Glaswerk Bernsdorf: Schock – O-I Glasspack kündigt Produktionsstopp an

Im O-I-Glaswerk in Bernsdorf sind bislang täglich 350.000 bis 400.000 Flaschen, vor allem für Spirituosen, vom Band gelaufen. Jetzt kündigt der Konzern an, die Produktion auszusetzen. (Archivbild)
Rita Seyfert- O-I Glasspack stoppt ab Mitte September 2025 die Produktion im Werk Bernsdorf, Sachsen.
- Rund 100 Mitarbeiter bleiben für Schmelzwanne-Betrieb, Schulungen und Weiterbildung beschäftigt.
- Hauptgrund: Hohe Energiepreise und schwierige Lage der Behälterglasindustrie in Deutschland.
- Bernsdorf produziert seit 150 Jahren, aktuell Grünglasflaschen – Hauptkunde: Mast Jägermeister SE.
- Glaswerke in Drebkau und Tschernitz ebenfalls von Schließungen und Insolvenzen betroffen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es ist keine gute Zeit für die Glasindustrie in der Lausitz. In den vergangenen Monaten waren bereits schlechte Nachrichten aus mehreren Betrieben in Südbrandenburg gemeldet worden. Und nun kündigt auch noch ein traditionsreiches Glaswerk in Ostsachsen Konsequenzen an: Der in Amerika ansässige Weltkonzern O-I Glasspack hat bekannt gegeben, in seiner Zweigniederlassung im sächsischen Bernsdorf ab Mitte September die Produktion auszusetzen.
Das bestätigt Stefan Weinmann, Sprecher der O-I-Gruppe in Europa, diesem Nachrichtenportal. Als Grund nennt er die schwierige wirtschaftliche Lage für die Unternehmen der Behälterglasproduktion in Deutschland.
Schmelzwanne soll in Bernsdorf weiterbetrieben werden
Der Stopp der Produktion stellt aber offenbar noch keine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Bernsdorfer Glaswerkes dar. Denn die im Jahr 2020 für insgesamt 20 Millionen Euro komplex erneuerte Schmelzwanne soll nicht stillgelegt werden. „Die Schmelzwanne in Bernsdorf wird weiter in Betrieb gehalten“, kündigt Weinmann an.
Die Schmelzwanne ist das Herzstück eines jeden Glaswerkes. Wird sie heruntergefahren, ist ein Wiederaufheizen auf die notwendige Produktionstemperatur von über 1500 Grad Celsius nur mit großem Aufwand und über einen längeren Zeitraum möglich. Ein kurzfristiges Reagieren auf sich ändernde Bedingungen wäre dann schwierig.
Für die zirka 100 Mitarbeiter des Glaswerkes Bernsdorf heißt dies, dass „die Mitarbeiter in diesem Fall weiterhin beschäftigt sind und zum Beispiel die weiterlaufende Schmelzwanne betreuen oder Weiterbildungen und Schulungen durchlaufen“, teilt Unternehmenssprecher Stefan Weinmann mit. „Wir werden die Marktentwicklung aufmerksam verfolgen, um entsprechend reagieren zu können“, ergänzt er. Weitere Details zum Produktionsbetrieb wolle man jedoch nicht nennen.
Glashütte Bernsdorf schaut auf 150 Jahre Tradition zurück
Die Herstellung von Behälterglas wie Flaschen und Konservengläser oder früher auch von technischem Glas und Lampen hat in der Glashütte Bernsdorf eine lange Tradition. 2022 feierte das Werk sein 150-jähriges Bestehen. Die Glasmanufaktur hatte in ihrer Geschichte jeweils auch für die Kleinstadt Bernsdorf eine wichtige Bedeutung.

Der Standort des Glaswerkes Bernsdorf befindet sich mitten in der sächischen Kleinstadt. Erst 2020 war die Schmelzwanne für eine Millionen-Summe erneuert worden.
Catrin WürzIm Bernsdorfer Glaswerk wurden zuletzt auf zwei voll maschinellen Produktionslinien vor allem Grünglasflaschen für internationale Kunden hergestellt. Vor allem namhafte Marken aus der Spirituosen-Branche ließen ihre Flaschen im Werk produzieren.
Insgesamt rund 150 Millionen Flaschen von der Miniatur-Größe (20 ml) bis zur Drei-Liter-Großflasche gingen noch im Jubiläumsjahr 2022 in Bernsdorf vom Band. Für die pro Jahr 41.000 Tonnen verarbeitetes Glas kommen in der Glashütte bis zu 80 Prozent Altglas zum Einsatz.
Jägermeister ist im Austausch mit langjährigem Partner
Großkunde und Hauptabnehmer ist dabei seit 25 Jahren die Mast Jägermeister SE. Der Likörhersteller bezieht bisher rund ein Viertel seiner benötigten Flaschen aller Größen von O-I. Das ist eine besondere Geschäftsbeziehung, denn das Jägermeister-Werk in Kamenz hat seinen Sitz nur knapp zehn Kilometer vom Hersteller der markanten Vierkant-Glasflasche in Bernsdorf entfernt.
Die Entwicklung im Glaswerk beobachte der Spirituosen-Produzent sehr aufmerksam. „Wir stehen dazu in engem Austausch mit unserem langjährigen Partner, der O-I Glasspack GmbH & Co. KG“, teilt eine Sprecherin des Unternehmens Jägermeister auf Nachfrage mit. „Die Versorgungssicherheit unserer Werke ist aktuell gewährleistet.“
Bundesverband: Angespannte Lage für Glasindustrie
Die wirtschaftliche Situation der Glasindustrie in Deutschland und Europa ist momentan sehr schwierig. Diese Einschätzung trifft auch der Bundesverband Glasindustrie mit Sitz in Düsseldorf. Verbandspräsident Christian Quenett spricht von „einer angespannten Lage und einige Unternehmen mussten bereits Kapazitäten anpassen“.
So habe die deutsche Glasindustrie das Jahr 2024 mit einem Umsatzrückgang von 8,3 Prozent abgeschlossen. Dieser Trend setzt sich auch 2025 fort. Speziell die Produktion von Behälterglas hat eine noch schlechtere Bilanz. In dieser Branche wird vom Verband beim Umsatz ein Minus von 14,2 Prozent ausgewiesen.
Dazu kämen laut Verbandschef Quenett enorm hohe Energiepreise, die „die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland ernsthaft gefährden“.
Glaswerke in Drebkau und Tschernitz mit Problemen
Alarmierende Signale hatte es zuletzt in der Glasindustrie in der Lausitz gleich mehrfach gegeben. Im Januar 2025 war das Ende der Glasproduktion im Ardagh-Werk in Drebkau bekanntgeworden. Dort verlieren 160 Mitarbeiter ihren Job. Im Werk in Drebkau sind Weißglasbehälter für die Lebensmittelindustrie hergestellt worden. Die gesunkene Nachfrage an Behälterglas wurde als Grund für die Schließung genannt.

2024 feierte das Glaswerk Bernsdorf sein 150-jähriges Firmenjubiläum. Das war eine seltene Gelegenheit für Gäste, die vollmaschinelle Produktion aus nächster Nähe zu sehen. Doch schon bald werden die Maschinen erstmal still stehen. (Archivbild)
Catrin WürzAnfang Juli erfolgte dann der nächste Rückschlag: Die Glasmanufaktur Brandenburg GMB in Tschernitz im Landkreis Spree-Neiße hat Insolvenz angemeldet. Am Standort sind 243 Beschäftigte betroffen. Die Fabrik in Tschernitz ist der einzige Hersteller für Solarglas in Europa. Aber auch die europäische Solarindustrie steckt in der Krise.
Über O-I Glasspack in Bernsdorf
O-I steht für Owens-Illinois Inc. Der amerikanische Konzern mit Sitz in Ohio (USA) ist der weltweit größte Produzent von Glasflaschen und Konservengläsern.
Im Jahr 2004 übernahm Owens-Illinois die französische BSN Glasspack und damit auch mehrere deutsche Glashütten, darunter das Glaswerk in Bernsdorf.
O-I unterhält weltweit 70 Produktionsstätten in 17 Staaten mit mehr als 24.000 Mitarbeitern.


