Landtagswahl in Sachsen 2024
: Wo sich die Kandidaten zum Rede-Duell herausfordern

In der Region Hoyerswerda mit den Wahlkreisen 54 und 55 treffen die Kandidaten zur Landtagswahl nur selten direkt aufeinander. Nicht alle sind dabei. Warum?
Von
Catrin Würz
Hoyerswerda
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Der Wahlkampf an den Straßenlaternen hat längst begonnen, wie hier in Bernsdorf. Die beiden großen Wahlforen mit den meisten Direktkandidaten für die Landtagswahl 2024 finden in den Wahlkreisen 54 und 55 aber erst noch statt.

Der Wahlkampf an den Straßenlaternen hat längst begonnen, wie hier in Bernsdorf. Die beiden großen Wahlforen mit den meisten Direktkandidaten für die Landtagswahl 2024 finden in den Wahlkreisen 54 und 55 aber erst noch statt.

Catrin Würz

Im Landkreis Bautzen sind am 1. September rund 241.000 Menschen aufgerufen, ihre Stimme für die Wahl zum neuen sächsischen Landtag abzugeben. In fünf Wahlkreisen (WK 52-56 / Bautzen 1-5) bewerben sich insgesamt 41 Frauen und Männer, die von elf Parteien und Vereinigungen nominiert wurden, um ein Direktmandat für das Landesparlament.

In den beiden Wahlkreisen in und um Hoyerswerda stehen acht Bewerber für den Wahlkreis 54 (Bernsdorf, Wittichenau, Königsbrück) und sieben Bewerber für den Wahlkreis 55 (Hoyerswerda und Umlandgemeinden) auf den Wahlscheinen. Wer sich vor seiner Wahlentscheidung ein Bild von allen Kandidatinnen und Kandidaten machen möchte, hat nicht viele Möglichkeiten, sie alle auf einmal und im direkten Vergleich zu erleben.

60 Wahlforen in Sachsen – in jedem Wahlkreis eines

Die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) macht jedoch ein solches Angebot. Sie organisiert für alle 60 Wahlkreise in Sachsen jeweils ein Wahlforum, zu dem die Kandidierenden der „aussichtsreichsten Parteien“ auf das Podium eingeladen werden. Bürger können daran teilnehmen und bekommen somit die Gelegenheit, die Bewerber für einen Sitz im Landtag persönlich kennenzulernen und in der Diskussion aktiv Fragen zu stellen.

Das Wahlforum der SLpB für den Wahlkreis 54 (Bautzen 3) findet am Donnerstag, 15. August, von 19 bis 21 Uhr in Königsbrück im Rathaus statt. Im Podium werden sich dann sieben der insgesamt acht Direktkandidaten für die Landtagswahl 2024 vorstellen: Dabei sind

● Thomas Haink (CDU) aus Bernsdorf,
● Timo Schreyer (AfD) aus Königsbrück,
● Lydia Berger (Die Linke) aus Dresden,
● Maria Untch (Bündnis90/Grüne) aus Puschwitz,
● Alex Scholze (SPD) aus Wittichenau,
● Kristin Schiewart (FDP) aus Lauta,
● Kathleen Liebschner (BSW - Bündnis Sahra Wagenknecht) aus Laußnitz.

Nicht in die Runde eingeladen ist Marcel Linack aus Hoyerswerda, der für die Freien Wähler antritt. Der Grund: Die Landeszentrale für politische Bildung hat die Einladungen nach einem schon 2019 gerichtlich geprüften Verfahren ausgesprochen. Kleinstparteien, die offensichtlich keine Chance auf einen Einzug in den Landtag haben, werden demnach nicht für die Wahlforen berücksichtigt.

Warum Kleinstparteien nicht im Podium sitzen

„Wir richten uns dabei nach dem ,Prinzip der abgestuften Chancengleichheit'“, erläutert Silke Kehl, Pressesprecherin der SLpB. Dieses Prinzip besagt, dass der Staat keine Partei größer und auch nicht kleiner machen darf als sie im aktuell öffentlichen Meinungsbild erkennbar ist und in der Vergangenheit bei Wahlen Ergebnisse erzielte.

Deshalb liegen für die Einladung zu den SLpB-Wahlforen folgende Grundsätze zugrunde: Berücksichtigt werden Parteien, die aktuell schon im Sächsischen Landtag oder im Deutschen Bundestag vertreten sind, was auf die Beständigkeit einer Partei verweist. Ebenfalls eingeladen werden Parteien, die laut gesicherten Trends in den Umfragen der einschlägig bekannten Meinungsforschungsinstitute erwarten lassen, dass sie eine reale Chance haben, in den Sächsischen Landtag einzuziehen (Fünf-Prozent-Marke).

Das trifft auf die Freien Wähler (Europawahl 2,4 Prozent) aktuell nicht zu – auf das Anfang 2024 gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (Europawahl 12,6 Prozent) aber schon. Letzteres ist deshalb auch bei den Wahlforen dabei.

Wahlforum in Hoyerswerda im Lausitz-Center geplant

Nur gut eine Woche vor der Landtagswahl am 1. September findet das Wahlforum für den Wahlkreis 55 (Bautzen 4) statt. Es wird am Freitag, 23. August, von 17 bis 19 Uhr im Lausitz-Center Hoyerswerda ausgetragen. Im Podium werden dann folgende Kandidaten Platz nehmen:

● Frank Hirche (CDU) aus Hoyerswerda,
● Doreen Schwietzer (AfD) aus Hoyerswerda,
● Silvio Lang (Die Linke) aus Dresden,
● Hagen Domaschke (Bündnis 90/Grüne) aus Dresden,
● Kristin Kentsch (SPD) aus Hoyerswerda,
● Eddi Friedrich (FDP) aus Wittichenau.

Nicht im Podium wird Dirk Nasdala aus Hoyerswerda sein, der im Wahlkreis 55 für die Freien Wähler antritt.

Wählermeinung ist bei den Wahlforen gefragt

Die Wahlforen werden moderiert und berühren schwerpunktmäßig wichtige Themen aus der Landespolitik und dem Wahlkreis. Streitgespräche drehen sich um Themen wie Fachkräftemangel, Schule und Bildung, innere Sicherheit, Finanzen oder das gesellschaftliche Klima in Sachsen. Kurz und knapp müssen sich die Kandidierenden in Blitzrunden zu politischen Fragen positionieren.

Das Publikum ist eingeladen, sich mit konkreten Fragen und Anliegen ins Gespräch einzubringen, kündigt SLpB-Sprecherin Silke Kehl an. Grundsätzlich soll allen die Möglichkeit gegeben werden, an der Debatte teilzuhaben – mit Gesprächsbeiträgen am Mikrofon, mit schriftlich eingereichten Fragezetteln oder per Abstimmung darüber, über welche Inhalte weiter diskutiert wird.

Die Wahlkreise 54 und 55

Der Wahlkreis 54 (Bautzen 3) umfasst die Städte Bernsdorf, Wittichenau und Königsbrück sowie die Gemeinden Laußnitz, Neukirch, Oßling, Ottendorf-Okrilla, Schwepnitz und Wachau.

Der Wahlkreis 55 (Bautzen 4) umschließt die Städte Hoyerswerda und Lauta sowie die Gemeinden Lohsa, Elsterheide, Spreetal, Königswartha, Neschwitz, Puschitz und Radibor.

Der Landkreis Bautzen umfasst insgesamt fünf Wahlkreise, in denen 241.000 Wahlberechtigte leben.

Für die Landtagswahl in Sachsen am Sonntag, 1. September 2024, von 8 bis 18 Uhr werden im Kreisgebiet 282 Wahllokale eröffnet und 75 Briefwahlvorstände eingerichtet.