Dr. Jana Gärtner kommt kaum zum Luft holen. Die Medizinerin und Amtsärztin im Landkreis Bautzen ist derzeit im Dauereinsatz. Am Wochenende hat sie mit mehreren Dutzend Kontaktpersonen gesprochen. Das sind diejenigen, die mit den bislang vier nachgewiesenen Corona-Patienten aus dem Raum Hoyerswerda zu tun gehabt haben. Sie sind untersucht worden, die Abstriche kommen in die Landesuntersuchungsanstalt nach Dresden. Dort wird innerhalb von 24 bis 30 Stunden nachgewiesen, ob ein Patient mit dem Corona-Virus infiziert ist oder nicht.

Montag, 13.30 Uhr: Jana Gärtner sitzt bei der Pressekonferenz im Bautzener Landratsamt und ruft zur Gelassenheit auf: „Wir sind nicht nahe einer Katastrophe“, sagt sie. „Wir haben aber eine besondere Gesundheitslage. Diese „Gesundheitslage“ sieht am Montagnachmittag wie folgt aus: Im Landkreis Bautzen gibt es vier nachgewiesene Corona-Erkrankte – der Test bei einer weiteren Person steht noch aus. Zunächst hatte sich ein Ehepaar offenbar während einer Südtirol-Reise mit den Virus angesteckt. Zurück in der Lausitz hatten sich zwei oder drei Personen aus ihrem Umfeld angesteckt. „Bis jetzt haben wir einen Corona-Herd im Landkreis Bautzen“, sagt der stellvertretende Landrat Udo Witschas.

Anzahl der Kontaktpersonen in der Lausitz wächst

Allerdings wächst die Anzahl der Kontaktpersonen immer weiter. Am Wochenende sind es etwa 20 gewesen, jetzt sind es rund 90, bestätigen Jana Gärtner und Udo Witschas. Sie wohnen hauptsächlich im Norden des Kreises Bautzen, aber auch in den Nachbarkreisen. Unter den Quarantänefallen seien auch weitere Personen, bei denen sich ein Corona-Verdacht zunächst nicht bestätigt hat.

Sowohl die Erkrankten als auch die Kontaktpersonen seien in Quarantäne versetzt worden. Das bedeutet: Sie haben innerhalb der vergangenen Tage einen Anruf des Landratsamts Bautzen bekommen – mit der Auflage, ihre Wohnung oder ihr Haus nicht mehr zu verlassen. „Einige dieser Menschen sind beunruhigt gewesen, andere überrascht. Die meisten haben sehr positiv reagiert“, sagt Jana Gärtner. Dabei ist die Quarantäne keine Kann-Bestimmung. Die Betroffenen müssen zu Hause bleiben. Mit dem Nötigsten müssen sie Verwandte, Freunde und Bekannte versorgen. Bleiben die Corona-Tests negativ, darf sich derjenige nach 14 Tagen wieder frei bewegen.

Hoffnung auf wenige Corona-Neuerkrankungen

Wie sich die Erkranktenzahlen entwickeln: Das kann niemand vorhersagen: „Wir versuchen, dass sich das Virus möglichst langsam ausbreitet“, betont die Amtsärztin. Die Hoffnung: ein, zwei Fälle pro Tag anstatt 20. Denn: Je mehr Kranke es gibt, umso höher wird auch die Zahl der Kontaktpersonen. Noch ist diese Aufgabe für das Landratsamt machbar. Potenziert sich die Zahl jedoch, könnte es vor allem personell eng werden, so Udo Witschas. Im Moment hält das Landratsamt mit jedem Betroffenen im Landkreis Kontakt – zweimal täglich per Telefon. Explodieren die Fallzahlen, wäre das kaum mehr zu leisten.

Deshalb sollte jeder Betroffene die Quarantäne ernst nehmen – und jeder Gesunde die Hygienebestimmungen. Was man machen kann? Jana Gärtner macht eine Geste: „Händewaschen, Händewaschen, Händewaschen“, sagt sie – 20 bis 30 Sekunden lang und mit Seife.

Corona-Notfallnummer für Landkreis Bautzen

Was den Verantwortlichen klar ist: Es wird in den kommenden Tagen und Wochen weitere Fälle geben. Dafür will der Landkreis Bautzen gewappnet sein. Es gibt seit kurzem eine Stabsstelle „Corona“ und eine neue Anlaufstelle für mögliche Erkrankte: im früheren Sozialamt in der Bautzener Taucherstraße 23. Dort sollen die nötigen Corona-Tests stattfinden. „Die Menschen sollen weder zu einem Hausarzt noch in ein Klinikum gehen“, sagt Jana Gärtner. „Sie sollen sich zuerst telefonisch bei uns melden.“ Um die Chance der Ausbreitung gering zu halten, finden die Untersuchungen an diesem Ort in Bautzen statt. Ab Dienstag gibt es eine Notfallnummer für den Landkreis Bautzen: 03591 52 51 12121.

Auch die Krankenhäuser in der Region sind vorbereitet. Sowohl das Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda als auch die Oberlausitz-Kliniken haben einen klaren Pandemieplan. Im Zweifelsfall stellen sie Betten für besonders schwere Corona-Fälle oder auch für chronisch Erkrankte bereit, denen eine Quarantäne nicht möglich ist. Das beträfe zum Beispiel Dialyse-Patienten.

Wegen Corona: Kita-Wettkampf in Hoyerswerda abgesagt

Eine erste Reaktion auf die ersten Corona-Fälle: Der Kreissportbund Bautzen hat die laufende Kita-Olympiade abgesagt. Am Dienstag sollten die Wettkämpfe in Hoyerswerda sein. „Wir gehen der Empfehlung des Gesundheitsamtes nach. Leider müssen wir die gesamte Olympiade absagen und können diese aus organisatorischen Gründen auch nicht verschieben“, so Kreissportbund-Geschäftsführer Lars Bauer.

Weitere Informationen zum Cornonavirus stellt der Landkreis auf folgender Webseite zur Verfügung: www.landkreis-bautzen.de/corona.

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