Brustkrebsvorsorge in Dahme-Spreewald
: Kein Mobil in Golßen – Frauen müssen zur Mammografie nach Baruth

In Golßen wird das Mammografie-Mobil zur kostenlosen Brustkrebs-Früherkennung im Jahr 2024 nicht Halt machen. Darüber ärgert sich die Bürgermeisterin sehr.
Von
Harriet Stürmer
Golßen
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Die gesunde Brust einer Frau ist auf einer Röntgenaufnahme zu sehen. Im Hintergrund ist der Röntgenapparat zu sehen. Das Röntgenbild war in einem Trailer des Mammographie–Screening–Programms aufgenommen worden. (zu dpa: „Brustkrebs–Früherkennung künftig bis 75 Jahre»)

Die gesunde Brust einer Frau ist auf einer Röntgenaufnahme zu erkennen. Im Hintergrund ist der Röntgenapparat zu sehen. Das Röntgenbild war in einem Trailer des Mammografie-Screening-Programms aufgenommen worden. (Symbolfoto)

Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Gerade mal ein paar Wochen im Amt, muss sich Golßens neue Bürgermeisterin Andrea Schulz auch schon mit den ersten Unannehmlichkeiten herumschlagen. Sie ist enttäuscht von der Verwaltung des Amtes Unterspreewald, zu dem die Stadt Golßen gehört. Doch was genau ist passiert?

Andrea Schulz berichtet, dass sie eines Abends die Nachricht erreicht habe, dass die Golßenerinnen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren im Jahr 2024 ihre Einladung zum Mammografie-Screening in die Nachbarstadt Baruth erhalten hätten. In Golßen macht das Mammografie-Mobil in diesem Jahr also nicht Halt?

Keine Erlaubnis für den Marktplatz der Stadt Golßen

Andrea Schulz berichtet weiter: „Eine umgehende Nachfrage beim Ordnungsamtsleiter des Amtes Unterspreewald ergab, dass dieser tatsächlich dem Mammografie-Mobil keine Sondernutzungserlaubnis für den Marktplatz der Stadt Golßen erteilt hat.“ Die Erklärung des Leiters laut der ehrenamtlichen Bürgermeisterin: Die Stadtverordneten von Golßen würden den Bus nicht mehr in ihrer Stadt wollen.

Andrea Schulz hat sich aufgrund dieser Erklärung gewundert; und sie ist erst mal auf Recherche gegangen. Tatsächlich sei das Thema Mammografie-Mobil im Herbst 2022 Thema in der Stadtverordnetenversammlung gewesen, erklärt Schulz. Allerdings hätten die Stadtverordneten seinerzeit lediglich den Standort des Busses auf dem Marktplatz – direkt vor dem Rathaus/Bürgerbüro – kritisiert und zugleich mehrere andere Standorte, auch auf dem Marktplatz, vorgeschlagen.

Das Ordnungsamt habe seinerseits einen Alternativstandort ins Rennen gebracht – auf einer Wiese. Der Betreiber des Mobils habe jedoch befunden, dass das Fahrzeug für die Wiese zu schwer ist. „So blieb dem Unternehmen nur das Ausweichen nach Baruth“, sagt die Bürgermeisterin. Aus ihrer Sicht hätte nach diesem Ergebnis zumindest noch mal Rücksprache mit den Stadtverordneten oder der Bürgermeisterin erfolgen müssen.

700 Frauen sind nach Baruth eingeladen

In Sachen Mammografie-Mobil ist die Kooperationsgemeinschaft Mammografie GbR verantwortlich. Nach Gesprächen habe sie von ihr nunmehr die Zusage, dass das Mammografie-Mobil in zwei Jahren wieder in Golßen stehe, berichtet Andrea Schulz. An welchem Standort ist bisher allerdings unklar. Verwaltung und Stadtverordnete müssten sich in dieser Frage noch abstimmen, erwartet Schulz. Wichtig sei, dass der Standort befestigt ist, einen Stromanschluss hat und eine Toilette in der Nähe ist.

„Eine Änderung des Standortes für dieses Jahr ist leider nicht mehr möglich“, sagt Schulz. Die Einladungen für den Zeitraum vom 26. August bis 18. September 2024 ins rund 20 Kilometer entfernte Baruth seien ja auch bereits verschickt.

Für den Bereich Golßen – einschließlich der Gemeinden Steinreich, Drahnsdorf und Kasel-Golzig – betrifft das Mammografie-Screening insgesamt 700 Frauen. Sie müssten sich nun der Herausforderung stellen, ohne Bus nach Baruth zu kommen. Eine Verbindung gibt es nicht.

Die Bitte der ehrenamtlichen Bürgermeisterin an die Amtsverwaltung, zu prüfen, inwiefern die Frauen die Möglichkeit erhalten, die Mehrkosten für ein Taxi oder den privaten Pkw beim Amt Unterspreewald in Rechnung stellen zu können, sei leider seitens des Amtsdirektors nach „kursorischer Prüfung“ und mangels einer „solchen Verpflichtung als auch einer Möglichkeit“ abgewiesen worden.

Das Mammografie-Screening ist ein Programm zur Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen zwischen 50 und 75 Jahren ohne Symptome. Die Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust. Sie eignet sich zur Brustkrebsfrüherkennung, weil sie schon sehr kleine, nicht tastbare Tumore in einem frühen Stadium sichtbar machen kann. Die Untersuchung ist für gesetzlich Versicherte kostenlos.

Kooperationsgemeinschaft Mammografie

Die Kooperationsgemeinschaft Mammografie in der ambulanten, vertragsärztlichen Versorgung ist eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Gegründet wurde sie zum 1. August 2003 von den Spitzenverbänden der gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) mit dem Ziel, die Einführung eines flächendeckenden Mammografie-Screening-Programms in Deutschland zu koordinieren.

Die Geschäftsführung liegt gemeinschaftlich bei den Krankenkassen und Ärzten. Dazu bilden die Vertragspartner einen Beirat, dem je sieben Vertreter der Spitzenverbände der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung angehören; die Erledigung der laufenden Geschäfte obliegt der Geschäftsstelle der Kooperationsgemeinschaft in Berlin.