Seenland Fanfaren in Hoyerswerda: Musikerinnen greifen nach zwei WM-Titeln

Die Seenland Fanfaren aus Hoyerswerda üben in der Turnhalle der Grundschule "Handrij Zejler".
Katrin DemczenkoWenn Carina Bittner an den Moment denkt, bekommt sie heute noch eine Gänsehaut. Vor 25 Jahren stand sie mit dem damaligen Fanfarenzug Hoyerswerda in einem riesigen Fußballstadion im niederländischen Kerkrade. Der Jubel, die Scheinwerfer, der Rhythmus. Jetzt, im Jahr 2026, kehrt dieses Gefühl zurück. Gemeinsam mit fünf weiteren Musikerinnen aus Hoyerswerda greift sie nach den Sternen – oder besser gesagt: nach den WM-Titeln.
Carmen Krautz, Nicole Petzold, Mandy Berg, Marina Haensel sowie die Schwestern Melanie und Carina Bittner sind Teil der elitären „Fanfarenzug Academy“. Diese Auswahlmannschaft aus rund 50 Musikern aus 14 ostdeutschen Zügen hat Großes vor. Im Juli startet die Gruppe bei gleich zwei Weltmeisterschaften.
Zuerst geht es über den Atlantik zur WM der Marching Showbands nach Puebla (Mexiko). Nur wenig später folgt der „World Music Contest“ in Kerkrade. „Dort war der ehemalige Fanfarenzug Hoyerswerda vor 25 Jahren schon sehr erfolgreich“, erinnert sich Hochtrommlerin Carina Bittner.
Frauen sammeln Spenden über die Plattform „GoFundMe“
Der Weg zum Erfolg ist jedoch steinig und verlangt den Frauen alles ab. Seit November 2024 reisen die Hoyerswerdaerinnen einmal im Monat für ein Wochenende nach Strausberg bei Berlin, um mit der Academy-Band zu proben. Hinzu kommen das wöchentliche Training in der Heimat, Auftritte mit den Seenland Fanfaren des SC Hoyerswerda, der Job und die Familie.

Carmen Krautz, Nicole Petzold, Mandy Berg, die Schwestern Melanie und Carina Bittner sowie Marina Haensel gehören zu der Academy-Band, die im Juli 2026 bei gleich zwei Weltmeisterschaften startet.
Demczenko/privat„Das Privatleben kommt derzeit etwas kürzer“, heißt es aus dem Umfeld der Musikerinnen. Dankbarkeit herrscht gegenüber der „Hoy-Reha“, die für die Fahrten nach Strausberg einen Kleinbus zur Verfügung stellt. Dennoch bleibt die finanzielle Belastung enorm: Rund 1900 Euro Eigenanteil muss jede Teilnehmerin für die Reisen nach Mexiko und in die Niederlande stemmen. Um das Loch in der Haushaltskasse zu stopfen, sammeln die Frauen Spenden über die Plattform „GoFundMe“.
SC Hoyerswerda sucht dringend Verstärkung an der Fanfare
Während die Profis für die WM schuften, wird in der Turnhalle der „Handrij Zejler“-Grundschule an der Basis gearbeitet. Stabführerin Ricarda Wiesner achtet penibel auf jedes Detail. „Jede Bewegung ist beim Auftritt unbedingt synchron mit den Nachbarn auszuführen und das Schrittmaß muss für den ganzen Zug stimmen“, erfahren die Neulinge Lea und ihr Vater bei ihren ersten Gehversuchen. Es geht nicht nur um die Musik, sondern um militärische Präzision beim Marschieren und dem Absetzen der Instrumente.
Ab April ziehen die Proben (immer samstags ab 10 Uhr) in den Freizeitkomplex Ost um. „Wenn circa 50 Musiker gemeinsam musizieren und marschieren, ist die Turnhalle einfach zu klein“, erklärt Vorstandsmitglied Jacqueline Haferland. Aktuell sucht der Verein händeringend Verstärkung, vor allem an der Fanfare, um den Klangkörper weiter zu optimieren.
Termine der Seenland Fanfaren in der Lausitz 2026
Trotz der globalen Ambitionen vergessen die Musiker ihre Wurzeln nicht. Die Seenland Fanfaren sind im Jahr 2026 fest im regionalen Terminkalender verankert:
- Hexenbrennen: Auftritt beim Event der Lausitzhalle.
- 1. Mai: Ständchen im AWO-Altenheim Lauta.
- Sommer: 120. Jubiläum des Spielmannszugs Hirschfeld (Brandenburg).
- Herbst: Großer Auftritt beim Stadtfest Hoyerswerda.
Für den Auftritt in Hirschfeld wird im April im Probenlager Seifhennersdorf extra eine neue Choreografie einstudiert. Die Lausitz darf sich also auf eine schmissige Saison freuen – und vielleicht auf zwei Weltmeisterinnen im eigenen Ensemble.
Die Weltmeisterschaft der Marching Showbands
Die Weltmeisterschaft der World Association of Marching Show Bands (WAMSB) findet im Juli 2026 im mexikanischen Puebla statt. Hier messen sich die besten Ensembles der Welt in Kategorien wie Marschparade und Show-Wettbewerb.
Kurz darauf folgt der World Music Contest (WMC) im niederländischen Kerkrade, der oft als die „Olympiade der Blasmusik“ bezeichnet wird und nur alle vier Jahre stattfindet. Für die Teilnehmer aus der Lausitz ist es die Chance, ihre Heimat weltweit bekannt zu machen.
Die Vorbereitungen laufen seit über zwei Jahren, wobei die Musiker nicht nur ihr Instrument beherrschen, sondern auch komplexe Choreografien im Gleichschritt absolvieren müssen. Die Bewertung erfolgt durch eine internationale Jury, die auf Klangqualität, Präzision und optischen Gesamteindruck achtet.
