Kerosin am BER: Woher der Treibstoff am Flughafen kommt und wie lange er hält

Die drei Kerosin-Tanks mit Treibstoff für die Flugzeuge am Flughafen BER in Berlin. Einer davon fasst 6300 Kubikmeter – also 6,3 Millionen Liter.
Till Eichenauer- BER wird mit Kerosin per Zug aus den Raffinerien Schwedt und Leuna beliefert.
- Rosneft und Total Energies bestätigen Lieferungen, genaue Mengen bleiben geheim.
- Drei Tanks in Schönefeld fassen zusammen etwa 18 Millionen Liter – Lager nahe A113.
- Airlines haben Treibstoff teils vor dem Iran-Krieg gesichert, Easyjet 70 Prozent, Lufthansa 80.
- Offizielle sehen derzeit keine Knappheit, dennoch wären die Tanks wohl schnell leer.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Dreimal sechs Millionen Liter Kerosin – so viel passt in etwa in die drei großen weißen Tanks am Berliner Flughafen BER. Das Treibstofflager steht etwa auf halber Strecke zwischen dem Terminal 1 und der angrenzenden Autobahn A113.
Wie lange die Kerosinvorräte noch halten, fragen sich gerade viele Politiker, Airlines und auch Passagiere, die um ihren Sommerurlaub bangen. Denn der Irankrieg, der seit über zwei Monaten die Öl-Handelsrouten durcheinanderbringt, lässt nicht nur die Preise für Benzin und Diesel in die Höhe schießen, sondern auch die für Flugzeugtreibstoff.
Anfang Mai hat Russland auch noch für die Raffinerie PCK in Schwedt im Nordosten Brandenburgs die Lieferung von kasachischem Öl über seine Pipeline gestoppt. Und von dort kommt das meiste Kerosin, das mit Güterzügen zum Flughafen BER gebracht wird.
Kerosin für den Flughafen BER aus der PCK Schwedt
„Einen Großteil des Kerosins für den Flughafen BER kommt aus der PCK in Schwedt“, teilte Burkhard Woelki mit, Sprecher von Rosneft Deutschland. Dem russischen Konzern gehört nach wie vor die Mehrheit an der Raffinerie. Wie viel Kerosin genau geliefert werde, sei jedoch ein „Geschäftsgeheimnis“, so Woelki.
Die Versorgung mit Treibstoff für den Flughafen BER sei aber gesichert, so der Rosneft-Sprecher. Für den Mai habe man noch ausreichende Mengen gelagert und auch darüber hinaus sei die Versorgung sicher.
Aber das Kerosin, mit dem am BER die Flugzeuge betankt werden, kommt nicht nur aus Schwedt. Auf Anfrage teilte Energieunternehmen Total Energies mit, dass es ebenfalls den Berliner Flughafen beliefert. Hergestellt wird das Kerosin des französischen Konzerns demnach in Leuna bei Leipzig. Dort befindet sich neben der PCK in Schwedt die zweite große Erdölraffinerie in den neuen Bundesländern. Auch aus der Raffinerie in Lingen an der Ems in Niedersachsen soll in der Vergangenheit Kerosin zum BER geliefert worden sein.
Laut einer Sprecherin von Total Energies wird der Flugzeugtreibstoff ebenfalls per Kesselwagen auf der Schiene nach Schönefeld transportiert und dann in die Tanks gepumpt. Aus den Tanks gelangt er laut Flughafen BER dann über ein kilometerlanges unterirdisches Rohrleitungssystem zum Rollfeld und bis in die Flugzeuge der Airlines.
Fluggesellschaften haben ihr Kerosin noch vor dem Irankrieg gekauft
Mit dem Iran-Krieg, der Ende Februar 2026 von Israel und den USA begonnen wurde, hat sich der Preis für Kerosin mehr als verdoppelt. Viele Fluggesellschaften haben sich ihren Treibstoff aber bereits zu den Preisen vor dem Beginn des Irankriegs eingekauft. Die britische Airline Easyjet, die auch mehrere Maschinen am BER stationiert hat, schreibt: „Wir haben 70 Prozent unseres Kerosinbedarfs für den Sommer abgesichert, was uns hilft, die Kosten zu kontrollieren.“ Änderungen am Flugplan seien nicht vorgesehen.
Auch die deutsche Lufthansa habe ihr Kerosin für das Jahr 2026 zu rund 80 Prozent gesichert. Ebenfalls zum Vorkrisen-Preisniveau. „Für die im Sommerflugplan vorgesehenen Flüge erwartet der Konzern eine weitgehend stabile Treibstoffversorgung“, so eine Sprecherin.
Tanks am Flughafen BER könnten sich schnell leeren
Die Frage ist, was passiert, wenn kein Kerosin mehr verfügbar ist. Am Mittwoch (6.5.) hatte Lufthansachef Carsten Spohr erklärt, die Versorgung des Unternehmens mit Treibstoff sei sechs Wochen im Voraus bis Mitte Juni gesichert. Auch das Bundeswirtschaftsministerium beschwichtigt und betonte in dieser Woche: „Es gibt derzeit keine physischen Energieknappheiten in Deutschland.“

Detailaufnahme eines Kerosin-Tanks am Flughafen BER. Kerosin für Flugzeuge wird wie Diesel und Bezin ebenfalls aus Rohöl gewonnen.
Till EichenauerWie voll die Tanks am Flughafen sind und wie viel Kerosin am BER verbraucht wird, darüber will aktuell niemand Auskunft geben. Auch nicht die Flughafengesellschaft FBB.
Aber ein kleines Rechenbeispiel zeigt grob, wie lange die gefüllten Lager in Schönefeld womöglich ausreichen würden: In die drei Tanks passen laut Aufschrift zusammen etwa 18 Millionen Liter. Am Flughafen BER gibt es etwa 250 Starts pro Tag. Das mit Abstand am meisten genutzte Flugzeug am BER, der Airbus A320, verbraucht pro Stunde etwa 2.700 Liter Kerosin und tankt im Durchschnitt 10.000 Liter für einen Mittelstreckenflug. Das entspricht etwa einem Gesamtverbrauch von 2,5 Millionen Litern am Tag am gesamten Flughafen BER.
Damit wären die Tanks etwa nach einer Woche leer. Sollten die Lieferungen aus Schwedt und Leuna doch ins Stocken geraten, könnte sich dies also rasch im Flugbetrieb widerspiegeln. Aktuell gibt es für mögliche Lieferengpässe aber keine konkreten Anzeichen.


