Weihnachten in Hoyerswerda
: Einsam an Heiligabend? Diese Gastgeber laden jetzt ein

Die Initiative „Keiner bleibt allein“ vermittelt deutschlandweit einsame Menschen, die an Heiligabend nicht allein sein wollen. Erste Gastgeber melden sich nun auch in Hoyerswerda.
Von
Julia Jannaschk
Hoyerswerda
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Frau schaut aus Fenster: ILLUSTRATION - Trübe Aussichten wegen Weltschmerz? Da hilft ein Blick auf das, was in unserer Kontrolle liegt. Oder wie Leonard Cohen schrieb: Durch die Risse kommt das Licht herein. (zu dpa: «Weltschmerz? So bleibt man positiv, wenn alles Kopf steht») Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Forscher haben bewiesen, dass Einsamkeit auf Dauer sogar körperlich krank machen kann. (Symbolfoto)

Franziska Gabbert/dpa-tmn/dpa
  • In Hoyerswerda meldeten sich bisher wenig einsame Menschen zu Weihnachten.
  • Die Initiative "KeinerBleibtAllein" vermittelt seit 2017 bundesweit einsame Personen für Weihnachten und Silvester.
  • Bisher gibt es 6500 Anmeldungen deutschlandweit, jedoch überwiegen die Gastgeber.
  • Persönliche Geschichten fördern das Verständnis und die Teilnahme.
  • Kontakte und Treffen finden oft zwischen sehr unterschiedlichen Menschen statt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Denkt man an einen einsamen Menschen, hat man oft das Bild einer älteren Person im Kopf. Doch fast jeder dritte Deutsche, der unter Einsamkeit leidet, ist zwischen 18 und 53 Jahren alt. Dies ergeben Zahlen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Und die Zahlen steigen. Vor allem an Weihnachten, dem Fest der Nächstenliebe und Gemeinsamkeit, ist es für Betroffene besonders schwer, allein zu sein.

Für solche Menschen gründete Christian Fein 2017 die Initiative KeinerBleibtAllein. Diese vermittelt bundesweit einsame Menschen mit dem Ziel, an Weihnachten und Silvester nicht allein sein zu müssen. Wie belastend das sein kann, hat Fein selbst erlebt, als sich 2016 seine Partnerin zur Weihnachtszeit von ihm trennte. Doch wer gibt schon gerne zu, dass er einsam ist?

In Hoyerswerda bisher wenig Anmeldungen

Bundesweit gibt es dieses Jahr bereits 6500 Anmeldungen für KeinerBleibtAllein, das sei ein guter Schnitt, werde aber erfahrungsgemäß noch weiter steigen. In Hoyerswerda hat sich bisher nur eine Person gemeldet, die an Weihnachten Gesellschaft sucht. „Mit den neuen Bundesländern haben wir uns am Anfang ein bisschen schwergetan, weil das Projekt als links wahrgenommen wurde und da gab es erstmal Abwehrreaktionen“, erklärt Fein. Letztes Jahr suchten im Landkreis Bautzen zwei einsame Menschen Gesellschaft für Weihnachten, doch da sie zu weit auseinander wohnten, konnten sie nicht vermittelt werden. Fein hofft dieses Jahr daher auf mehr Resonanz.

Gastgeber gibt es jedenfalls schon: Maja Lehmann bietet dieses Jahr ein gemeinsames Weihnachtsfest in Hoyerswerda an. Als Christin will sie helfen und auch sie kennt das Gefühl, Weihnachten allein verbringen zu müssen. An Heiligabend hat ein befreundetes Pärchen Maja Lehmann zu sich eingeladen, doch sie will auch selbst Gastgeberin sein. Ihre Freunde finden die Idee gut und nun laden gleich vier Hoyerswerdaer einsame Menschen an Weihnachten zu sich nach Hause ein: Von 18:30 Uhr bis 20:30 Uhr wird es ein gemeinsames Abendessen geben, Interessenten können sich bei Frau Lehmann melden unter m.lehmann246@gmail.com oder 0176-41221014. Ältere Menschen können auch abgeholt werden.

Zehnmal mehr Gastgeber als einsame Menschen melden sich im Schnitt bei KeinerBleibtAllein, vor allem an Heiligabend. Laut Fein ist das ganz normal. Und eigentlich ein schönes Zeichen, wie groß die Nächstenliebe in der Gesellschaft ist, in Zeiten der zunehmenden Spaltung. Doch oft melden sich so wenige einsame Menschen, weil Einsamkeit häufig mit Stigma und Scham verbunden ist. Dafür hat der Gründer von KeinerBleibtAllein Verständnis, betont jedoch, wie viele tolle Vermittlungen und Treffen bereits stattgefunden hätten. „Oft unter Leuten, die sich vielleicht auf normalem Wege gar nicht über den Weg laufen würden.“

Christian Fein betreibt die Initiative KeinerBleibtAllein ehrenamtlich.

Gründer Christian Fein betreibt die Initiative KeinerBleibtAllein seit 2017 ehrenamtlich.

Christian Fein

Weihnachten feiern mit einem Fremden

Wer unsicher sei, ein Treffen in den eigenen Räumlichkeiten zu gestalten, könne sich auch in Cafés oder Restaurants treffen. Frauen können außerdem angeben, nur Frauen treffen zu wollen oder oder Menschen mit Behinderungen, spezielle Hilfe zu benötigen. Wer mit wem vermittelt wird, hänge jedoch meist von Angebot und Nachfrage ab, es würden vorher keine Übereinstimmungen gesucht.

Manchmal jedoch, ist das genau das Tolle an den Begegnungen: Dass unterschiedliche Menschen aufeinander treffen, die sich vielleicht nie begegnet wären. Einmal verbrachte in Hamburg eine Muslima den Heiligabend mit einem jüdisch-orthodoxen Pärchen. „Beide haben mit Weihnachten nichts zu tun gehabt, aber sie wollten den Tag nicht allein verbringen, weil um sie herum die Bekanntschaften eher christlich geprägt waren.“ Seines Wissens seien die drei immer noch in Kontakt.

An Weihnachten Nächstenliebe statt Geschenke

Fein selbst feiert inzwischen nicht mehr wirklich Weihnachten, obwohl er es nicht alleine verbringen müsste. Denn an Heiligabend geht für ihn schon der Startschuss für die Vermittlungen der Silvester-Pärchen los. Er vermisst Heiligabend jedoch nicht: „Ich habe für mich festgestellt, dass es mir tatsächlich mehr bringt, wenn ich anderen Leuten eine schöne Zeit bieten kann.“ Bisher hat er das bei 28.000 Menschen geschafft, die Heiligabend nicht einsam sein mussten.