Eigentlich wollten Mandy Herrmann und Partner Toni Klauk in diesem Jahr so richtig durchstarten. Im März sind sie mit ihren beiden Kindern in ihr Elternhaus in den Luckauer Ortsteil Schlabendorf (Landkreis Dahme-Spreewald) gezogen. Vieles haben sie sich vorgenommen. Doch im Mai 2020 änderte eine Diagnose plötzlich das ganze Leben der jungen Familie. Bei der 28-jährigen Mandy Herrmann wird Akute Leukämie festgestellt.

Statt Corona-Test gibt es die Leukämie-Diagnose für Mandy Hermann

„Ich war kurzatmig und schwach. Eigentlich wollte ich einen Corona-Test machen. Immerhin können das ja auch Symptome sein“, erzählt Mandy Herrmann. Doch der Arzt habe sofort gesehen, das etwas nicht stimmt und die 28-Jährige ins Krankenhaus nach Cottbus verwiesen. Dort folgte die schockierende Diagnose. Mandy ist schwer krank. Es folgte ein siebenwöchiger Aufenthalt im Krankenhaus mit Chemotherapie und Bestrahlung.
Davon unterkriegen lässt sich die junge Mutter nicht. Im Gegenteil. Zuversichtlich lächelt sie. Partner Toni Klauk und die gemeinsamen Kinder Tino (1,5 Jahre) und Joline (7 Jahre) geben ihr Kraft und Mut. Vater Toni kümmert sich nun in erster Linie um die Kinder und ist der gesetzliche Betreuer von Mandy.
Auch Familie und enge Freunde unterstützen die junge Familie, wo es nur geht. „Die Lebensfreude muss erhalten bleiben. Wenn ich zum Trauerkloß werde, hilft das ja auch nicht“, sagt sie. Es habe ihr sehr geholfen, in den vergangenen Wochen mit anderen über die Krankheit, die Familie und die Zukunft zu sprechen. Und ihre Ziele sind klar: „Ich möchte selbstständig sein und auch wieder arbeiten gehen.“

Nächstes Jahr soll geheiratet werden

Darauf arbeitet sie hin. Und noch ein weiteres Ziel motiviert zum Durchhalten. Im kommenden Jahr wollen Mandy und Toni heiraten, wenn alles klappt. „Das war längst überfällig“, sagt Toni Klauk und lacht. Zehn Jahre sind die beiden bereits ein Paar, haben Höhen und Tiefen durchlebt. Ohne Zweifel stand für den Lübbenauer fest: Es ist eine schwere Zeit, doch diese werden sie gemeinsam meistern. Noch im Krankenhaus hat er ihr deshalb den Antrag gemacht. „Nächstes Jahr vertreiben wir zur Polterhochzeit hoffentlich alle bösen Geister“, sagt Toni Klauk und blickt zuversichtlich in die Zukunft.
Derzeit genießt die Familie die gemeinsame Zeit zu Hause. Kleine Spaziergänge sind wieder möglich. Mit den Kindern ausgiebig spielen oder lange Ausflüge – dafür reichen Mandys Kraft und Ausdauer kaum. „Die Tagesform ist sehr schwankend“, so die Schlabendorferin. Doch Töchterchen Joline unterstützt, so gut sie mit sieben Jahren kann, hilft beim Tischdecken oder spielt mit ihrem jüngeren Bruder. „Sie ist einfach wunderbar“, sagt Mandy.

Mandy Herrmann ist dringend auf Knochenmarkspende angewiesen

Schon in der kommenden Woche muss sie zur weiteren Therapie zurück nach Cottbus. Alle zwei bis drei Wochen gehen die Behandlungen weiter. „Die Station ist ganz toll, großes Lob an das gesamte Team.“ Doch damit allein ist es nicht getan. Mandy Herrmann ist dringend auf eine Knochenmarkspende angewiesen. Und der passende Spender ist bislang noch nicht gefunden. Familie und Freunde sind bereits bei der Deutschen Stammzellendatei registriert – die Werte sind jedoch nicht kompatibel. „Allein für Thrombozyten gibt es nur zwei passende Spender in ganz Ostdeutschland. Das ist zu wenig“, zeichnet Toni Klauk die Dramatik auf.

Unterstützung von ehemaligen Spreeweltenbad-Kollegen

Er hat aus diesem Grund gemeinsam mit seinen ehemaligen Arbeitskollegen vom Spreeweltenbad Lübbenau eine Typisierungsaktion ins Leben gerufen. Bis zum vergangenen Jahr hat er dort gearbeitet. Obwohl das Arbeitsverhältnis mittlerweile nicht mehr besteht, hat das Unternehmen dennoch sofort Unterstützung zugesagt. Dafür sind wir echt dankbar“,sagt der gebürtige Lübbenauer. Die Familie hofft nun auf große Resonanz der Aktion. Durch einen Abstrich von der Mundschleimhaut mit einem Wattestäbchen kann man sich dort in wenigen Minuten als Stammzellspender registrieren lassen. Die Aktion findet gemeinsam mit der Deutschen Stammzellspenderdatei statt. „Wir freuen uns über jeden, der sich dafür registrieren lässt“, so die Familie. Denn Spender können Leben retten. Das von Mandy, der einjährigen Jasmina aus Lübbenau (die Rundschau berichtete) oder den anderen Schwererkrankten in ganz Deutschland.

Typisierungs-Aktion im Spreeweltenbad


Die Typisierungsaktion für Mama Mandy findet am Samstag, 29. August 2020, im Spreeweltenbad in Lübbenau statt. Von 11 bis 16 Uhr können Interessierte sich im Konferenzraum, Alte Huttung 13, für die Deutsche Stammzellendatei registrieren lassen.

Eine Typisierung ist von 17 bis 55 Jahren möglich. Wer bereits typisiert ist, braucht sich nicht noch einmal registrieren. Für den Vorgang ist der Personalausweis erforderlich. Der Termin findet unter Wahrung der Abstand- und Hygieneregeln statt. Wer dennoch nicht an der Aktion teilnehmen möchte, kann sich auch ein Typisierungs-Set für Zuhause anfordern. Darin sind das Wattestäbchen, womit etwas Mundschleimhaut für die Typisierung entnommen wird, sowie ein frankierter Rückumschlag enthalten.

Die Stammzellendatei beim DRK-Blutspendedienst Nord-Ost umfasst derzeit rund 88 000 mögliche Spender aus Berlin, Brandenburg, Sachsen, Schleswig und Hamburg.