Fleisch in Brandenburg: So sieht das erste mobile Schlachtfahrzeug Deutschlands aus

Tod auf der Weide statt nach langer Fahrt im Schlachthof: Das soll mit einem neuen Fahrzeug aus Wildau für mehr Kühe, Schweine und andere Nutztiere in ganz Brandenburg möglich werden. Die Entwicklung war kompliziert.
Peter Kneffel/dpa- Erstes mobiles Schlachtfahrzeug Deutschlands in Wildau vorgestellt – ermöglicht Weideschlachtungen.
- Fahrzeug mit Kühlfunktion transportiert Nutztiere stressfrei über Stunden zum Schlachthof.
- Entwicklung mit Unterstützung Brandenburgs – soll Weideschlachtung in ländlichen Regionen fördern.
- Bürokratische Hürden und Führerscheinanforderungen erschwerten Umsetzung.
- Landwirtschaftsministerin sieht Meilenstein für tierfreundliche und regionale Wertschöpfung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Olaf Mahr, Chef der Meat Bringer GmbH in Wildau, ist sichtbar stolz auf den neuen Kühltransporter vor seiner Tür. Zusammen mit Brandenburgs Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt (SPD) posiert er geduldig für zahlreiche Kameras vor Deutschlands erstem Fahrzeug, das Tiere nach dem Schuss auf der Weide auch über mehrere Stunden zum Schlachthof transportieren kann. Der Weg dahin, das macht er deutlich, war steinig.
Auf dem Hof steht der weiße Mercedes Sprinter. Die Halterung, auf der auch eine tote Kuh von 800 Kilo ins Fahrzeug gezogen werden kann, ist ausgefahren. An der Decke des Fahrzeugs sind Schienen angebracht. Hier können mehrere kleinere Tiere, zum Beispiel Schweine, nach dem Schuss auf der Weide zum Transport ins Schlachthaus aufgehängt werden. Der Innenraum ist verstärkt, er kann über Stunden gekühlt werden.
Tieren wird Stress vor der Schlachtung erspart
Das ist das Besondere an diesem Projekt, das mit Fördermitteln des Landes Brandenburg entwickelt wurde: Somit können auch Tiere auf Weiden geschossen werden, die weit entfernt vom nächsten Schlachthof liegen. Eine Marktlücke, die die Weideschlachtung in einem Flächenland wie Brandenburg voranbringen könne, betont, Claudia Zernick vom Institut für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere in Schönow (IFN). Das Institut, dem das Fahrzeug gehört, hat den „Meat Bringer“ unter anderem mit dem Anwerben der Fördermittel unterstützt.
Das Institut befasst sich wissenschaftlich mit Weideschlachtung. Sie verzeichne durchaus Interesse von Landwirten, sagt Zernick. Denn diese Form der Tötung erspart den Tieren Stress. „Aber viele haben keine Schlachtstätte in der Nähe.“ Das Problem: Ein getötetes Tier darf nur zwei Stunden ohne Kühlung transportiert werden. Eine eigene Stätte komme für kleinere Landwirte, die vielleicht zehn bis 15 Tiere pro Jahr schlachteten, nicht infrage.

„Meat Bringer“-Chef Olaf Mahr (rechts), Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt (Mitte), Claudia Zernick vom Institut für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere (IFN) posieren in Wildau vor dem neuen teilmobilen Schlachtfahrzeug.
Sandra KettererIn der Uckermark gebe es zum Beispiel ein Projekt, bei dem das Tier in einem Anhänger zum Schlachthof gebracht werde. Der Anhänger habe keine Kühlung. „Bei dem Projekt ist der Schlachthof aber nur 20 Minuten entfernt.“
Viele Hürden durch Bürokratie
Welche Herausforderungen die Beteiligten bewältigen mussten, macht Mahr deutlich. Das fange bei Sonderprüfungen für seine Fachleute an, um die Weideschlachtungen durchführen zu können. „Dann sind unsere Mitarbeiter um die 30 Jahre alt, die durften den Wagen erstmal gar nicht fahren“, sagt Mahr.
Denn der Transporter ist für ein Gesamtgewicht von 4,1 Tonnen zugelassen, dafür benötigt es eine besondere Führerscheinklasse. „Wir übernehmen als Arbeitgeber die zusätzlichen Fahrprüfungen.“

So sieht Deutschlands erster teilmobiler Schlachttransporter mit Kühlung, vorgestellt in Wildau, von innen aus.
Sandra KettererDie Ministerin, die neben ihm steht, zeigt sich dankbar für sein Beharren. Für sie ist der neue Transporter ein Meilenstein im Bemühen, die Wertschöpfungskette vom Tier auf der Weide bis zum Fleischprodukt im Laden so regional und tierfreundlich wie möglich zu halten. „Ich überlege die ganze Zeit, wie wir die Verfahren vereinfachen können.“ Aber viele Regelungen beträfen den Bund und die Europäische Union.
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