Von Sylvia Kunze

Der Falkenberger Naturschutzverein „Elsteraue“ hat sich via Facebook Aufmerksamkeit verschafft. In dem Post heißt es: „Liebe junge Klimaschützer, wir können Eure Sorgen und Ängste um die Zukunft unseres Planeten ,Mutter Erde’ nachvollziehen. Doch Ängste zu schüren, ist nur dann produktiv, wenn im Ergebnis auch tatsächliche Aktionen stehen. Demonstrationen während der Schulzeit oder Blockaden von Straßen und Plätzen im Berufsverkehr mögen einen hohen Spaßfaktor haben, bringen aber keinen realen Nutzen für unsere Umwelt und  Natur! Wir brauchen Eure Hilfe beim Pflanzen von Bäumen und Sträuchern, beim Bauen von Benjeshecken, beim Be- oder Entdrahten von Stämmen (Biberschutz), bei der Unterhaltung von Naturschutzgebieten, Horsten, Brut- und Niststätten bedrohter Tierarten. Und gelegentlich entmüllen wir auch mal den Wald.“

Mit dem Verweis darauf, dass inzwischen viele ehemals aktive Mitglieder alters- oder gesundheitsbedingt nicht mehr in der Lage sind, kraftaufwendige Arbeiten durchzuführen, endet der Appell mit: „Wir brauchen Eure Hilfe für echten Natur- und Umweltschutz!“ Aber kommt erhoffte Hilfe im Verein an?

Vorsitzende Viola Simon hat darauf in den zurückliegenden Monaten umsonst gehofft. Mit Aktionen wie „Fridays for future“ erreiche man sehr wohl ein Aufrütteln, aber echte Arbeit im Sinne von Klima- und Naturschutz falle oft hinten runter. „Da müssen Taten folgen“, fordert sie und moniert: „Mir fehlen das Bewusstsein, was ich selbst im Kleinen leisten kann, und die Initiative, mich dann einzubringen.“

Man warte aber nicht einfach nur ab. Man wolle auch aktiv auf potenzielle Helfer und Nachwuchs zugehen, berichtet die Vereinschefin: „Wir machen uns zurzeit Gedanken, ob wir mit der Schule zusammenarbeiten und eine neue Nachwuchsgruppe etablieren.“ Zudem wisse man von vielen Einzelkämpfern in der Region, die jedoch nicht im Verein mitarbeiten.

Definitiv feststehe, so Viola Simon, dass man ohne Hilfe den Aufgaben nicht mehr gewachsen sei. Laut Vereinssatzung erstrecke sich der Aktionsradius über das Altkreisgebiet Herzberg. „In manche Ecken kommen wir gar nicht mehr“, muss die Vorsitzende eingestehen. Des mangelnden Personals wegen. Von den etwa 30 Mitgliedern des Vereins seien nur noch etwa ein Drittel praktisch aktiv. Der Rest könne alters- und gesundheitsbedingt praktische Naturschutzarbeit nicht mehr leisten. Hilfe sei mehr denn je vonnöten. „Ich wünsche mir Leute, die mit offenen Augen durch die Natur gehen, uns Hinweise geben und eventuell helfen“, sagt Viola Simon.

Erst unlängst, benennt sie ein Beispiel, habe man im Waldpark Schmerkendorf einen Einsatz gestartet und dort vor Jahren zum Schutz vor dem Biber eingedrahtete Bäume aus ihrem immer enger werdenden Geflecht-Korsett befreit. Zum Teil sei das schon in den Bäumen eingewachsen gewesen. Eine punktuelle Aktion. Im gesamten Altkreis könnten die wenigen Mitstreiter des Vereins das jedoch unmöglich leisten – selbst wenn sie sich das bei ihrer Vereinsgründung auf die Fahne geschrieben haben.

Perspektivisch seien zudem Pflanzaktionen in Planung. Konkret zeichne sich was im Falkenberger Stadtwald ab. Wobei man derartigen Vorhaben durchaus auch skeptisch gegenüberstehe. Im Wald ist danach Anzuchtpflege schwierig. Im schlechtesten Fall vertrocknen die Pflanzen im folgenden trockenen Sommer. An Wegesrändern sähe es anders aus. Da könnte man leichter Wasser zu den Pflanzen bringen. Nachhaltigkeit ist wichtig.

Egal, ob ein Einzelner, eine Kommune oder der Landkreis dafür sorgt. Letztgenannten sieht sie ohnehin deutlich in der Pflicht. Als Klimaschutzregion, die sich Elbe-Elster vor nicht wenigen Jahren rühmte zu sein, vermisse sie entsprechenden „Einsatz für die Region“.

Und wie sieht es nun nach dem Facebook-Aufruf aus? Der wurde zwar mehr als 100 mal gelikt und fast genau so oft weitergeleitet, tatsächlich haben sich bis dato aber nur zwei Naturschutzfreunde gemeldet, die die Arbeit im Verein unterstützen wollen.

www.nsv-elsteraue.de