Städtepartnerschaft
: Hoyerswerda schaut jetzt genauer auf die Ukraine

Hoyerswerda hat Städtepartnerschaften im Saarland, in Finnland und Polen. Jetzt soll eine weitere dazukommen. Doch die Stadt Perwomajskyi hat gerade ganz andere Sorgen.
Von
Sascha Klein
Hoyerswerda
Jetzt in der App anhören

Die Altstadt Hoyerswerdas mit der Johanneskirche auf der linken Seite und dem Rathaus am Marktplatz.

Michael Helbig

Es sind knapp 1900 Kilometer Strecke zwischen Hoyerswerda und Perwomajskyj in der Ukraine. Die Stadt an der Elster und die Stadt im Großraum Charkiw haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Das soll sich künftig allerdings ändern.

Hoyerswerda will eine Städtepartnerschaft mit der ukrainischen 30.000–Einwohner–Stadt entwickeln. Wieso aber gerade Perwomajskyj? „Es gibt viele schöne Parallelen zu Hoyerswerda“, sagt Oberbürgermeister Torsten Ruban–Zeh (SPD).

Beide Städten seien in der Neuzeit von der Industrie geprägt gewesen — Hoyerswerda als Wohnstadt des Gaskombinats Schwarze Pumpe, Perwomajskyj als Standort eines Chemiewerks. Ähnlich wie in Hoyerswerda sei in den 1970er–Jahren die Einwohnerzahl in die Höhe geschnellt — und mit dem Ende des Hauptarbeitgebers wieder gesunken.

Ukrainer hoffen auf Einblicke in westliche Abläufe

Doch was erwartet Perwomajskyj von Hoyerswerda? „Es geht dabei nicht um finanzielle Hilfen, sondern um Know–how“, betont Ruban–Zeh. Die Ukrainer, die sich Hoffnungen auf einen EU–Beitritt machen, wollen Abläufe innerhalb der Europäischen Union kennenlernen und lernen, wie sich Hoyerswerda organisiert. Es sei ein ähnliches Prozedere wie in Deutschland Anfang der 1990er–Jahre, so Ruban–Zeh, als Hoyerswerda von Städten im Westen Deutschlands gelernt hat, unter anderem von der saarländischen Partnerstadt Dillingen.

Ukrainer besuchen im September Hoyerswerda

Zunächst möchte Hoyerswerda einem Partnerschaftsnetzwerk zwischen deutschen und ukrainischen Kommunen beitreten und darüber hinaus eine Städtepartnerschaft mit Perwomajskyj beginnen, sagt OB Ruban–Zeh. Perwomajskyjs Bürgermeister Mykola Baksheiev wird mit einer Delegation im September 2023 in Hoyerswerda sein. Zurzeit haben die Ukrainer jedoch ganz andere Sorgen — den Krieg. Die Frontlinie nahe Kramatorsk ist nur knapp 180 Kilometer von Perwomajskyj entfernt.