie gestartet war. Aber die Passagiere des Fliegers stiegen nicht aus, sondern die Feuerwehr stieg ein. Die Rettungskräfte erkundigten sich, ob es einigen Reisenden gut ging. Eine berechtigte Frage, da nicht alle Passagiere den Vorfall leicht verkraftet hätten, erzählte Patrick Hörnlein: „Da war eine Dame, die war schon sehr berührt von dem Ganzen.“

Der Flugdatendienst "Flightradar24" zeigt die Route des Easyjet-Flugzeugs.

Der Flugdatendienst "Flightradar24" zeigt die Route des Easyjet-Flugzeugs, EJU5353A von Schönefeld nach Burgas. Deutlich zu sehen die Schleifen des Flugzeugs.

Till Eichenauer: Screenshot von flightradar24.com

Die Familie Hörnlein fragte sich, wie die meisten Passagiere an Bord, zu diesem Zeitpunkt, ob es schlussendlich weiter nach Bulgarien gehen würde oder ob die Reise nun in Schönefeld endete. Dann erklärte der Kapitän: Das Flugzeug werde sich heute nicht mehr bewegen. Damit begann zu dem Zeitpunkt, als für die Familie eigentlich der Sommerurlaub am Schwarzen Meer beginnen sollte, ein organisatorischer Marathon.

Betroffene kritisieren Krisenmanagement von Easyjet

Zurück im Flughafen sollten die Passagiere der Easyjet-Maschine zum Schalter der britischen Airline gehen. Dort werde ihnen weitergeholfen, erzählte Patrick Hörnlein, der sich mit seiner Familie in die lange Schlange stellte. „Dort wurde uns von Easyjet aber letztendlich ein Standard-Flyer mit QR-Code in die Hand gedrückt.“

„Als wir am Parkplatz ankamen, liefen bei beiden Jungs die Tränen.“
Patrick Hörnlein
Vater

Der Code führte zur Easyjet-App. Dort gab es für die Familie die nächste Enttäuschung zu sehen: Der nächste Ersatzflug ans Urlaubsziel Burgas flog erst am Donnerstag. „Das hätte sich für uns nicht gelohnt, da wäre unser Urlaub schon halb vorbei gewesen“, sagte Hörnlein. Die Familie entschloss sich also erst einmal, nach Hause nach Potsdam zu fahren. „Als wir am Parkplatz ankamen, liefen bei beiden Jungs – sechs und zehn Jahre alt – die Tränen“, berichtete der Vater.

Ein Screenshot der Easyjet-App vom Handy der betroffenen Familie: Kein Ersatzflug in Sicht.

Ein Screenshot der Easyjet-App vom Handy der betroffenen Familie: Kein Ersatzflug in Sicht.

Patrick Hörnlein: Screenshot von der Easyjet-App

Auf Nachfrage bestätigte Easyjet den Vorfall und bedauerte die entstandenen Unannehmlichkeiten. Jedoch habe man „alles getan, um die Auswirkungen der Störung für unsere Fluggäste so gering wie möglich zu halten“, so eine Sprecherin. „Betroffenen Fluggästen wurden Umbuchungs- oder Erstattungsoptionen angeboten.“ Zudem seien bei Bedarf Hotelübernachtungen und Verpflegung bereitgestellt worden.

Für die Eltern begann an diesem Sonntagmorgen die Rettungsaktion Urlaub. Über vier Stunden, sagte Patrick Hörnlein, habe er in den Warteschleifen der Hotlines der Airline, des Buchungsportals, über das er die Reise gebucht hatte, und des Reiseanbieters gehangen. Er erfuhr, dass er zumindest die Reise kostenlos stornieren konnte. Immerhin hatte die Familie über 5000 Euro für die neun Nächte in Bulgarien gezahlt.

„Telefon-Marathon“ bringt Familie doch noch ans Meer

Aber damit wäre der Urlaub ins Wasser gefallen. Hörnlein versuchte weiter, an diesem Sonntag seine Familie doch noch an den Strand zu bringen. Am Nachmittag, nach einem echten „Telefon-Marathon“, wie er sagte, gab es eine Lösung: Die Familie bekam einen Flug am Dienstagmorgen von Hamburg nach Burgas und konnte so mit zwei Tagen Verspätung doch noch in ihr Hotel am Sonnenstrand einchecken. Um sicherzugehen, dass ihnen dieses Mal nicht die Deutsche Bahn einen Strich durch die Urlaubsrechnung machte, reisten sie bereits am Montag nach Hamburg.

Rückblickend war er besonders von Easyjet enttäuscht: „Eigentlich sind sie verpflichtet, dafür zu sorgen, dass wir unser Reiseziel erreichen. Aber es ist gar nichts passiert – wirklich null.“ Erst durch seine Eigeninitiative hatte er noch einen Teil seines Familienurlaubs retten können. „Aber was macht man, wenn man nicht technikaffin ist, wenn man nicht hartnäckig ist, oder wenn man auch einfach nicht schnell genug ist?“, fragte er sich.