„Mario Barth deckt auf“ bei RTL
: So kam der Parkplatz am Bahnhof in Lübben in der Sendung weg

Neuer Parkplatz, aber keine Autos. Seit Monaten ist der Spott um den fehlenden Tunnel am Lübbener Bahnhof groß. Kann Comedian Mario Barth eine Lösung liefern?
Von
Anna Faustmann
Lübben
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Der neue Parkplatz am Lübbener Bahnhof kostete die Stadt rund eine Millionen Euro. Genutzt werden die Plätze nur zögerlich. Am Mittwoch suchte Mario Barth in seiner Sendung die Thematik zu ergründen.

Katrin Kunipatz/Archiv

Beinahe könnte man meinen, Comedian Mario Barth habe seine Liebe für den Spreewald entdeckt. Nachdem der RTL–Moderator und sein Team bereits im vergangenen Jahr in Lübbenau zu Besuch waren, um die vermeintlichen Planungsfehler der damals frisch sanierten Straßenkreuzung an der Brechtstraße/Kochstraße investigativ unter die Lupe zu nehmen, war nun Lübben an der Reihe. Eine zu enge Kreuzung wie in Lübbenau kann Lübben zwar nicht vorweisen. Dafür aber einen Bahnhof samt neuem Pendlerparkplatz mit über 100 Stellplätzen.

Das Problem? Der Parkplatz, in dessen Bau die Stadt rund eine Million Euro investiert hat und der sich nur wenige Meter Luftlinie hinter dem Bahnhof befindet, bleibt seit seiner Fertigstellung weitestgehend unbenutzt. Grund dafür ist ein knapp zehnminütiger Umweg bis zum Bahnhof, weil die geplante Unterführung aktuell nur auf dem Papier existiert. Zu weit für manche Pendler. Die Situation sorgt seit Monaten für Spott in den sozialen Medien und TV–Sendungen.

So erklärt Lübbens Bürgermeister das Projekt

Planungsfehler, Verschwendung von Fördergeldern oder doch eine ganz einfache Erklärung? Das wollte ein Produktionsteam im Auftrag von RTL für die Sendung „Mario Barth deckt auf“ nun herausfinden. Für Recherche und Dreh kamen sie im Juli 2023 nach Lübben.

Schon damals hatte sich Lübbens Bürgermeister Jens Richter (CDU) den Besuch des TV–Teams zum Anlass genommen, um ausführlich auf die Zusammenhänge zwischen Fördermitteln, Bautermin und Planungszeiten der Deutschen Bahn hinzuweisen. Keineswegs sei Geld verschwendet worden, betonte Richter in einer Stadtverordneten–Versammlung. Ebenso wenig handle es sich um eine Fehlplanung.

Vielmehr umfasst das umfangreiche Bauprojekt die Neugestaltung des gesamten Bahnhofsumfelds — inklusive des neuen Parkplatzes. Rund 3,5 Millionen Euro veranschlagte die Stadt dafür. Etwa 2,4 Millionen Euro wurden durch ein Förderprogramm des Landes Brandenburg finanziert — unter der Bedingung, die gesamte Summe bis zum Ende der Förderperiode zu investieren. Deshalb mussten sowohl der Pendlerparkplatz als auch eine neue öffentliche Toilette und ein Fahrrad–Stellplatz bis Ende 2022 fertig sein.

Der Bau der Unterführung liegt indessen in der Verantwortung der Deutschen Bahn. Die dafür veranschlagten 2,5 Millionen Euro kommen entsprechend nicht aus dem Fördermitteltopf des Landes und sind somit an keine zeitlichen Bedingungen geknüpft. Aktuell plant die Deutsche Bahn mit einem Baubeginn für 2025/2026.

Lübbener Parkplatz zur Hauptsendezeit bei RTL

Somit steckt hinter dem „Pendlerparkplatz ohne Pendler“, wie der ZDF–Länderspiegel in einem Beitrag titelte, ein vielschichtiges Thema, dem sich Mario Barth nun in seiner TV–Show auf RTL widmete. Wer die Sendung „Mario Barth deckt auf!“ kennt, der weiß, dass es darin häufig um Bauprojekte, vermeintlichen Behörden–Irrsinn und daraus resultierende Steuergeld–Verschwendungen geht. Seit 2013 wird die Sendung mehrmals im Jahr ausgestrahlt — mit dem Comedian als Moderator sowie mehr oder weniger bekannten Akteuren der deutschen TV–Landschaft als Gäste.

So auch am Mittwochabend (29. November), der unter dem Thema Verkehr stand und mit einem Beitrag über die Weserbrücke in Höxter begann. Zu Gast waren Fernsehgarten–Moderatorin Andrea Kiewel, „Let’s Dance“-Juror Joachim Llambi, Comedian Oliver Pocher und Reiner Holznagel, Präsident des Bundes für Steuerzahler.

Das sagen die Studiogäste

Der Lübbener Pendlerparkplatz schaffte es mit einem rund dreiminütigen Einspieler in die Sendung. Per Voiceover erklärte man die Situation durchaus faktisch, wenn auch mit einem satirischen Unterton. So hieß es: „Zwischen Parkplatz und Bahnhof fehlen die Durchfahrt und die Fußgängerunterführung. Die Hälfte davon gibt es zwar schon, aber leider kommt die Deutsche Bahn nicht nur mit dem Zug zu spät, sondern auch mit dem Bagger.“

Bürgermeister Jens Richter erklärte die Umstände vor der Kamera. Am Ende gingen seine Ausführungen aber inmitten von Witzeleien über Zauberlehrling Harry Potter und Mittelstreckenläufer David Rudisha unter. Stattdessen schlussfolgerte das Rechercheteam im Beitrag: Dass der Durchbruch erst 2026 fertiggestellt werden würde, habe die Stadt beim Parkplatzbau in Kauf genommen. „Denn die Fördergelder mussten bis 2022 rausgehauen werden.“

Nach dem Einspieler diskutierten Barth und seine Gäste im TV–Studio. Kritische Worte oder gar Spott für die Stadt fanden sie zunächst jedoch nicht. Es sieht schön aus, lobte Joachim Llambi den Lübbener Bahnhof. Barth stimmte zu, wies aber darauf hin, dass man die Summe auch anders hätte investieren können. „Gehälter anpassen, zum Beispiel“, schlug er vor. Andrea Kiewel sah das Problem an anderer Stelle: „Moment mal! 2026? Das Wort ‚bald‘ und ‚Deutsche Bahn‘ schließt sich aus.“ Dazu Barth ironisch: „Ab bald. Die Eröffnung der Unterführung in Lübben ‚ab bald‘.“

Aber der Spreewald ist schön, resümierte Kiewel am Ende. Was Barth zum Anlass nahm, doch noch mal die Verwendung der Fördermittel in Lübben zu kommentieren. Ja, natürlich ist der Spreewald schön, stimmt er zu: „Die Menschen, die da leben, die können doch dafür nichts. Aber das sind ja wieder EU–Fördergelder gewesen. Und man hat gesagt: ‚Wir hatten das große Glück, die Fördermittel verbauen zu dürfen‘“, zitiert er eine Aussage des Lübbener Bürgermeisters aus dem Beitrag. „Ich dachte, er verspricht sich“, kommentierte Reiner Holznagel daraufhin ironisch und vermutet, Jens Richter habe nicht ‚verbauen‘, sondern ‚verballern‘ sagen wollen.