Gerhard Gundermann: Lieder und Gespräche – so erinnert sich Hoywoy zum 70. an „Gundi"

Liedermacher und Rockpoet Gerhard Gundermann im Jahr 1989. Am 21. Februar 2025 hätte er seinen 70. Geburtstag gefeiert. Die Kulturfabrik Hoyerswerda erinnert an den Künstler mit fünf Veranstaltungen an vier Tagen.
Adi WawroDie Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Für die einen ist Liedermacher Gerhard „Gundi“ Gundermann der größte Sohn seiner Heimatstadt Hoyerswerda, für andere eine Persona non grata. Auch mehr als 25 Jahre nach seinem Tod im Juni 1998 ist der einst als „singender Baggerfahrer aus der Lausitz“ bekannt gewordene Liedrockpoet einerseits unvergessen und sein künstlerisches Schaffen hochverehrt, andererseits ist er in seiner Heimat noch immer ein umstrittener Mensch.
Während seine Lieder mit den berührenden und tiefgehenden Texten weiter in ganz Deutschland und zunehmend auch in Europa lebendig gehalten werden – zum Beispiel durch Sänger aus den Niederlanden, Polen, Tschechien, Italien, England und sogar ins Plattdeutsche übersetzt wurden – und während über sein Leben preisgekrönte Spielfilme und Dokumentationen gedreht wurden, gibt es in der Stadt Hoyerswerda immer noch keine Straße oder Schule, die offiziell seinen Namen trägt. Diesen Schritt sind die Stadtväter bis heute nicht gegangen, weil dazu nie Einigkeit erzielt wurde.
Ein Hoyerwerdaer als Unruhegeist und voller Widersprüche
Ja, „Gundi“ Gundermann galt als unverbesserlicher Idealist, ewiger Unruhegeist und unbequemer Kritiker in den letzten Jahren der DDR und erst recht nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Trotz seiner ganzen Widersprüchlichkeit, die sich auch in zeitweiser Tätigkeit für die DDR-Staatssicherheit äußerte, ist er jedoch bis heute eine Identifikationsfigur für viele Ostdeutsche und zunehmend auch für Menschen in Gesamtdeutschland geworden.
Zum 70. Geburtstag Gundermanns am 21. Februar erinnert deshalb die Kulturfabrik Hoyerswerda gleich mit fünf Veranstaltungen an vier Tagen (vom 20. bis 23. Februar 2025) an den Liedermacher und Künstler. Alle Konzerte, Talkrunden und Aufführungen versuchen sich an dem Anspruch, Gundis Ideen, seine Musik, seine Haltung zu politischen und gesellschaftlichen Themen ins Hier und Jetzt zu holen.
Vier Tage lang Veranstaltungen zur Erinnerung an Gundermann
Es beginnt am Donnerstag um 19 Uhr mit einer Gesprächsrunde aus der Reihe „Grit mit…“ Gastgeberin ist die Autorin und Regisseurin Grit Lemke, die im Podium Gundis Witwe Conny Gundermann sowie Mitglieder der „Brigade Feuerstein“, der ersten Künstlergruppe um den Liedermacher, begrüßen wird. Es geht um die Frage: Wie war das damals mit Gundi und der „Brigade Feuerstein“? Ein Gespräch über Aufbrüche, Abstürze, Verrat, Liebe, Freundschaft, Utopie und Hoyerswerda kündigt sich an.

Dieses Gruppenfoto zeigt die Brigade Feuerstein um den Liedermacher Gerhard Gundermann (vorn Mitte) in den 1980er-Jahren.
Peter RadkeAm Freitag (21. Februar), dem eigentlichen Geburtstag Gundermanns, bestreitet der Bürgerchor Hoyerswerda das Programm. Der Chor unter der Leitung von André Bischof hatte sich vor genau zehn Jahren zum 60. Gundermann-Geburtstag im Jahr 2015 gegründet. Zum ersten Mal wurden damals Gundis Lieder im Arrangement für Chorsänger aufgeführt – das war ein Novum.
Bürgerchor Hoyerswerda feiert eigenes Jubiläum
In diesem Jahr feiert der Bürgerchor also seinen zehnten Geburtstag und will mit seinem neuen Programm „Männer, Frauen und Raketen“ zugleich einen besonderen Denkanstoß geben. „Den Titel des Programms haben wir an Gundis erste Platte ,Männer, Frauen und Maschinen' angelehnt“, sagt Chorleiter André Bischof.
Die Sängerinnen und Sänger des Chores treibt aktuell das Thema „Kriege in der Welt“ um. Mit ihrem Programm versuchen sie sich der Frage zu stellen: Wie hätte sich Gundi zu Putins Krieg in der Ukraine geäußert? „Wir wissen es nicht, aber zugleich wissen wir, dass es in Gundis Liedgut Spuren gibt, wie er sich zu gewaltsamen Konflikten positionierte. Im Programm des Bürgerchores folgen wir diesen Spuren“, so Bischof. Der Chor setzt zum Thema eigene Akzente mit Zwischentexten und Zitaten.
Gundermann-Party entführt in den Weltenraum
Bei einem Café-Konzert am Samstag (22. Februar) um 15 Uhr präsentiert das Paul Bartsch-Akustik-Trio eigene Songs im Stile von Gundermanns Musik. Gundis Generationen-Gefährte Paul Bartsch aus Halle wurde im vorigen Jahr 70.
Am Samstagabend ab 20 Uhr steigt dann unter dem Titel „Space Shuttle Gundermann“ eine Gundermann-Party im Bürgerzentrum Braugasse 1. Im Jahr 1981 schrieb der Liedermacher unter dem Titel „Liebestraum im Weltenraum“ ein Stück, in dem sich Kosmonauten und Astronauten, Raumschiffe und Bodenstationen der verfeindeten Weltmächte begegnen und sich entscheiden müssen: Sieg oder Liebe?
In einer Gemeinschaftsproduktion bringen Mitglieder der „Brigade Feuerstein“, der Band „Liedgefährten“ und des Kufa-Vereins das Stück in neuer Fassung auf die Bühne – nicht ohne sich die Frage zu stellen: Können wir das heute noch spielen? Durch eine neue Rahmenhandlung (Text und Inszenierung: Grit Lemke) wird Gundis Text in unsere Zeit geholt.
Der Abend erinnert daran, dass Gerhard Gundermann nicht nur Lieder, sondern auch eine Vielzahl von Theaterstücken geschrieben und gemeinsam mit der Brigade Feuerstein auf die Bühne gebracht hat – ein künstlerisches Erbe, das es neu zu entdecken gilt. Im Anschluss klingt die Party mit dem Konzert „Von Seemännern und Gundermännern“ von der Band Shanty Peter aus dem Hochschwarzwald aus.
Hoyerswerdaer „Feuersteine“ schreiben auch für Kinder
Fehlen darf im Geburtstagsprogramm zu Gundis 70. natürlich auch nicht eine Aufführung für die ganze Familie. Die gibt es am Sonntag (23. Februar) um 15.30 Uhr mit dem Kindermusical „Die kleine Malwina“. Das Märchen aus der Feder von Gerhard Gundermann und Alfons Förster wurde 1981 ein großer Erfolg der „Brigade Feuerstein“.
Erzählt wird die Geschichte von der kleinen Malwina: Der Rummel ist in der Stadt. Malwina hat sich darauf gefreut, wird jedoch von der bösen Zauberin Alphazalpha in eine Spielzeugpuppe verwandelt. Ihre Freunde Tränchen Traurig und Tom Dideldei starten eine große Befreiungsaktion.

Zauberhaft und lustig geht es in der „Geschichte von der kleinen Malwina“ zu. Darsteller der Musik- und Kunstschule Bischof und von der einstigen Brigade Feuerstein bringen das Stück in der Kufa zur Aufführung.
André BischofAuch heute noch habe das Malwina-Stück Kindern etwas Wichtiges mitzuteilen. Davon ist André Bischof, Inhaber der Musik- und Kunstschule Bischof, überzeugt. „Kinder können sehen, dass es Konflikte gibt, zum Beispiel zwischen Guten und Bösen, aber dass diese Konflikte auch zu lösen sind“, beschreibt er es mit seinen eigenen Worten.

André Bischof ist beim Gundermann-Geburtstag in der Kufa Hoyerswerda gleich in drei Veranstaltungen mit eingebunden - als Leiter des Bürgerchores, als Musiker bei "Space Shuttle Gundermann" und bei der Aufführung des Kindermusicals "Malwina".
Catrin WürzDer 63-jährige Musikschul-Chef glaubt, dass dies auch prinzipiell die Lebensphilosphie von Gerhard Gundermann gewesen sei: Man müsse Gräben zwischen den Menschen zuschütten, statt neue aufzureißen, und Versöhnung im Kleinen leben.
Darsteller von Kunst- und Musikschule Bischof aus Hoyerswerda
Bischofs Musik- und Kunstschule bringt das Malwina-Musical weitgehend mit eigenen Darstellern und Musikern im Alter von 16 bis 26 Jahren auf die Bühne. Die Regie hat Feuerstein-Mitglied Elke Förster übernommen. Mit dem Familienstück geht am Sonntag dann ein viertägiges Erinnern an einen besonderen Sohn der Stadt Hoyerswerda zu Ende, von dem sicher so mancher gern wüsste: Wie würde Gundi heute denken, reden, singen und kämpfen?
70. Geburtstag „Gundi“ Gundermann
Donnerstag (20. Februar), 19 Uhr: Talkrunde „Grit mit…“ Conny Gundermann & Brigade Feuerstein
Eintritt: Vorverkauf 11 Euro / Abendkasse 15 Euro
Freitag (21.02), 20 Uhr: Bürgerchor „Männer, Frauen und Raketen“
Eintritt: 13 €
Samstag (22.02.), 15 Uhr: Cafe-Konzert mit Paul Bartsch (Eintritt frei)
20 Uhr: Gundermann-Party „Space Shuttle Gundermann“
Eintritt: 20 Euro
Sonntag (23.02.), 15.30 Uhr: Familienmusical „Die Geschichte von der kleinen Malwina“
Eintritt: Kinder 6 Euro / Erwachsene 8 Euro
Alle Veranstaltungen finden im Bürgerzentrum Braugasse 1 in Hoyerswerda statt. Sie werden unterstützt durch den Verein Gundermanns Seilschaft Berlin.
Karten: www.kufa-hoyerswerda.de, in der Kulturfabrik vor Ort oder eventuelle Restkarten an der Abendkasse.



