Seit dem zeitigen Frühjahr laufen die Planungen in der Familie Winter aus Uebigau, um endlich wieder ein richtig gutes Oktoberfest in das kleine München an die Elster zu bringen. Das bedeutet: Festzelte, Bands und Personal organisieren und natürlich auch kräftig die Werbetrommel für die Veranstaltung im Herbst zu rühren. Jetzt ist diese Werbetrommel zum Stillstand gekommen. Warum müssen die Organisatoren die Reißleine ziehen?
Weder für Mathias Winter, noch für seine Ehefrau Michaela und Tochter Maria, die das Fest alle gemeinsam auf die Beine stellen, war es eine leichte Entscheidung. Doch sie war letztlich unabwendbar geworden. „Es spielt eine Vielzahl von Gründen in unsere Entscheidung hinein, das diesjährige Fest abzusagen“, erzählt Mathias Winter. „Ein wesentlicher Grund sind die Zeltverleiher. Anfang des Jahres hieß es noch auf Nachfrage, wir müssten eventuell mit fünf bis zehn Prozent mehr Kosten kalkulieren. Das wäre machbar gewesen.“ Inzwischen liegen die Angebote allerdings etwa 50 Prozent über den ursprünglich aufgerufenen Kosten und das sei nicht zu stemmen.

Zu große Unsicherheit bei Coronaauflagen

Ein anderer, gravierender Aspekt ist, wenig verwunderlich, die Unklarheit, wie es mit den Coronamaßnahmen weitergehen soll. „Nirgendwo kann uns jemand konkret sagen, was wir im Herbst an Maßnahmen zu erwarten haben“, so Winter. „Wir wissen ja nicht, wird es eine Maskenpflicht in Innenräumen geben oder werden Tests verpflichtend sein und viele andere Unwägbarkeiten mehr.“ Zwar habe der Landkreis durchaus versucht, Informationen bereitzustellen, die auch dankbar angenommen wurden, aber auch hier geht über das tagesaktuelle Geschehen keine weitere Gültigkeit hinaus. Eine Art Open-Air Veranstaltung mit offenem Zelt aus dem Oktoberfest zu machen, diesen Vorschlag lehnten die Organisatoren mit Blick auf die potenziell kalte Witterung Anfang Oktober ab.
Oktoberfest in München an der Elster Party-Polizei-Einsatz in München

München

„Wir haben es schon ein bisschen geahnt“, meint Michaela Winter nachdenklich. „Es gab so gut wie keinen Tag, an dem wir nicht darüber gesprochen und die Medien intensiv verfolgt haben. Am Ende ist die Ungewissheit einfach zu groß für ein so kleines Unternehmen wie uns.“ Bis jetzt habe man die Vorbereitungen noch am Laufen gehalten, aber nun ist der Zeitpunkt erreicht, um in Vorkasse gehen zu müssen. Dieses Risiko können und wollen sie nicht eingehen.

Kleineres Zelt ist keine Alternative

Noch ein anderer Punkt kommt erschwerend hinzu. „Wir müssten ja auch alles, was wir an Personal buchen, doppelt besetzen“, sagt Michaela Winter. „Es genügt doch, wenn irgendjemand positiv getestet ist und ausfällt, dann müsste theoretisch sofort ein Ersatz parat stehen.“ Auch wenn man die Variante eines kleineren Zeltes in Erwägung zöge, blieben die äußerlichen Anforderungen wie Parkplätze, Sicherheitsdienst und Toilettenanlagen die gleichen und außerdem, wie solle man in so einem Fall entscheiden, „wen man reinlässt und wen man abweist?“
Bis zu siebentausend Besucher zieht das Fest, das erstmals 2001 stattfand, normalerweise an; neben Einheimischen auch viele aus dem überregionalen Einzugsbereich.
Oktoberfest in Großthiemig Das Dirndl und die Lederhose passen noch

Großthiemig

Vorerst bleiben Erinnerungen

In diesem Jahr fällt also das 20. Jubiläum, das nachgefeiert werden sollte, auch aus. Was vorerst bleibt, ist die Erinnerung an die vergangenen Jahre und viele Anekdoten daraus. So etwa die schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung von Mathias Winter, die er sich während des ersten Festes beim Bierfassrollen zuzog. Oder die Treue jener Nürnberger, die in Freundschaft mit den Uebigauer Fußballern „Alte Herren“ ihren jährlichen Besuch stets so legen, dass er das Oktoberfest streift. Aber auch die rührende Bewerbung jenes Kellners, der mit weltweitem Renommee warb, um einmal beim legendären Oktoberfest zu arbeiten. Höflich machte man ihn dann darauf aufmerksam, dass es sich bei dem München nicht um die bayrische Landeshauptstadt handelte. Er nahm es mit Humor.
Indes, wie eine überregionale Zeitung einmal verlauten ließ, handelt es sich nach wie vor um das größte Oktoberfest der Welt, zumindest, „wenn man die Zahl der Besucher auf die Köpfe der Einwohner aufrechnet“, erinnert sich Michaela Winter augenzwinkernd.

Blick optimistisch auf 2023

Aber Trübsal blasen liegt der Familie nicht. „Wir gehen jetzt mit guten Gefühlen an die Planung für 2023“, heißt es. Die familiäre Bindung, die im Lauf der Jahre auch bei allen Beteiligten gewachsen ist, soll beibehalten werden. Die Künstler, denen man dieses Jahr absagen musste, sollen im nächsten Jahr die Bühne füllen und das Zelt rocken. „Aller guten Dinge sind drei“, resümiert Michaela Winter mit ein wenig Galgenhumor. „Im nächsten Jahr wird es ganz sicher klappen. Davon sind wir fest überzeugt.“ Es wäre ihnen und ihren Besuchern zu wünschen.