Hunde in Brandenburg
: Lindas kurzes Welpenleben im Hundehospiz in Heideblick

Alte und schwerkranke Hunde werden in Stevie’s Hundesenioren-Hospiz in Heideblick gepflegt. Oft liegt die Ursache für das Leiden in der Überzüchtung. Das zeigt auch der Fall von Welpe Linda.
Von
Julia Siebrecht
Heideblick
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  • Mit dreizehn Wochen ist Linda, die an einer schweren Nierenerkrankung gelitten hat, im Hundehospiz in Heideblick aufgenommen worden. Vereinsgründerin Stephanie Badura hat sich um den Welpen, der Anfang Oktober verstarb, gekümmert. Die letzten Tage von Lindas kurzem Hundeleben sollten so angenehm wie möglich sein.

    Mit dreizehn Wochen ist Linda, die an einer schweren Nierenerkrankung gelitten hat, im Hundehospiz in Heideblick aufgenommen worden. Vereinsgründerin Stephanie Badura hat sich um den Welpen, der Anfang Oktober verstarb, gekümmert. Die letzten Tage von Lindas kurzem Hundeleben sollten so angenehm wie möglich sein.

    Stevies Hundesenioren-Hospiz e.V.
  • Mit dem Preisgeld möchte Stephanie Badura einmal ein Unterwasserlaufband für Hunde finanzieren. Es wird zu Therapiezwecken unter anderem für den Muskelaufbau eingesetzt. Hunde, die etwa an Gelenkbeschwerden leiden, sollen sich darauf grundsätzlich schmerzfrei bewegen können. (Archivbild)

    Mit dem Preisgeld möchte Stephanie Badura einmal ein Unterwasserlaufband für Hunde finanzieren. Es wird zu Therapiezwecken unter anderem für den Muskelaufbau eingesetzt. Hunde, die etwa an Gelenkbeschwerden leiden, sollen sich darauf grundsätzlich schmerzfrei bewegen können. (Archivbild)

    Seeberg/Caro/dpa
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„Wir fangen da an, wo andere sagen: Das machen wir nicht mehr“, sagte Stephanie Badura, Gründerin von Stevie’s Hundesenioren-Hospiz in Heideblick. Vor mehr als neun Jahren hat sie das Hundehospiz gegründet. Sie und ihr Partner Frank Lebok kümmern sich in ihrem Haus um medizinisch aufwendige und pflegeintensive Fälle, die andere Institutionen oft nicht mehr aufnehmen würden.

Ihre Hunde kommen aus ganz Deutschland, führt Badura aus. Doch nicht nur „Hundesenioren“ leiden an schweren Krankheiten. Im Februar hatte Stephanie Badura einen 13 Monate jungen Hundewelpen namens Linda mit verkümmerten, nicht-funktionstüchtigen Nieren aufgenommen, die von etlichen sterbebegleitenden Institutionen abgelehnt worden war. Von Geburt an litt Linda an einer schweren Anämie. Sie gehört zur Rasse Old English Bulldog. Die Hunderasse gilt als erste, für kommerzielle Zwecke gezüchteter Begleithund überhaupt.

Warum gerade Rassehunde im Hundehospiz landen

Ziel der kommerziellen Züchtung ist es, äußerliche Merkmale zu erzielen, durch die sich die Vierbeiner gegenüber anderen Artgenossen besonders hervorheben, wie etwa eine bestimmte Kopf- und Schnauzenform oder auch eine auffällige Fellfarbe. Die englische Bulldogge gehört historisch zur Gruppe der sogenannten Bullenbeißer.

Sie sind in England in Schaukämpfen gegen vielfach größere Tiere eingesetzt worden, zum Beispiel Stiere. Eine tiefliegende Nase war dabei von Vorteil, damit sich die Hunde am Kopf des Tieres festbeißen und weiterhin atmen konnten. Auch nach dem Verbot von Tierkämpfen in England im Jahr 1875 bleibt die Kurzköpfigkeit ein Zuchtmerkmal.

Die Überzüchtung bestimmter Hunderassen führt zur Häufung von Erbkrankheiten. Die Züchtung auf Extremmerkmale verursacht gesundheitliche Probleme für die Tiere. Kurzköpfige Hunde haben laut Deutschem Tierschutzbund oft mit Haut-, Ohren- und Augenproblemen sowie Kiefer- und Zahnfehlstellungen zu kämpfen. Der Großteil leide unter Atemnot, verträgt Hitze nicht gut und hat Schlafprobleme.

Welpe Linda stammt aus einer Qualzucht

Welpe Linda stammt Stephanie Baldura zufolge aus einer Qualzüchtung. Trotz chronischer Niereninsuffizienz und einer löchrigen Milz hatte Linda bei ihr dennoch ein paar schöne Monate ihres kurzen Hundelebens verbringen können. Es habe Phasen gegeben, da sei sie herumgetollt, als wäre sie vollkommen gesund, schreibt Stephanie Baldura auf Facebook. So ist sie im Badebassin beim Planschen zu sehen, beim Gassigehen mit anderen Hunden oder auch beim freudigen Spielen.

Dass Linda ihr kurzes Hundeleben nochmal in vollen Zügen so hat genießen können, ist natürlich besonders der Pflege von Stephanie Baldura zu verdanken. Dazu gehören viele Tierarztbesuche, spezielles Futter und auch eine SUC-Therapie, bei der durch Injektion bestimmter homöopathischer Arzneimittel die Nierenfunktion unterstützt werden soll. Ende September verschlechterte sich dann der Gesundheitszustand des jungen Hundes dann zusehends. Anfang Oktober stirbt Linda.

Stephanie Badura arbeitet Teilzeit als Tierarzthelferin und nimmt nur medizinische Fälle auf, nicht „solche, wo jemand einfach keine Lust mehr auf den Hund hat“. Die Betreuung sei der 40-Jährigen zufolge zum Teil sehr teuer und pflegeintensiv. Viele Tiere kämen mit offenen Tumoren zu ihr. Das Hospiz sei so ausgestattet, sich mit solchen Fällen auseinanderzusetzen. In Stevie’s Hundehospiz werden derzeit etwa 15 Hunde betreut. Bei den vielen schweren Fällen seien kaum mehr Hunde zu betreuen.

Stevie’s Hundesenioren-Hospiz mit Tierpreis ausgezeichnet

Für ihr Engagement und ihre Arbeit ist das Hundehospiz aus Heideblick nun mit dem Deutschen Tierpreis des Tierschutzbundes e.V. ausgezeichnet worden. Die Nachricht sei für sie sehr überraschend gekommen, sagt Stephanie Baldura. „Wir wussten gar nicht, dass wir überhaupt nominiert waren“, sagt sie.

„Wir freuen uns riesig und sind unbeschreiblich dankbar für diese großartige Auszeichnung und Anerkennung unserer geliebten Hospizarbeit“, teilt sie auf ihrem Facebookkanal mit. Um an der Preisverleihung teilnehmen zu können, habe sie zum ersten Mal die Hunde in andere Hände gegeben. Danach ging es aber gleich nach Hause, damit sie am Morgen wieder für alle „ihre“ Schützlinge habe da sein können.