Krabat-Festspiele Schwarzkollm 2023: Geheimnis um neuen Krabat – wofür er sein Feuer entfacht
Das berühmte Lausitzer Zauberer-Spektakel wirft seine Schatten voraus: Vom 5. bis 23. Juli finden an der Krabat-Mühle in Schwarzkollm bei Hoyerswerda wieder die beliebten Krabat-Festspiele statt. Mit dem Titel „Krabat – das letzte Feuer“ wird in diesem Jahr die bislang zehnte Inszenierung seit 2012 zu sehen sein und damit ein kleines Jubiläum gefeiert. Und wie der Titel schon vermuten lässt, kommt es zu einem großen Finale: „Es ist das Ende des zweiten Zyklus unserer fiktiven Krabat-Erzählungen“, bestätigt Intendant Peter Siebecke.
Worum es bei diesem großen Schlussstück genau gehen wird, nachdem Krabats große Liebe Hanka im vergangenen Jahr im Stück „Im Schatten der Vergangenheit“ sterben musste, soll jedoch bis zur Premiere in wenigen Tagen noch ein Geheimnis bleiben. Eines verrät Alexander Siebecke, künstlerischer Leiter, Co-Autor und Regisseur der Festspiele, jedoch schon vorab: „Es wird so actionreich und zugleich so sorbisch sein wie nie zuvor.“
Erstmals Stuntmen und Reitpferde vor der Mühle in Schwarzkollm
Denn zum ersten Mal arbeitet die Festspiele-Crew in diesem Jahr mit einem professionellen Stuntmen-Unternehmen zusammen. „Wir werden erstmals große Reitpferde im Einsatz haben“, kündigt Alexander Siebecke an. Tiere gab es zwar auch bisher schon des Öfteren innerhalb der Aufführungen zu sehen – aber eher kleinere, von der Bauernente bis zum Pony.
Auch bei anderen Showelementen und bei der Bühnentechnik habe man aufgerüstet. Mit Bühnennebel, Feuer und Rauch werde für die Dramatik im Stück nicht gespart, kündigt Siebecke an. Eine andere Tradition muss dagegen weichen. „Es wird in diesem Jahr kein Abschluss-Feuerwerk nach den Aufführungen mehr geben“, ergänzt er. Schon im Vorjahr habe man wegen der anhaltend hohen Waldbrandgefahr im Juli große Skepsis gehabt, ob so ein allabendliches Höhenfeuerwerk das richtige Zeichen ist. „Deshalb haben wir uns diesmal dagegen entschieden – für mehr Sicherheit und im Sinne der Nachhaltigkeit“, so Alexander Siebecke.
Neues Krabat-Spektakel wird selbst zum Feuerwerk
Stattdessen soll das gesamte Bühnenstück mehr denn je selbst ein Feuerwerk der Spielfreude, der Trachten und Kostüme sowie von Tanz und Musik werden. Weil dieses Jahr sowohl obersorbische als auch niedersorbische Sagenmotive und Trachten im Stück vorkommen, sei der Aufwand für die Ausstattung und für die Ankleidehelfer noch einmal größer als in den Vorjahren.
Etwa 70 Darsteller sind im neuen Krabat-Spektakel vor der Kulisse der sagenumwobenen Mühle im Koselbruch von Schwarzkollm wieder mit dabei. „Wir haben in diesem Jahr sieben Profi-Schauspieler und 63 Nebendarsteller im Alter von acht bis 78 Jahren, die wir liebevoll unser Schwarzkollmer Volksensemble nennen“, berichtet Produzentin Doris Siebecke. Insgesamt wirken etwa 300 Menschen vor und hinter der Bühne am Gelingen der Festspiele mit. Die Proben laufen seit Wochen auf Hochtouren – „und wir sind immer wieder begeistert, wie viel Leidenschaft, Konzentration und Liebe alle Statisten in ihre noch so kleine Rolle stecken“, lobt die Dresdnerin.
Krabat-Festspiele als Talenteschmiede in der Lausitz
Ralf Fischer gehört schon seit 2013 zum Schwarzkollmer Laien-Ensemble dazu. Neben der Bühnenfigur des Radomer Winzer hat er inzwischen auch die gesamte Koordination der Vor-Ort-Proben übernommen und sorgt mit Leidenschaft dafür, dass ein Zahnrädchen ins andere greifen kann. Auch seine beiden Töchter Vivien und Bonnie Fischer haben mehrere Jahre lang kleinere und größere Rollen in den Krabat-Spektakeln gespielt – zusammen mit den jetzt 23-jährigen Zwillingen Anton und Richard Fuchs aus Lauta.
Die vier jungen Leute, die alle am Lessing-Gymnasium Hoyerswerda ihr Abitur abgelegt haben, sind bei den Krabat-Festspielen sozusagen vom Bühnenvirus infiziert worden. Alle vier haben von Schwarzkollm aus den Weg in eine künstlerische Laufbahn eingeschlagen, studieren Musical und Schauspiel, Musik oder Kulturwissenschaft. Die Zwillinge Richard und Anton Fuchs standen bis vor wenigen Wochen gemeinsam für einen Kinofilm vor der Kamera und sind deshalb ebenso wie die Fischer-Schwestern bei den Krabat-Festspielen 2023 nicht mit dabei.
Generationenwechsel bei den Darstellern aus Schwarzkollm
„Viel Raum und viele Chancen also für neue Talente, für die nächste Generation“, freut sich Ralf Fischer. Ein neuer, kleiner Star steht auch schon in den Startlöchern. Jolina Werner aus Schwarzkollm ist erst 13 Jahre alt – aber schon zum achten Mal bei den Krabat-Festpielen dabei. Im vergangenen Jahr hat sie als vorlautes, freches Bauernmädchen ihre erste Sprechrolle gehabt. Im Advent 2022 wurde sie dann zur Pfefferkuchenprinzessin auf dem Dresdner Striezelmarkt gekürt und sang dort auf großer Bühne vor hunderten Besuchern. Und jetzt hat die Lessing-Gymnasiastin im neuen Krabat-Stück „Das letzte Feuer“ sogar eine kleine Hauptrolle auf den Leib geschneidert bekommen. An der Seite des alten, weisen Obristen Johann von Schadowitz alias Schauspieler Joachim Kaps wird die Schwarzkollmerin dem Stück einen ganz neuen Dreh geben.
Wer spielt in diesem Jahr den Krabat in Schwarzkollm?
Und wer spielt in diesem Jahr den Krabat? Für diese Rolle konnten die Festspielmacher von der Dresdner PR- und Event-Agentur 0351 eine interessante Besetzung verpflichten: Gideon Maoz (36). Der deutsch-israelische Schauspieler war zuletzt am Schauspielhaus Graz und in Wien engagiert. Von Österreich kommt er direkt in die Lausitz, um hier als der gute Zauberer Krabat „das letzte Feuer“ zu entfachen. Im großen Finale des Zyklus muss das Zauberbuch Koraktor für immer vor dem Zugriff durch das Böse bewahrt werden. Man darf gespannt sein.
Krabat-Festspiele – wie alles begann
● Im Jahr 2012 wurden zum ersten Mal die Krabat-Festspiele unter der Überschrift „Krabat trifft August an der Schwarzen Mühle“ als fiktives Spektakel aufgeführt. Damals gab es vier Veranstaltungen vor jeweils 300 Gästen.
● Doch die Idee dafür war viele Jahre früher gereift. Alles begann mit einem Besuch der damaligen Ortsvorsteherin Gertrud Winzer beim heutigen Festspielleiter Peter Siebecke im Jahr 2006. Winzer bat den Begründer des Radeberger Biertheaters um Unterstützung, um Events an die neu entstehende Krabat-Mühle zu bekommen. So entstand das Konzept von den Krabat-Festspielen, die einige Jahre später dann auch umgesetzt wurden.
● In den Corona-Jahren 2020 und 2021 fanden keine Aufführungen statt.
● Die Resonanz der Besucher war von Beginn an riesig – bis heute. In diesem Jahr finden vom 5. bis 23. Juli insgesamt 15 Vorstellungen statt, jeweils von Mittwoch bis Sonntag um 20 Uhr.
● Aktuell können etwa 750 Besucher pro Vorstellung auf dem Gelände der Krabat-Mühle in Schwarzkollm untergebracht werden. Knapp 12.000 Karten für 16 Vorstellungen standen demnach Anfang Februar für den Verkauf zur Verfügung: Das Online-Kontingent war innerhalb weniger Minuten ausverkauft, am Telefon waren wenige Stunden später auch keine Tickets mehr zu haben. Eine Abendkasse gibt es demzufolge nicht mehr.




