Plane-Spotter am BER
: Warum tausende Menschen Flugzeugen beim Starten zuschauen

Thomas Job ist hauptberuflich „Plane-Spotter“ – er verfolgt live die Starts und Landungen am Flughafen BER. Im Netz haben Millionen seine Videos gesehen. Warum schaut man sich das an?
Von
Till Eichenauer
Schönefeld
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Thomas Job, steht hinter den Plane Spotter Accounts von Fluggesellschaft.de. Bei seinen Streams vom BER schauen tausende zu

Thomas Job steht mit seiner Live-Kamera an der südlichen Startbahn des Fliughafen BER. Der Plane-Spotter spricht mehrmals in der Woche stundenlang mit seinen Followern im Livestream.

Till Eichenauer
  • Ein Livestreamer zeigt Starts und Landungen am BER und kommentiert Flugzeugdetails.
  • Er streamt mehrmals pro Woche stundenlang, oft mit hunderten bis 1500 Zuschauern.
  • Finanzierung über Mitgliedschaften, Spenden und Fanartikel – das ist sein Vollzeitjob.
  • Zuschauer kommen aus ganz Deutschland, teils aus dem Ausland, die Community trifft sich.
  • Technik mit Radar und Chats ermöglicht Austausch, heikle Situationen blendet er aus.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Jetzt kommt Turkish Airlines mit einem Airbus A330 rein. Solche größeren Flugzeuge sind am BER immer etwas Besonderes. Bei dem Wind heute sieht man auch schön, wie stabil so ein A330 im Anflug liegt.“ Sätze wie diese fallen oft, an diesem Donnerstagnachmittag an der Südbahn des Flughafens BER. Hier steht Flugzeug-Liebhaber Thomas Job auf einem Erdhügel und spricht live zu seinen hunderten Zuschauern im Internet.

Aber nicht nur seine angenehme, ruhige Stimme wird übertragen, sondern auch das gestochen scharfe Bild aus seiner Kamera mit Teleobjektiv, mit dem er jeden Start und jede Landung an der Südbahn einfängt. Ganze fünfeinhalb Stunden wird die Live-Übertragung vom BER an diesem Tag laufen. Bis auf kurze Pausen, redet Thomas Job durch, über Flugzeugtypen und Lackierungen, Erstlandungen bestimmter Fluglinien oder den Kerosinpreis.

„Drei bis vier Streams pro Woche mache ich in etwa, sonst würde es sich nicht lohnen“, sagt Thomas Job, der auf den Plattformen Youtube und Twitch unter dem Namen „Fluggesellschaft“ bekannt ist. An diesem Donnerstag gegen 17 Uhr sind etwa 300 Zuschauer live dabei. Zu Spitzenzeiten können es auch mal 1500 werden, sagt er. Und viele schauen sich die Live-Übertragungen später noch an: Die etwa 1100 Videos auf dem Kanal haben rund 11 Millionen Aufrufe.

„Fluggesellschaft“: Planspotter am BER ist kein Hobby

Diesen Aufwand betreibe man nicht mehr als Hobby, erklärt der Live-Moderator: „Ich mache nichts anderes, das ist mein Vollzeitjob.“ Und die Arbeit ist nicht immer einfach: Der böige Nordwestwind wirbelt immer wieder Sand auf, gegen den auch die Wollmütze nicht schützt.

Finanziert wird seine Arbeit durch eine Mischung aus Mitgliedschaften, Spenden und dem Verkauf von Fanartikeln auf dem Kanal. Und um seine Zuschauer zu begeistern und einzubinden, ist Thomas Job in permanentem Austausch über den Live-Chat.

Thomas Job, steht hinter den Plane Spotter Accounts von Fluggesellschaft.de. Bei seinen Streams vom BER schauen tausende zu

Live-Streaming ist auch immer eine Frage der Technik: Auf mehreren Bildschirmen kontrolliert Thomas Job verschiedene Chats, den Flugradar und sein eigenes Video-Bild.

Till Eichenauer

Denn die Live-Videos von Thomas Job sind keine Einbahnstraße, wie man es vom klassischen Fernsehen gewohnt ist. Unter der Kamera hängen stets drei Tablets: Eines zeigt auf einem Radar die einfliegenden Flugzeuge. Auf den anderen beiden kommen die Nachrichten der Zuschauer rein. Die liest Thomas vor, beantwortet Fragen und macht immer wieder kleine Witze mit den Fans und Zuschauern.

Dutzende seiner Follower kennt Job mit Namen, sagt er. Der Umgang ist freundlich, fast familiär. Wenn gerade kein Flugzeug kommt, das besprochen wird, wird über alles Mögliche geredet. Immer wieder spenden Zuschauer kleine Beträge, die dann im Chat-Kanal angezeigt werden. Der Moderator bedankt sich dann.

Viele der Zuschauer bereichern die Live-Schalte auch mit Hintergrundwissen zu den Flugzeugen. Viele haben offensichtlich echte Ahnung vom Thema. Und die gemeinsamen Stunden im Live-Stream schweißen zusammen: Mehrmals im Jahr trifft sich die Plane-Spotter-Community um Thomas Job auch im echten Leben, etwa im Restaurant „Landebahn 3.0“, direkt an der Nordbahn des BER, oder im Juni bei der ILA 2026 am Flughafen.

Zuschauer beim BER-Planespotting kommen aus ganz Deutschland

Die Frage, woher die Menschen kommen, die sich die Flugzeuge am Berliner Flughafen stundenlang am heimischen Rechner anschauen, reicht der Moderator einfach an seine Zuschauer weiter. Mit wenigen Sekunden Verzögerung kommen die Nachrichten dann in den Chat geflattert: Allgäu, Ruhrgebiet, Hamburg, Bremerhaven, Zürich, die Lausitz, Schleswig-Holstein, Dortmund, München und der Spreewald liest man dort. Einer schaut sogar aus Norwegen zu.

Thomas Job, steht hinter den Plane Spotter Accounts von Fluggesellschaft.de. Bei seinen Streams vom BER schauen tausende zu

Thomas Job, steht hinter den Plane Spotter Accounts von Fluggesellschaft.de. Bei seinen Streams vom BER schauen tausende zu

Till Eichenauer

Der Moderator selbst ist im Ruhrgebiet geboren, lebt heute in Berlin. Seine Streams macht er aber nicht nur vom Hauptstadtflughafen – das würde wahrscheinlich nicht funktionieren, sagt er: „Ich könnte jeden Tag einen Live-Stream in Kassel-Calden machen, da kommt aber kein Flugzeug vorbei und es schaut fast niemand zu. Dann müsste der Kanal nach zwei, drei Monaten wieder zumachen.“

Um für Abwechslung auf seinem Kanal zu sorgen und unterschiedliche Menschen anzusprechen, ist Thomas Job ständig auf Reisen: Am Tag vorher war er in Dresden. Oft ist er aber auch in Leipzig, Frankfurt, Düsseldorf oder Hamburg. Auch im Ausland, etwa in Amsterdam, hat er schon seine Kamera aufgebaut. Anfang des Jahres hat er sich auch mal in Zürich auf die Lauer gelegt: „Durch das World Economic Forum in Davos kamen dort viele Staatsgäste in ihren Regierungsmaschinen zusammen – das war für uns natürlich besonders interessant.“ So hat er sich in den vergangenen Jahren über verschiedene Online-Plattformen hinweg rund 40.000 Abonnenten erarbeitet.

Live-Stream vom Flughafen BER dank moderner Technik

Der gelernte Reisekaufmann hat aber die Flugzeuge nicht immer mit Hightech-Live-Kameras und Radar-Apps verfolgt. Früher hat er die Flugzeuge noch mit dem analogen Fotoapparat der Eltern fotografiert, sagt er: „Damals konnte man Fotos schießen und hat dann Wochen später die Fotos, Abzüge vom Fotogeschäft, für teures Geld bekommen.“

Thomas Job, steht hinter den Plane Spotter Accounts von Fluggesellschaft.de. Bei seinen Streams vom BER schauen tausende zu

Thomas Job auf einem der Erdhaufen die dort wegen dem im Bau befindlichen Fahrradweg herumliegen. Die Plane-Spotter-Gemeinschaft hofft, dass der Flughafen ihren Wunsch nach einem (leicht erhöhten) Aussichtspunkt an der Startbahn endlich erhört.

Till Eichenauer

Und auch wenn sich heute die Bilder der Flugzeuge schneller und fast in Echtzeit über das Internet verbreiten ließen – eine kleine Verzögerung hat Plane-Spotter Thomas Job dann doch in seinen Live-Stream eingebaut. Aus Sicherheitsgründen: „Wenn es wirklich kritisch werden würde, würden ich versuchen, den Stream sofort zu unterbrechen.“ Einen möglichen Unfall am Flughafen wolle er nicht zeigen.

Vor Kurzem habe es auf einem Flug einen medizinischen Notfall gegeben, ein Passagier verstarb in der Luft und der Sarg wurde dann aus dem Flugzeug getragen: „Das zeigen wir dann nicht. Da drehen wir die Kamera weg.“ Andere Unterbrechungen seines Live-Streams sind aber unabsichtlich: Durch das schwache Netz am Berliner Stadtrand setzt das Video manchmal aus.

An diesem Mittwochabend läuft es aber gut und die Zuschauer können in den Abendstunden, nach gut vier Stunden Live-Übertragung, noch genießen, wie die Flugzeuge am BER in den goldenen Sonnenuntergang starten.