Verkehr bei Hoyerswerda: Streit um Spreestaße – Umweltschützer reichen Klage ein

An diesem dreiarmigen Kreisverkehr bei Spreewitz bei Hoyerswerda soll die künftige Spreestraße aus Richtung Osten anbinden. Ortsnah sollen die Spree und die Spreeaue mit einer 500 Meter langen Brücke auf Pfeilern überquert werden. Dagegen gibt es massiven Protest.
Catrin Würz- Umweltschützer und Anwohner klagen gegen den Bau der Spreestraße bei Hoyerswerda.
- Geplante Brücke durch Schutzgebiet bedroht Biotope und Lebensräume gefährdeter Arten.
- Kritiker bemängeln veraltete Gutachten, fehlende Genehmigungen und zweifelhafte Verkehrsprognosen.
- Verein „Eine Spinnerei“ wehrt sich gegen Teil-Enteignungen ökologisch wertvoller Flächen.
- Projekt widerspricht Klimazielen und stößt auch auf EU-Ebene auf Kritik.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Streit um den Bau der neuen Spreestraße in der Gemeinde Spreetal (Landkreis Bautzen) geht weiter. Jetzt haben die Gegner dieser neuen Straßenverbindung, für die kürzlich per Planfeststellungsbeschluss Baurecht erteilt wurde, die nächste Stufe ihres Protests gezündet.
Der Umweltschutzverband BUND Sachsen sowie mehrere private Anwohner haben beim Verwaltungsgericht Dresden Klage gegen den Freistaat Sachsen (vertreten durch die Landesdirektion Sachsen) eingereicht. Unterstützt wird die Klage vom Verein „Eine Spinnerei – vom nachhaltigen Leben e.V.“, einer Mitgliedsgruppe der Grünen Liga, sowie dem NABU Weißwasser.
Kritiker beklagen überdimensionierte Brücke bei Spreetal
Das umstrittene Straßenbauprojekt „Spreestraße K9281“ sieht den Bau einer nach Meinung der Kläger „überdimensionierten Lkw-Trasse zwischen den ehemaligen Kohlekraftwerksstandorten Schwarze Pumpe (Brandenburg) und Boxberg (Sachsen) vor“.
Besonders kritisch bewerten die Umweltverbände die geplante, mehr als 500 Meter lange Brücke, die quer durch das europäisch geschützte Flora-Fauna-Habitat-Gebiet „Spree-Tal und Heiden“ zwischen Uhyst und Spremberg verlaufen soll. Die geplante Trasse würde damit nicht nur sensible Biotope zerschneiden, sondern auch Lebensräume gefährdeter Arten nachhaltig zerstören, heißt es in einer von beiden Klägern verschickten Mitteilung.
„Der Planfeststellungsbeschluss hält einer Prüfung durch heutige Umwelt- und Klimastandards kaum stand und wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Eine Brücke mitten im Schutzgebiet zu errichten, um auslaufende Kohlekraftwerksstandorte zu verbinden, ist ein ökologischer und politischer Irrsinn. Es ist nicht hinnehmbar, dass Natur, Klima und Steuergelder für ein Projekt geopfert werden, das keinerlei Zukunftsperspektive hat“, erklärt Ursula Eichendorff, Vorstandsmitglied von „Eine Spinnerei – vom nachhaltigen Leben e.V.“.
Neustadt/Spree: „Spinnerei“ befürchtet Enteignungen
Die privaten Kläger wehren sich zudem gegen Teil-Enteignungen von insgesamt rund 300 Quadratmetern ihrer Grundstücke bei Neustadt/Spree. Auf diesen Flächen betreibt der Verein „Eine Spinnerei“ Umweltbildungsstandorte mit Streuobstwiesen, Wildholzhecken, einem Erlenbruchwaldbiotop und Mischwald. Diese ökologisch wertvollen Flächen wären durch das Bauprojekt unmittelbar bedroht.
Darüber hinaus bemängeln die Kläger den fehlenden Habitatschutz sowie unzureichende naturschutzfachliche Prüfungen. „Die Planungsunterlagen basieren zum Teil auf zehn Jahre alten Gutachten. Zudem fehlen zentrale Genehmigungen, etwa eine Befreiung von den Verboten der Landschaftsschutzgebietsverordnung“, kritisieren die Mitglieder des Vereins.
Klimaschützer zweifeln an Prognosen für den Verkehr
Auch die verkehrliche Notwendigkeit und die zugrunde liegenden Prognosen seien zweifelhaft, da weder der Kohleausstieg noch alternative Verkehrslösungen ausreichend berücksichtigt wurden. Professor Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen, erklärt: „Neue Straßen passen nicht in eine Zeit, in der wir kurzfristig vollständig postfossil werden müssen.“ Die immer weitere Zerschneidung der Landschaft dürfe nicht fortgesetzt werden.
Vertreter der „Spinnerei“ haben das Vorhaben zudem kürzlich in Brüssel vorgestellt und EU-Kommissar Wopke Hoekstra sowie Abgeordnete des Europäischen Parlaments gewarnt. Nach Einschätzung der Initiative steht das Projekt im klaren Widerspruch zu den Zielen des Net Zero Industry Act und des European Green Deal.



