Betrug in Hoyerswerda: Üble Masche mit Büchern – so verhalten sich Sammler richtig

Vor einer neuen Betrugsmasche warnt die Polizei. Betrüger haben es auf Buch-Sammler abgesehen (Symbolfoto).
Sebastian Gollnow/dpaEs ist ein alter Trick, der scheinbar aber immer noch zu oft funktioniert. Wer im Internet etwas Wertvolles verkaufen will, lockt häufig nicht nur Interessenten, sondern auch Betrüger an. Die Polizeidirektion Görlitz, zuständig für die beiden Landkreise Görlitz und Bautzen, warnt derzeit vor einer Betrugsmasche in der Lausitz, die Betroffene hohe Geldsummen kosten kann. Im Visier der Verbrecher sind häufig Sammler.
Konkret handelt es sich bei den Zielpersonen um die Besitzer von Brockhaus- oder Bertelsmann-Lexika-Sammlungen. Diese werden zunächst per Telefon kontaktiert. Die Betrüger geben sich dabei als Kaufinteressenten der Buchsammlung aus. Doch es gibt einen Haken.
Die Täter geben den Tipp, dass der angebliche Verkaufserlös gesteigert werden könne, wenn nur die Sammlung erst „komplettiert“ werde – durch den Kauf weiterer, besonders wertvoller Ergänzungsbände.
Polizei warnt: Betrüger setzen Menschen unter Druck
Doch mit genau dieser Masche verdienen die Betrüger ihr Geld: Wollen die Sammler ihre Buchbände vervollständigen und damit den Verkaufspreis steigern, müssen sie den angeblichen Vertretern fünfstellige Eurobeträge bezahlen. Die angebotenen Bücher sind in Wirklichkeit jedoch keineswegs wertvoll, sondern sehen nur so aus: Die originalgetreuen und aufwendig gestalteten Bücher sind bloße Faksimiles, also Nachbildungen historischer Dokumente.
Bei persönlichen Terminen vor Ort zur Begutachtung der Sammlung setzen die Betrüger die meist älteren Menschen dann massiv unter Druck. So wird häufig auch zum Abschluss von überteuerten Kreditverträgen für die Finanzierung des Bücherkaufs gedrängt. Später folgt jedoch eine bittere Erkenntnis: Die gelieferten Bücher entpuppen sich als wertlos – sie sind nicht einmal einen Bruchteil des gezahlten Preises wert.
Doch nicht nur das: Die angeblichen Vertreter verlangen häufig auch noch hohe „Servicegebühren“ für die angebliche Registrierung und Vermittlung der Sammlungen in Verkaufsdatenbanken. In Wirklichkeit unternehmen sie jedoch keinerlei Schritte, um die Bücher tatsächlich zu verkaufen.
Polizei-Statistik: Wo die Betrüger ihr Unwesen treiben
Unterwegs sind die Betrüger laut Aussagen der Polizei vor allem in Görlitz, wo bis Ende Juni 2024 bereits elf Fälle verzeichnet sind. Doch auch in Bautzen (vier Fälle), Löbau-Zittau (drei Fälle) sowie Hoyerswerda und Kamenz mit jeweils einem Fall sind die Verbrecher mit ihrer Betrugsmasche unterwegs. Von 20 Straftaten wurden bisher elf aufgeklärt, doch der Schaden ist enorm: Alle Fälle zusammen betragen insgesamt fast 200.000 Euro.
Wer bereits Opfer des Betrugs wurde, sollte sich an die Polizei wenden und den Fall melden. Außerdem sollte geprüft werden, ob das Widerrufsrecht greift oder ob der Vertrag wegen Wuchers angefochten werden kann.
Das sind die Tipps der Polizei, um sich vor Betrug zu schützen:
- Lassen Sie keine Vertreter in Ihr Haus, die Ihnen Bücher oder andere Waren anbieten.
- Unterschreiben Sie nichts, sondern nehmen Sie sich Bedenkzeit und lassen sich unabhängig beraten. Kontaktieren Sie im Zweifel Ihre Polizeidienststelle.
- Einen Vertrag können Sie mindestens 14 Tage nach Abschluss widerrufen, wenn Sie doch etwas unterschrieben haben. Wenden Sie sich bei Fragen gerne auch an die Verbraucherzentrale.
- Achtung, Hinweis zum Widerrufsrecht: Eine Masche der Händler zielt darauf ab, das Widerrufsrecht auszuschließen, indem sie die angebotenen Bücher z.B. durch individuelle Applikationen, Gravuren o.ä. und als kundenspezifische Anfertigung verkaufen. Die Betrüger gaukeln den Geschädigten vor, dass die Drucke limitiert seien, dabei handelt es sich jedoch um Massenware. Zum Vergleich: Echte Faksimile werden nur zu besonderen Anlässen gedruckt.
- Lassen Sie Ihre persönlichen Dokumente nicht fotografieren oder kopieren
- Erkundigen Sie sich bei Bibliothekaren, regionalen Buchhändlern oder Buchbindereien über Zustand und Wert eines Buches und recherchieren Sie im Internet, wo das Buch oftmals zu einem viel günstigeren Preis angeboten wird


