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Den Feuerwehren in der Region wird wirklich keine Pause gegönnt. Am Montag (25. Juli 2022) heißt es, einen Ödlandbrand im Südwesten Falkenbergs in Richtung Rehfeld und der Landesgrenze zu Sachsen unter Kontrolle zu bringen, da das Feuer sich schnell auszubreiten droht.
Im Einsatz sind die Wehren aus dem gesamten Umkreis, insgesamt aus 15 Standorten von Bad Liebenwerda bis Herzberg.

Falkenberg/Rehfeld

Gegen 13.30 Uhr wurde der Alarm gegeben, am späteren Nachmittag hatte sich das Feuer von anfänglich zehn auf nunmehr rund 100 Hektar ausgedehnt. Der Landkreis Elbe-Elster stufte das Feuer als Großschadenslage ein, der Kreis habe somit die Einsatzleitung übernommen.

Großaufgebot an Feuerwehren kämpft gegen die Flammen

Mit 30 Fahrzeugen und über 200 Einsatzkräften vor Ort, gelingt es so schnell nicht, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Weitere Kräfte müssen alarmiert werden und anrücken.
Auch der erste Versuch, die Ausbreitung durch eine Riegelstellung zu vermindern, war nicht von Erfolg gekrönt. Anwohner werden gebeten, Türen und Fenster geschlossen zu halten.
Rund 100 Hektar umfasst am Montagabend (25. Juli) die Fläche eines Waldbrandes unweit von Falkenberg im Elbe-Elster-Kreis. Auch einige Windkraftanlagen werden von den Flammen bedroht.
Rund 100 Hektar umfasst am Montagabend (25. Juli) die Fläche eines Waldbrandes unweit von Falkenberg im Elbe-Elster-Kreis. Auch einige Windkraftanlagen werden von den Flammen bedroht.
© Foto: Jens Berger

Rückersdorf/Falkenberg/Elster

Nach 17 Uhr verschlechtert sich die Lage. Laut Falkenbergs Stadtbrandmeister Sören Diecke ist das Feuer nach wie vor nicht unter Kontrolle. Eine Evakuierung der Orte Kölsa und Rehfeld mit rund 700 Einwohnern wird in Erwägung gezogen, da sich der Brand in Richtung der Ortschaften bewegt.
Die Orte Kölsa und Rehfeld müssen am Abend evakuiert werden.
Die Orte Kölsa und Rehfeld müssen am Abend evakuiert werden.
© Foto: Jens Berger

Rehfeld und Kölsa müssen am Abend evakuiert werden

Am Abend wird es Gewissheit: Rehfeld und Kölsa einschließlich Kölsa-Siedlung müssen evakuiert werden. Das Feuer breitet sich weiter dynamisch aus. Es ist inzwischen bis auf 150 Meter an die Ortslage Rehfeld herangerückt. Es bewegt sich auch auf Kölsa zu und ist bis auf 400 Meter an dem Ort dran.
Der Leiter des Verwaltungsstabes, Dirk Gebhard, hat deshalb vorsorglich eine Evakuierung der dortigen Einwohner (rund 400 Menschen) angeordnet. Diese wird aktuell durch die Polizei vor Ort begleitet. Busse stünden bereit, informiert die Kreisverwaltung. Bürger könnten sich unter der Telefonnummer 03535 46 4004 informieren.

Schweinemast in Kölsa und Photovoltaik-Anlage in Lönnewitz in Flammen

Wer sich nicht eigenständig organisieren kann oder keine Möglichkeit sieht, bei Familienangehörigen oder Bekannten unterzukommen, sollte sich bitte in Rehfeld zur Bushaltestelle in der Ortsmitte begeben. Treffpunkt in Kölsa ist die Bushaltestelle an der Kirche. Von dort werden Sammeltransporte zur Unterbringung im Haus des Gastes in Falkenberg/Elster organisiert.
Kurz nach 20 Uhr berichten Anwohner, dass eine Ferkelaufzucht-Anlage am Ortsrand von Kölsa in Flammen steht. Wie der Kreis bestätigt sind zahlreiche Tiere verendet. Wenige Minuten später erreicht LR.de von einem Anwohner diese Information: „Jetzt brennen auch die Photovoltaik-Anlagen in Lönnewitz.“
Kurz nach 21 Uhr veröffentlicht die Feuerwehr der Stadt Falkenberg auf Facebook diesen beängstigenden Post: „Katastrophe. Hier brennt alles. Hunderte Einsatzkräfte vor Ort. Lage völlig außer Kontrolle.“
Kurz nach 20 Uhr hat das Feuer den Schweinemastbetrieb vor den Toren von Kölsa (Elbe-Elster) erreicht. Dicke Qualmwolken steigen aus der Ferkelaufzucht-Anlage empor. "Die Schweinemast brennt", sagt ein Beobachter.
Kurz nach 20 Uhr hat das Feuer den Schweinemastbetrieb vor den Toren von Kölsa (Elbe-Elster) erreicht. Dicke Qualmwolken steigen aus der Ferkelaufzucht-Anlage empor. „Die Schweinemast brennt“, sagt ein Beobachter.
© Foto: Freiwillige Feuerwehr Kölsa

Cottbus schickt Hilfe nach Elbe-Elster ins Brandgebiet

Eine Tanklöscheinheit der Cottbuser Feuerwehr ist am Montagnachmittag zum Einsatz in das Waldbrandgebiet im Landkreis Elbe-Elster ausgerückt. Sie wurden von der Einsatzleitung angefordert.
Rund 100 Hektar umfasst am Montagabend (25. Juli) die Fläche eines Waldbrandes unweit von Falkenberg im Elbe-Elster-Kreis.
Rund 100 Hektar umfasst am Montagabend (25. Juli) die Fläche eines Waldbrandes unweit von Falkenberg im Elbe-Elster-Kreis.
© Foto: Jens Berger
Aus Cottbus sind insgesamt 14 Mann mit fünf Löschfahrzeugen auf dem Weg ins Brandgebiet bei Falkenberg. 13 der 14 Einsatzkräfte kommen von Freiwilligen Wehren aus der Stadt.
Darüber hinaus ist auch die Sondereinsatzgruppe (SEG) Flight aus Cottbus zum Waldbrand beordert worden, um per Drohne die Einsatzführung aus der Luft zu unterstützen, heißt es aus der Leitstelle Lausitz.
Weitere Feuerwehr-Fahrzeuge sind aus Potsdam-Mittelmark unterwegs nach Elbe-Elster. Diese Einsatzkräfte hat der Landkreis über das Innenministerium Brandenburg angefordert.
Den bislang größten Waldbrand des Jahres in Elbe-Elster und Brandenburg hatte es Ende Juni an der Grenze zu Sachsen in der Gohrischheide gegeben - rund 20 Kilometer entfernt. Der Brand hatte sich in Richtung des brandenburgischen Mühlberg (Elbe-Elster) ausgeweitet. Mehr als 800 Hektar standen zeitweise in Flammen. Die Ortslagen Kröbeln und Kosilenzien der Stadt Bad Liebenwerda mussten zwischenzeitlich evakuiert werden.

Dorfbewohner geschockt von schneller Ausbreitung der Flammen

Kurz bevor abends vor Ort die Anordnung verkündet wird, Kölsa zu evakuieren, stehen etliche Dorfbewohner fassungslos an der Straße, die nach Kölsa Siedlung führt und beobachten das, was sie „ein Inferno“ nennen. Zwei Frauen sind sichtlich erschüttert. „Was soll ich schon groß sagen, mir geht es schlecht und ich habe Angst“, sagt eine von ihnen. Beide sind den Tränen nahe. Auch ihrer Nachbarin geht es nicht viel besser. „Mir zittern die Glieder und wir wohnen doch gleich hier. Dabei ging es mir am Anfang eigentlich noch gut, aber jetzt?“
Wenige Minuten später ordnet die Polizei die Evakuierung an. Wer nicht anderswo unterkommt, soll sich in Falkenberg am Haus des Gastes einfinden. Dort stehen wenig später Antje Kegel und Frank Stein. Beide sind erstaunlich gefasst. „Was soll man denn machen“, sagen sie, „ja, das ist eine Katastrophe, doch da muss man einen kühlen Kopf bewahren.“ Stein hat von seinem Dachfenster aus gesehen, wie der auffrischende, stark böige Wind, das Feuer am Abend wieder anfachte. „Der Anblick war Wahnsinn. Das war einfach nur eine Feuerwalze“, erinnert er sich. Wann die beiden wieder zurückkönnen, ist zu diesem Zeitpunkt noch offen.

Weitere Verstärkung eingetroffen

Gegen 22 Uhr ist von der Leitstelle Lausitz zu erfahren, dass das Feuer bis dato nach wie vor nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Weitere Verstärkung aus Potsdam Mittelmark und Sachsen seien auf dem Weg zum Brandgebiet beziehungsweise bereits eingetroffen.
Eine Stunde später teilte die Kreisverwaltung mit, dass der Brand noch immer außer Kontrolle ist. Im Laufe des Tages und Abends hatte sich die Fläche auf rund 800 Hektar vergrößert. Während des Einsatzes hätten sich sieben Einsatzkräfte verletzt. Sechs von ihnen wurden in ein Krankenhaus gebracht, so der Kreis.

Ende der Brandbekämpfung nicht absehbar

An dem Brandeinsatz sind mehr als 400 Einsatzkräfte beteiligt, darunter auch überörtliche Kräfte aus Potsdam-Mittelmark, Cottbus und Oberspreewald-Lausitz.
Der Großbrand breitet sich weiterhin dynamisch aus, so das bittere Fazit Montagnacht. Im Verwaltungsstab gehen die Experten davon aus, dass die Brandbekämpfung die ganze Nacht weitergeht und mehrere Tage dauert. Ein Ende ist nicht absehbar, heißt es aus der Einsatzleitung.
Am Montagabend hatte sich Innenstaatssekretär Dr. Markus Grünewald im Verwaltungsstab vor Ort über das aktuelle Einsatzgeschehen informiert.

Feuer auch am Dienstagmorgen noch nicht unter Kontrolle

Die Befürchtungen des späten Abends bestätigen sich. Auch am Dienstagmorgen ist nach Angaben der Leitstelle Lausitz der Brand auf der Fläche von circa 850 Hektar nach wie vor nicht unter Kontrolle. Ebenfalls waren weitere Einsatzkräfte aus Spree-Neiße in der Nacht zur Unterstützung angerückt. Was die im Einsatz verletzten Feuerwehrkräfte betrifft, habe man derzeit keine weiteren Informationen.
Die Deutsche Bahn hat wegen des Waldbrands im Landkreis den Bahnverkehr zwischen Leipzig und Cottbus unterbrochen. Betroffen sei der Abschnitt zwischen Torgau und Falkenberg (Elster) der Linie RE10, sagte ein Bahn-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Dienstagmorgen. Die Haltestellen entfallen. Ersatzweise sollten Busse zwischen Falkenberg (Elster) und Torgau fahren. Nach Angaben des Sprechers sollte der Zugverkehr bis in die Mittagsstunden hinein unterbrochen bleiben.

Unterstützung durch Bundeswehr und Landespolizei mit Hubschraubern

Der Landkreis Elbe-Elster rechnet damit, dass die Brandbekämpfung mehrere Tage andauern wird. Das teilt Torsten Hoffgaard, Pressesprecher des Landkreises, mit. Die Einsatzleitung der Feuerwehr vor Ort habe zwei Einsatzabschnitte gebildet. Dort seien derzeit 350 Kräfte mit der Brandbekämpfung beschäftigt.
Die Evakuierungen in Rehfeld und Kölsa sind derzeit noch aktuell. 700 Einwohner sind davon betroffen. Im Laufe des Tages wird entsprechend der Lageentwicklung entschieden, ob die Evakuierungen weiter Bestand haben. Am Morgen wurden Hubschrauber der Bundeswehr und der Landespolizei angefordert für den Löscheinsatz und die Lagebeobachtung. Dafür ist es notwendig, im Naherholungsgebiet Kiebitz ein Badeverbot auszusprechen, um dort die Wasserentnahme für die Hubschrauber zu gewährleisten.

Wetter bereitet Feuerwehr in Elbe-Elster Sorgen

Das Wetter macht den Einsatzkräften bei der Bekämpfung des Waldbrandes in Falkenberg Sorgen. „Alles steht und fällt mit der Wetterlage“, sagte Kreis-Sprecher Torsten Hoffgaard am Dienstagvormittag. Er werde erwartet, dass der Wind zur Mittagszeit wieder auffrische, sodass sich das Feuer schneller ausbreiten könne.
Der Landesfeuerwehrverband hat den Waldbrand als größten Waldbrand in diesem Jahr in Brandenburg bezeichnet. Der Vizepräsident des Verbandes, Frank Kliem, sagte am Dienstag, die Situation sei auch besonders dramatisch, da Orte geräumt werden mussten und dies neben der Brandbekämpfung großen logistischen Aufwand bedeute. „Die Rettungskräfte sind doppelt gefordert“, sagte Kliem. Es müssten Ortschaften gesichert werden, um auch möglichen Plünderungen vorzubeugen.