Karneval in Hoyerswerda: Gelb Blau 1997 ohne Nachwuchssorgen – wie macht der Club das?

Der Karneval Club Gelb Blau 1997 stürmte am 11. 11. das Rathaus von Hoyerswerda.
Ronald Ufer- Der Karneval Club Gelb Blau 1997 aus Hoyerswerda hat viele junge Mitglieder, aber wenige Ältere.
- Der Verein fokussiert sich auf Tanzgruppen und lokale Veranstaltungen statt auf große Umzüge.
- Enge Partnerschaft mit der Wohnungsgenossenschaft ermöglicht gute Trainingsbedingungen.
- Der Verein unterstützt ukrainische Kinder und setzt auf Familienfreundlichkeit.
- Finanzmittel stammen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Auftritten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Ihr seid der einzige Verein, der immer jünger wird.“ Das Kompliment von Hoyerswerdas Bürgermeister Mirko Pink an den Karneval Club Gelb Blau 1997 freut Präsident Andreas Kubale natürlich. Schließlich hat der Verein seit jeher viele Kinder in seinen Reihen. 16 sind es, dazu kommen Jugendliche. Und einige ukrainische Mädchen, die mittanzen, aber keine Vereinsmitglieder sind. Noch nicht, kann aber werden, hofft Präsident. Er ist auch der Trainer der jungen Tanzgruppe.
Kubale kann aber das Kompliment nicht komplett annehmen. „Wir haben viel Nachwuchs. Aber es fehlen die Älteren. Von den Gründungsmitgliedern aus dem Jahr 1997 sind nur noch vier oder fünf dabei. Von denen, die damals tanzten, eventuell noch eine.“
Das hat für den Präsidenten nichts mit fehlender Attraktivität des Vereins zu tun, sondern mit der Einwohnerentwicklung, welche die ganze Stadt prägt. „Die rasante Stadtentwicklung in den 60er und 70er Jahren hat nicht dazu geführt, dass Hoyerswerda eine Karnevalshochburg geworden ist. Seit der Wende gibt es einen starken Wegzug. Gegen diese Faktoren kann die gute Arbeit unseres Vereins und seines Vorgängers wenig ausrichten.“
Hoyerswerdaer Narren mit eigenem Weg beim Karneval
Und so versuchen die blau-gelben Narren gar nicht erst, die Arbeit traditioneller Vereine wie in Wittichenau oder gar im Rheinland zu kopieren. Sie haben einen eigenen Weg gefunden, dem wollen sie auch in Zukunft folgen. Im Mittelpunkt der Auftritte stehen die Tanzgruppen, nicht der klassische Sitzungskarneval. Dabei lautet das Motto, wir kommen aus Hoyerswerda und tun vor allem etwas für die Stadt und ihre Bürger.
Praktisch bedeutet dies, weitestgehend auf Gastspiele außerhalb und auf Straßenumzüge zu verzichten. Dies wäre mit erheblichen Kosten verbunden, die die Vereinskasse zu stark belasten würden. Stattdessen treten sie in der Stadt auf, nicht nur während der närrischen Saison.
Karnevalistisches Treiben ist über die Faschingsevents hinaus für den Verein eine Ganzjahresaufgabe. Regelmäßig gibt es Auftritte in Seniorenheimen und bei Veranstaltungen. Das reicht von Kindertag über Halloween bis zu den Hoffesten und dem Herbstfest der „LebensRäume“. Die Karnevalisten bereichern das Leben der Genossenschaft und können mit den Gagen die Vereinsarbeit aufrechterhalten.
Enge Partnerschaft mit Wohnungsgenossenschaft
Mit der Wohnungsgenossenschaft ist der Verein seit Jahren eng verbunden. Saal und Nebenräume in der Heinrich-Mann-Straße 3 sind langfristig von den LebensRäumen angemietet. Dadurch war es möglich, diese mit großen Wandspiegeln auszustatten, wie sie beispielsweise aus Ballettproberäumen bekannt sind. Sie ermöglichen gute Trainingsbedingungen.
So hat Kubale seine Mädchen gut im Blick, wenn neue Choreografien und Figuren eingeübt werden. „Keine Puddingfinger, lange Hände“ und „nicht hopsen“, klingt es durch den Raum, wenn der Präsident Bewegungsabläufe demonstriert und die Umsetzung überwacht. Die jungen Tänzerinnen können in den Spiegeln ihre Tanzbewegungen sehen und diese korrigieren.

Konzentriert werden im Vereinssaal die Tänze für das neue Programm einstudiert.
Ronald UferViel Wert legt der Verein auf die Nachwuchsgewinnung. Dabei sind die Auftritte bei Veranstaltungen für Familien und Kinder sowie volle Säle beim Kinderfasching vielleicht die beste Werbung. Auch mit Schulen wird zusammengewirkt. Die ukrainischen Mädchen wurden über Kontakte aus dem Freundes- und Bekanntenkreis angesprochen.
Zudem hatte der Verein Hausrat und Spielzeug für die vor dem Krieg geflüchteten Familien gesammelt. Sie waren zu Kaffee und Kuchen eingeladen, konnten sich Stücke aussuchen, es gab ein kleines Programm. Und das Angebot, dass die Kinder im Verein mitmachen könnten. Einige nehmen diese Möglichkeit wahr.
Fußballprinz als Hoffnungsträger
Aber auch bei den Erwachsenen sucht der Verein mehr Mitglieder und Besucher seiner Veranstaltungen. Er setzt dabei auch auf den diesjährigen Prinzen, Seine Tollität Toni I. Wenn dieser nicht das Narrenvolk regiert, ist er Freizeitfußballer. Da dies eine Mannschaftssportart ist und der Verein mehrere Teams hat, könnte der eine oder andere Spieler mal bei einer Veranstaltung unter dem Sessionsmotto „Disneyland in Narrenhand“ vorbeischauen, vielleicht auch bleiben, hofft Kubale.
Wenn der Präsident keine Veranstaltungen organisiert oder mit den kleinen Tänzerinnen probt, muss er sich der heikelsten Aufgabe jedes Vereins widmen, den Finanzen. Grundlage sind die Mitgliedsbeiträge zwischen zehn und 15 Euro im Monat. Hinzu kommen Spenden und Gelder von Auftritten. Für das jährliche Trainingslager stellt ein Spender jeweils 500 Euro bereit.

Er ist der neue Hoffnungsträger des Vereins, Seine Tollität Toni I., mit Ihrer Lieblichkeit Alya I.
Ronald UferDie Stiftung „Wir für Sachsen“ unterstützt jährlich mit 440 Euro als Entschädigung für Kubales ehrenamtliche Trainer-Tätigkeit, die an den Verein weitergegeben werden. Und auch in der Stadtkasse, die beim Rathaussturm am 11. 11. übergeben wird, sei immer etwas drin, verrät er.
Auf der Ausgabenseite wird gespart. Es werden alle Chancen ergriffen, günstig an Kostüme zu kommen. Durch den Verzicht auf Umzüge werden diese geschont. Zudem werden Dekorationen bei den Veranstaltungen im Vereinssal nur sparsam verwendet. Manches wird einfach als großformatiges Bild auf einem Plotter angefertigt, auch Beamer kommen zum Einsatz.
Hoyerswerdaer Karneval Club Gelb Blau 1997 e.V.
Zwar gab es bereits vor der Wende in Hoyerswerda einen Karnevalsclub, doch überstand dieser den Umbruch nicht. Es vergingen einige Jahre, bis erneut eine Gruppe Interessierter den Schritt der Vereinsgründung ging. Als schließlich ein auswärtiger Verein in der Stadt zu Karnevalsveranstaltungen lud, entfachte dies wieder die Lust, in Hoyerswerda etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.
Mit einer Handvoll Mitglieder ging es 1997 los. Ein erster kleiner Umzug samt Schlüsselübergabe am Rathaus fand im Gründungsjahr statt. Im Jahr darauf rundete bereits eine Festveranstaltung die Karnevalssaison ab. Heute zählt der Verein etwa 50 Mitglieder. Besonders eine Sparte erfreut sich großer Beliebtheit: die Kindertanzgruppe.
Die Faschingsprogramme begeistern Kinder wie Senioren. Der Kinderfasching und die große Karnevalssitzung sind die Höhepunkte der närrischen Zeit. In einer Mischung aus Tanz und Musik marschieren der Elferrat und das Prinzenpaar auf. Die Funkengarde gilt als Aushängeschild des Karnevalsvereins.
Fünf Jahre sind das häufigste Eintrittsalter in die Tanzgruppe. Die älteren Mädchen proben ab der fünften Klasse dann in der Showtanzgruppe. Und auch für die Erwachsenen gibt es eine eigene Tanzgruppe. Das jährlich stattfindende Trainingslager bringt jede Menge Freude und die Mitglieder einander näher.



