Verein in Hoyerswerda: Gegen Einsamkeit – das sind die Angebote vom NHV

Katrin Ullrich vom Nachbarschaftshilfeverein Hoyerswerda.
Ronald UferEs läuft eigentlich gut beim Nachbarschaftshilfeverein Hoyerswerda. Fast 400 Mitglieder wirken mit, 60 Ehrenamtler sorgen für ein großes Angebot. Zwei hauptamtliche Mitarbeiterin bewältigen die vielen organisatorischen und kaufmännischen Arbeiten, halten Kontakte. Nur mit einem Problem hat der Verein zu kämpfen. Es kommen zu wenige Männer.
Zu den Tanznachmittagen kommt kein einziger, bei Kaffeeklatsch sind es drei. Gesucht werden Männer auch für Tischtennis und Kegeln. Warum die Beteiligung des "starken Geschlechts" in einigen Bereichen so schwach ist, darüber kann Katrin Ullrich, die Büroleiterin des Vereins, nur spekulieren. "Viele Männer machen lieber allein ihr Ding oder sitzen auf dem Sofa", meint sie.
Computer-Kurs beim NHV in Hoyerswerda
Die mangelnde Männerbeteiligung ist aber kein generelles Problem. Bei der Computerstunde am Montagvormittag sind sie gut vertreten. Insgesamt ist diese Veranstaltung immer stark besucht, was auch am Konzept liegt. Es gibt keinen Frontalunterricht, sondern es wird über Probleme gesprochen, welche die Teilnehmer in den Tagen zuvor bei der Arbeit mit dem Computer hatten und gemeinsam Lösungen gesucht.
Viele bringen aber auch ihre Laptops und Tablets mit, erledigen anstehende Arbeiten während des Kurses. Auftretende Fragen und Probleme können dann gleich mit dem Kursleiter gelöst werden.
"Unser Gold sind die 60 Ehrenamtler, die als Kursleiter fungieren oder die Veranstaltungen organisieren", betont Katrin Ullrich. "Menschen zu finden, die solche Angebote konzipierten und in eigener Verantwortung umsetzen, sind schwer. Menschen, die Angebote unterstützen, gibt es mehr." Auch deshalb steht aktuell kein Ausbau des Programms an.
"Es geht uns immer darum, gerade Ältere aktiv werden zu lassen und mit anderen zusammenzubringen. Aktivitäten, Sport und Austausch halten körperlich und geistig fit, sorgen für mehr Wohlbefinden." Was dazu beitrage, dass Menschen länger selbstbestimmt in ihren Wohnungen leben können, so Katrin Ullrich. Dabei helfe auch die Betreuung im Alltag durch die ehrenamtlichen "Elsterbienchen".
Verein hat mehrere Standorte
Ein Baustein, damit dieses Konzept funktioniert, ist die Verteilung auf mehrere Standorte. Da gibt es die Hufelandstraße 41, wo sich das Büro, ein größerer Veranstaltungsraum und eine kleine Küche befinden. Hinzu kommt das Mehrgenerationenhaus mit einer großen Freifläche und der kleinsten Bibliothek der Stadt in einer früheren Telefonzelle.
In der Schweitzerstraße gibt es am 1. Juni wieder das Gartenfest mit Kaffee, Kuchen und Programmen für Kinder und Erwachsene. Auch in der Altstadt gibt es mit dem Fließhof in der Senftenberger Straße 1 eine Begegnungsstätte. So hat der Verein die ganze Stadt im Blick. Hinzu kommt ein Stützpunkt in Lauta.
30 Angebote vom Nachbarschaftshilfeverein
Mehr als 30 Angebote offeriert der Nachbarschaftshilfeverein, nicht alle sind auf der Homepage zu finden. Einige laufen so gut, dass sie aus organisatorischen oder räumlichen Gründen nicht mehr Menschen verkraften.
Der Verein sieht sich nicht als Einzelkämpfer, sondern sucht enge Verbindungen und gemeinsame Angebote mit anderen Vereinen wie dem Sportclub Hoyerswerda. Das hat Tradition, bereits vor einigen Jahren wurde der Sport- und Wanderverein aufgenommen, dessen Aktionen es noch heute gibt. Wöchentlich werden kürzere und längere Strecken gewandert. Der Fototreff veranstaltet auch Ausstellungen zum Tag des Bergmanns und zum Fest der "LebensRäume".
Fahrradwerkstatt und Hausaufgabenhilfe
Zwar bilden Ältere den Schwerpunkt, doch es gibt auch Angebote für Jüngere. Die Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt weist keinen ab. Hinzu kommen das Mutti-Frühstück und die Hausaufgabenhilfe im Mehrgenerationenhaus. Dreimal im Jahr lädt der Verein Kinder von acht bis elf Jahren zum Abenteuerwochenende ein. Handys, Tablets und Computer bleiben zu Hause, geschlafen wird in der schwarzen Mühle Schwarzkollm.
Das Angebot kommt bei Familien gut an. "Die Kinder freuen sich auf die Abenteuer, die Eltern über ein freies Wochenende ohne den Nachwuchs", erzählt Katrin Ullrich. Hinzu kommt noch eine Pflegeberatung.
Möglich machen das die großzügige Unterstützung durch die Genossenschaft LebensRäume, Sachleistungen der Stadt für das Mehrgenerationenhaus und viele Spenden. Hinzu kommt ein Vereinsvorstand mit ungewöhnlicher Altersstruktur. Der Vorsitzende ist erst 33, das älteste Mitglied 71. Die meisten Vorstände meistern ihre umfangreiche und verantwortungsvolle Vereinstätigkeit neben der Arbeit.
Der Nachbarschaftshilfeverein
Der Nachbarschaftshilfeverein wurde am 6. Mai 1997 gegründet. Die Idee wurde vom Verein "Freie Scholle" in Bielefeld übernommen. Unterstützung leistete von Anfang an die Genossenschaft LebensRäume. Zunächst war der Verein im Mehrgenerationenhaus beheimatet. Seit 2004 befindet sich der Hauptsitz im Grünen Hain in der Hufelandstraße 41.
In seinen sechs Begegnungsstätten bietet er vielfältige Möglichkeiten, der Vereinsamung entgegenzuwirken und nachbarschaftliche Kontakte zu pflegen. Darüber hinaus fördert der Verein die sportliche Betätigung seiner Mitglieder. Begegnungsstätte sind Fließhof, Grüner Hain, Plauderstübchen, Stelldichein sowie das Mehrgenerationenhaus Südtreff und der Stützpunkt Weinert-Straße 46 in Lauta.
Der Verein bietet alleinstehenden, vereinsamten oder in der Mobilität eingeschränkten älteren Menschen Alltagsbetreuung durch die „Elsterbienchen“ an, mit dem Ziel, dass sie so lange wie möglich in der vertrauten angestammten Wohnung bleiben und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.



