Weihnachten 2023 in Uebigau: Wenn der Nikolaus plötzlich wirklich vor der Tür steht

Überraschungsbesuch vom Nikolaus in den Haushalten Uebigau. Gewusst hat vorher niemand etwas.
Rico MeißnerEs ist Dienstagabend. Die Kinder haben ihre Schuhe geputzt und bereitgestellt, auch wenn sie vielleicht nicht mehr an den Nikolaus, dafür aber an die Geschenke von den Eltern glauben. Doch dann so etwas. Plötzlich streicht eine klassische Rute über die Fenster und in der Tür steht tatsächlich der Nikolaus. Zu einem Kurzbesuch, von dem nicht einmal die Eltern etwas vorher wussten. Zur „Stiefelkontrolle“. Denn die Geschenke werden erst in der Nacht gebracht, wie er den Kindern und den verdutzten Eltern erklärt.
Michel Huß lacht noch am nächsten Tag über den gelungenen Abend. Es war das erste Mal, dass er als Nikolaus durch Uebigau gestreift ist. „Auf die Idee bin ich spontan am Wochenende gekommen“, meint er. „Da habe ich in der Verkleidung das Ponyreiten von Alexandra Leonhards Ponyakademie auf dem Weihnachtsmarkt unterstützt. Die Kinder fanden es toll.“
Niemand war auf den Nikolaus–Besuch vorbereitet
Daraufhin also der Dienstagabend–Rundgang durch die Stadt. Es ist bei über zehn Familien zum Überraschungsbesuch. „Die kleineren Kinder waren eher weniger verwundert, denn sie glauben ja noch an den Nikolaus. Da kann er auch schon einmal plötzlich im Zimmer stehen.“ Also keine verängstigten Reaktionen? „Nein, alle haben super reagiert, aber manche waren wirklich ziemlich erschrocken.“ Warum dies? „Ich habe mir die Schuhe angesehen und gemeint, bei dem einen oder anderen waren sie nicht richtig ordentlich geputzt. Ein Kind ist daraufhin sofort in die Küche geflitzt, hat sich einen Lappen geschnappt und nachgearbeitet.“ Die Ansage seinerseits: Er käme dann in der Nacht noch einmal kontrollieren und würde vielleicht auch Geschenke zurücklassen. „Manche Kinder haben mich aber auch glatt mit Weihnachtsmann angesprochen“, schmunzelt er. „Aber da habe ich dann gesagt, nein, das ist mein dicker Kollege, der kommt ein bisschen später.“
Ein bisschen ähnlich wie der sprichwörtliche Weihnachtsmann lebt auch Michel Huß. Er ist die meiste Zeit am liebsten im Freien unterwegs und verbringt daher auch viel Zeit in seinem umgebauten Kanzelwagen, den er zu einer Art „Tiny–House“ gemacht hat. Der Jäger und Hobbyschafzüchter ist gern in der Natur. Eigene Kinder hat er aber nicht.
Naturmensch ohne eigene Familie
Gesellschaft leisten ihm dafür neben den Schafen auch zwei Herdenschutzhunde, Enten, Hühner und Kaninchen. Sein ehemaliger Jagdhund, der mittlerweile an einer Lähmung der Hinterbeine leidet, ist mittels eines kleinen Wagens ebenfalls immer mit von der Partie. „Eigentlich habe ich mal eine Ausbildung zum Industriemechaniker begonnen. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das nichts für mich wäre. Ich muss einfach draußen in der Natur sein. Ich möchte eigentlich am liebsten mit Tieren arbeiten.“

Ohne roten Mantel und da, wo der "Nikolaus" Michel Huß sich am wohlsten fühlt, in der freien Natur.
Rico MeißnerEin „offizieller“ Schäfer ist er nicht. Allerdings: „Schon seit der Grundschule hat es mich immer zu den Schafen, die es in Uebigau gab und noch gibt hingezogen. Ich war immer nach der Schule da, um zu helfen. Mittlerweile habe ich 17 Jahre damit zugebracht und auch wenn ich keine offizielle Bestätigung dafür habe, würde ich doch sagen, ich bin ein Schäfer.“
Huß könnte sich vorstellen, in der Garten– und Landschaftspflege, auch mit den Tieren, zu arbeiten. Das er dann dafür aber wahrscheinlich auch in die Fleischproduktion einsteigen müsste, ist ihm klar. „Denn nur mit der Landschaftspflege verdienst du ja so gut wie nichts.“ Er könnte sich beispielsweise auch gut vorstellen, den Uebigauer Schlosspark mit zu versorgen. „Aber dann natürlich ohne die Herdenschutzhunde.“ Doch selbst diese sind nicht immer ein Garant für Sicherheit. Eines seiner Schafe hat er bereits an Wölfe verloren. Bisher ist es aber glücklicherweise bei dem einen Fall geblieben.
Freude an der Freude der Kinder in Uebigau
Bei all dem Leben mehr oder wenig ständig draußen, hat er da nicht auch das Bedürfnis, eine eigene Familie zu gründen? Vielleicht ein wenig mehr als ein beinahe ständiger Aufenthalt in seinem „Tiny–House“? „Das wird vielleicht so allmählich Zeit“, denkt der 34–Jährige laut nach. „Aber irgendwie habe ich mich im Herzen und im Kopf immer noch viel zu jung gefühlt für eine eigene Familie. Doch inzwischen ändert sich das.“ Dass er anderen Kindern am Nikolausabend eine Freude bereit hat, freut ihn sichtlich. „Wenn die Kinder glücklich sind, dann bin ich es auch.“
Seine eigenen Kindheitserinnerungen seien so gewesen, dass der Nikolaus eigentlich immer der „Böse“ war. Der mit der Rute. „Auch als Kindergartenkind, das weiß ich noch, hatte ich irgendwie sogar Angst vor dem Weihnachtsmann. Naja, vielleicht nicht Angst, aber doch eine gehörige Menge an Respekt.“ Also versucht er sich nun als „netter“ Nikolaus. Gerade in einer Zeit der Krisen sei es schön gewesen, ein Lächeln auf die Gesichter zu zaubern und das nicht nur bei den Kindern. Sogar selbst gebastelten Adventsschmuck habe er aus Dankbarkeit spontan erhalten.
Mögliches Comeback als Weihnachtsmann
„Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich auch wahrscheinlich eine Runde als Weihnachtsmann drehen werde.“ Nach dem kirchlichen Gottesdienst wird er dann am 24. Dezember aber mit einem leeren Sack durch die Straßen laufen. Denn die Geschenke hat er ja bereits unter dem Weihnachtsbaum hinterlassen, wenn die Familie wieder zuhause ankommt. Und vielleicht die einen oder anderen Eltern Lügen strafen, die ihren Kindern bereits gesagt haben, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Doch, es gibt ihn.


