Subsorb-Festival in Hoyerswerda: Jung und serbski – das bietet das Event 2024

Die Modedesignerin Sarah Gwiszcz (l.) aus Lübbenau hat die niedersorbische Tracht mit einem Stoff aus dem 2022 neu eingeführten Zug der DB vom Typ Siemens Mireo kombiniert. Elena Woitschehofsky präsentiert den Hingucker (Symbolbild).
Patrick Pleul/dpaOstereiermalen, Vogelhochzeit und Trachtentanzgruppe? – diese Klischees von sorbisch-wendischer Kultur gehen einigen jungen, modernen Sorben ganz schön auf die Nerven. Sie wollen stattdessen lieber zeigen, dass jenseits verstaubter Stereotype auch eine andere lebendige sorbisch/wendische Kunst und Kultur existiert. In Hoyerswerda veranstalten sie deshalb an diesem Wochenende (19. bis 21. Januar) das erste Festival der sorbischen Subkultur – das SubSorb-Festival.
Es wird das Zusammentreffen einer ganzen Szene und Community aus allen Teilen der Lausitz sein. Musiker, bildende Künstler, Filmemacher und Tänzer kommen drei Tage lang in der Kulturfabrik in Hoyerswerda zusammen. Nicht nur, weil die Stadt quasi am Schnittpunkt der ober- und niedersorbischen Bereiche liegt. Sondern auch, weil der Kulturfabrik-Verein diese Idee eines SubSorb-Festivals organisatorisch unterstützt und sogar bei der Akquise von Fördergeld aus dem simul+-Fonds geholfen hat.
Unterstützung für das SubSorb-Festival aus simul+-Fonds
„Den Ort und die Logistik stellen wir, aber die Inhalte des Festivals kommen allesamt von ganz verschiedenen Künstlergruppen aus der sorbisch/wendischen Niederlausitz und Oberlausitz“, sagt Kufa-Geschäftsführer Uwe Proksch. Mit dabei sind bekannte Protagonisten wie das „Kolektiw wakuum“ aus Cottbus. Diese Gruppe mit mehr als 20 jungen Mitgliedern mit deutschem und sorbischem Hintergrund möchte modernes Sorbisch-Sein mehr im Alltag und im Kulturleben sichtbar machen.
Zum „Kolektiw wakuum“ gehört auch die angesagte Cottbuser Künstlerin Hella Stoletzki. Sie ist 2023 mit dem Nachwuchsförderpreis des Brandenburgischen Kunstpreises ausgezeichnet worden. Ihre teils avantgardistischen Bilder zeigen Menschen, die sich auf verschiedene Weise mit ihrer sorbischen Identität auseinandersetzen.
Von Kino-Preview bis „Mapping“ an der Kufa-Fassade
Das Festival der sorbischen Subkultur zeigt in Hoyerswerda solche Malerei und Fotografie verschiedener Künstler. Darüber hinaus bekommen sorbischer Reggae, Punk und HipHop eine Bühne, ebenso wie junge Lausitzer Filmemacher und Videoinstallationen, die unter dem Fachbegriff „Mapping“ an der Außenfassade der Kufa zu sehen sein werden.
Wie Traditionen nicht verworfen, sondern aufgenommen und neu interpretiert werden, zeigt eine Reihe von Workshops, die am Sonnabend und Sonntag stattfinden und von jedermann besucht werden können. So gibt es zum Beispiel Einblick in die sorbische Perlenstickerei sowie in modischen Blaudruck. Ein Workshop versucht die Symbiose von traditionellem sorbischen und neuem, modernen Tanz. Außerdem wird ein niederschwelliger Einstieg in die sorbische Alltagssprache angeboten.
Einer der Höhepunkte des Festivals ist die Eröffnung am Freitagabend (19. Januar) mit der offiziellen Preview des Kinofilms „Bei uns heißt sie Hanka“ (20 Uhr). Die Doku der Hoyerswerdaer Filmemacherin und Autorin Grit Lemke spürt der Frage nach, wie der Verlust von Muttersprache und Kultur die Existenz des kleinsten slawischen Volkes gefährdet. Doch eine neue Generation will das nicht länger hinnehmen. Ein Gespräch mit der Filmemacherin ist im Anschluss der Vorführung geplant.
In Hoyerswerda: Karaoke auf Sorbisch und vieles mehr
Lustig dürfte ein Programmpunkt am späten Freitagabend werden, der mit „Krabaoke“ überschrieben ist. Gemeint ist Karaoke auf Sorbisch: Zu einem wilden Potpourri aus sorbischsprachigen Songs von Berlinska Droha, dem „Kolektiw Klanki“ oder Punksongs von „Corna Kruswa“ können sich die Gäste im Sorbisch-Singen ausprobieren.
Kufa-Geschäftsführer Uwe Proksch freut sich auf die enorm große Vielfalt des dreitägigen Festivals. „Und natürlich richtet sich das Festival nicht nur an Gäste mit sorbischen Wurzeln, sondern auch an alle, die sich einfach für diese Szene und ihr Anliegen interessieren“, lädt er ein.
Trachtenhaus Jatzwauk lädt in die „Komorka“ ein
Ein zweiter Veranstaltungsort des Festivals ist neben der Kulturfabrik das Trachtenhaus Jatzwauk in der Senftenberger Straße. Es öffnet am Sonnabend (15-18 Uhr) und Sonntag (ab 10 Uhr) seine Pforten. Im Blaudruckkabinett erklärt dann Kirsten Böhme, Trachtensachverständige des Vereins zur Pflege der Regionalkultur der mittleren Lausitz, ihren Gästen diese alte Kulturtechnik.
Die nebenan befindliche Trachtenstube drasćaca komora, kurz „komorka“, wird als Café eingeweiht. Bei einem guten sorbischen Sonntagsfrühstück wird über Blaudruck, Tracht und die schöne Lausitz zu sprechen sein – auf Obersorbisch und Niedersorbisch. Damit diese Sprachen lebendig bleiben.
Ausgewählte Programmpunkte des Subsorb-Festivals in der Kufa Hoyerswerda
Freitag, 19. Januar:
20 Uhr: Preview „Bei uns heißt sie Hanka“; anschließend Filmgespräch mit Grit Lemke und Konzert mit der polnischen Violinistin Izabela Kaldunska und der sorbischen Sängerin Walburga Walde
23 Uhr: serbski Karaoke mit „koletiw wakuum“
Sonnabend, 20. Januar:
11 bis 12 Uhr: Tanzworkshop „Serbski a modern“ zum Schnuppern für jeden von 9 bis 99 (Ballsaal)
13 bis 14.30 Uhr: Tanzworkshop „Serbski a modern“ Teil 2
14.30 bis 16 Uhr: verschiedene Workshops: Sorbische Perlenstickerei; Die Freude beim Handpupsen; Mapping – Technik der Projektion auf Häuser; sorbische Tattoos (ab 16.15 Uhr)
19.30 bis 21 Uhr: Kurzfilme und Gespräche
Anschließend Musik mit „Muzika Ekspres“, Jacke Schwarz, „Jkube“ (obersorbischer Rap), „Stoi & Christin Muschter“ sowie „Swjata Marija“
Sonntag, 21. Januar:
11.30 Uhr: Workshop „Wie digitalisiere ich eine Tracht?“ (Trachtenhaus Jatzwauk)
Der Eintritt ist tagsüber frei bzw. gegen Spende. Der Film am Freitag und die Konzerte am Samstag kosten 15 Euro Eintritt.

