Diagnose Leukämie: Tamino (18) aus Spremberg sucht Stammzellen-Spender

Tamino Krüger aus Spremberg auf dem Gitschberg im Winterurlaub – wenige Woche vor der Diagnose Leukämie. Nun sucht der 18-Jährige einen geeigneten Stammzellen-Spender.
Gustav Nowka.Tamino ist ein wenig erkältet. Früher hat den Fußballer des Spremberger Sportvereins 1862 so ein Schnupfen nicht umgehauen. Aber seit er die Diagnose Leukämie, Blutkrebs, hat, läuten da alle Alarmglocken: zu Hause in der Familie Krüger/Schultka und in Dresden an der Uni-Klinik.
„Der Junge steckt im fünften Chemo-Block“, sagt Michael Schultka, Taminos Vater. Die Chemotherapie schwächt das Immunsystem sehr. Die Medikamente greifen nicht nur die Krebszellen an, sondern alle Zellen im Körper, die sich teilen. Auch Abwehrzellen.
In dieser Woche ist Diana Krüger mit ihrem Sohn fast täglich in Dresden. „Die Chemotherapie schlägt nicht so an, wie wir das alle erhofft hatten“, so der Vater. Tamino seien nun doch die Haare ausgefallen. „Wir haben gestaunt, wie lange sie ihm geblieben sind.“ Noch einmal könnte die Dosis der Chemotherapie erhöht werden. „Das wird dann Hardcore“, sagt der Vater.
Aktion in Spremberg: Tamino braucht viel Glück
Mit den Ärzten in Dresden und der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) haben sie begonnen, nach einem Stammzellenspender zu suchen. Nicht die Blutgruppe ist relevant. Sondern auf die gleichen Gewebemerkmale kommt es an, die HLA-Merkmale. Die Abkürzung steht für humanen Leukozyten-Antigene. Tausende Merkmale gibt es und mehreren Millionen Kombinationsmöglichkeiten, so Laura Tielkes von der DKMS. Das unter Europäern am häufigsten verbreitete HLA-Merkmal teilten sich wohl nicht mehr als 300 Menschen. Bei anderen HLA-Merkmalen seien es deutlich weniger. Nur ein kleiner Teil ist registriert. Seinen genetischen Zwilling zu finden, ist schwer. Und bei einer akuten Leukämie drängt zudem die Zeit.

Tamino Krüger (r.) ist an Leukämie erkrankt und braucht Stammzellen. Hier sieht man ihn mit seinem Vater Michael Schultka (Mitte) und seinem Bruder in Klein Döbbern am Stausee.
Diana KrügerWer drei Geschwister hat, hat gute Chancen, dass ein Bruder, eine Schwester die Merkmale der Eltern in der gleichen Weise geerbt hat. Tamino hat einen jüngeren Bruder, und der hoffte, helfen zu können. Aber seine HLA-Merkmale stimmen nicht mit denen von Tamino überein. „Das haben wir gleich testen lassen“, sagt Michael Schultka. Also muss – wie in 70 Prozent der Fälle – Tamino auf einen fremden Spender hoffen.
Leukämie: Ein schwaches Immunsystem ist teuer
Gemeinsam mit der DKMS und Freunden hat die Familie in wenigen Tagen eine Registrierungsaktion für Spremberg organisiert – für Freitag, 25. August. Registrieren ist einfach und schmerzfrei. Zuerst gilt es, Daten wie Name, Alter, Adresse, Größe und Gewicht anzugeben und mit der Unterschrift in die Registrierung einzuwilligen. Dann muss mit drei Wattestäbchen möglichst viel Wangenschleimhaut fürs Labor gesammelt werden. Passen die Merkmale nicht zu Tamino, passen sie vielleicht zu einem anderen Menschen, der gegen Blutkrebs kämpft.
Im April suchte der Spremberger Sportverein 1862, wo Tamino bei den A-Junioren spielt, eine Spenden-Plattform für die Familie Krüger/Schultka. In einem früheren Fall hatte der Verein gute Erfahrungen mit „GoFundMe“ gesammelt. Für Tamino sind hier inzwischen über 36.000 Euro zusammengekommen.
„Wir haben uns im Leben immer alles selbst erarbeitet. Jetzt sind wir auf Spenden angewiesen. Außenstehende können sich das oft schwer vorstellen“, sagt der Vater. Um sich intensiv um den Sohn kümmern zu können, hat Diana Krüger ihre Arbeit erst einmal aufgegeben. Michael Schultka verbringt seine Urlaubstage damit, Diana abzulösen, ihr mal die Fahrerei abzunehmen. Im Monat fallen 600 bis 700 Euro zusätzliche Spritkosten an. Hinzu kommen Reinigungsmittel und medizinische Hilfsmittel, Cremes, die Nebenwirkungen lindern. Was an zusätzlichen Strom- und Wasserkosten droht, sei noch nicht zu überblicken. Jeden Tag rotiert die Waschmaschine. Weil Taminos Immunsystem schwach ist, müssen Handtücher täglich gewaschen werden. Auch einen Wasserfilter haben sie sich deshalb angeschafft.
Was die Eltern von Tamino beobachten
In der Uni-Klinik in Dresden fühlen sie sich mit Tamino gut aufgehoben. Bei den Ärzten und Pflegern und mit den Familien, die ein ähnliches Schicksal erleben. „Wir tauschen uns aus, sehen uns zwischen den Behandlungen immer wieder, teilen Niederlagen, kleine Erfolge“, sagt der Vater. Mit so einer Krankheit, so beobachtet er, stoßen viele Betroffene finanziell an Grenzen. Auch über die Spenden-Portale sprechen sie und über den Neid, den sie neben vielen mutmachenden Worten und viel Hilfen eben auch erfahren. „Den Neidern sage ich“, so Michael Schultka, „dass sie gerne das ganze Geld haben könne, wenn sie uns dafür auch bitte diese schlimme Krankheit abnehmen.“
Selbst bei der Registrierung vorbeischauen – das würde Tamino gerne. Aber abgesehen davon, wie es ihm am Freitag geht – das Ansteckungsrisiko in einer Menschengruppe ist einfach zu groß. Für die Aktion mit der DKMS hat Diana Krüger aktuelle Fotos von Tamino suchen müssen. „Dabei merkt man, dass man die Jungs, wenn sie älter werden, leider gar nicht mehr so oft fotografiert“, sagt Diana Krüger. Tamino am Gipfelkreuz des Gitschberges in Südtirol: Das war noch im Winterurlaub vor der Diagnose Leukämie. Sein Freund Gustav Nowka hat ihn in 2510 Meter Höhe fotografiert. Das Familienfoto aber, dass die Mutter ausgesucht hat, ist nach der Diagnose entstanden. „Da ging es Tamino mal gut. Wir sind zur Minigolfanlage am Döbberner Stausee-Strand gefahren“, erinnert sich Michael Schultka, „ja, das war ein schöner Tag.“
Dort wird registriert
Die Registrierungsaktion für Tamino beginnt am Freitag, 25. August, um 11 Uhr im City-Center am Markt in Spremberg. Bis 18 Uhr können sich alle, die gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt sind, als Stammzellenspender registrieren lassen, kündigt Laura Tielkes von der DKMS an.
Wer bereits registriert ist – auch auf einer anderen der 26 Dateien in Deutschland – muss das nicht wiederholen. Die Daten laufen im Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland ein, über das auch international gesucht wird.
In Deutschland sind über zehn Millionen Freiwillige für eine mögliche Stammzellspende registriert. Die Zahl der neuen potenziellen Spender ging in den Jahren 2020 bis 2022 zurück. Nach mehr als 800.000 Neuregistrierungen 2019 waren es 2022 noch 438.190.
Nicht nur bei der akuten Leukämie ist das Übertragen gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung. Auch bei anderen Bluterkrankungen bewährt sie sich, bei schweren Immundefekten und nach aggressiven Chemotherapien oder Bestrahlungen.




