175 Jahre Eisenbahn Falkenberg: Was die Besucher bei der Jubiläumsveranstaltung erwartet
Es ist der 1. Oktober 1848, als die Bahnstrecke zwischen Jüterbog und Röderau in Betrieb genommen wird. An ihrer Streckenführung liegt ein kleines Straßendorf: Falkenberg. Das Dorf hat da ungefähr um die 350 Einwohner, die meisten von ihnen sind Bauern. Aber jetzt ist etwas anders. Falkenberg hat plötzlich einen Anschluss an die „große, weite Welt“.
Und es ist dieser Anschluss, der zum rasanten Wandel des kleinen Dorfes beitragen wird. 1872 erfolgt die Eröffnung der Strecke von Cottbus über Falkenberg nach Leipzig und Halle. Der Eisenbahnknotenpunkt entsteht und der Ort verändert sein Gesicht. Unternehmen und Menschen beginnen sich anzusiedeln und werden die Stadt (1962 erhält Falkenberg das Stadtrecht) auf Jahrzehnte hinaus prägen. Nicht umsonst trägt das Ortseingangsschild die Ergänzung „Eisenbahnstadt“.
An diesem Wochenende nun werden die entsprechenden „175 Jahre Eisenbahn“ gebührend gefeiert. Auch, wenn die Bahn nicht mehr den gleichen Stellenwert in der Stadt einnimmt, den sie zu DDR–Zeiten innehatte. Aber sie ist und bleibt nach wie vor ein prägender Bestandteil des Ortes.
Eisenbahnmuseum erhält die Geschichte lebendig
Ein Großteil der Geschichte ist auf dem Gelände des Eisenbahnmuseums noch nachzuvollziehen. Etwas, das Heinz Welisch, dem Vorsitzenden des Fördervereins Brandenburgisches Eisenbahnmuseum in Falkenberg, ausgesprochen wichtig ist. „Wir wollen als Verein die Geschichte hier bewahren, denn ohne die Eisenbahn wäre die Stadt niemals das geworden, was sie heute ist.“
Er selbst war sein ganzes Leben mit ihr verbunden. „Ich bin damit groß geworden. Mein Vater war bei der Bahn, meine Mutter ebenso.“ Er selbst wird Dreher und Schlosser und arbeitet später in dem Bereich „Technische Anlagen“ und er macht auch „das Licht aus“, als der Instandhaltungsbetrieb in den neunziger Jahren geschlossen wird. „Die Identifikation mit der Eisenbahn ist heute hier am Ort nicht mehr so hoch wie früher“, meint er. „Damals gab es etwa 2400 Eisenbahner hier. Heute würde ich schätzen, es sind vielleicht noch etwa 150.“ Auch der Verein selbst sucht händeringend nach Nachwuchs, denn der Altersdurchschnitt der Mitglieder liegt ungefähr im Rentenalter.
Der Nachwuchs ist es unter anderem auch, der, neben allen anderen Einwohnern, aufgefordert ist, sich an dem diesjährigen Kreativwettbewerb zum Thema „Eisenbahn“ zu beteiligen, den die Organisatoren rund um die Archivarin Ramona Heide ins Leben gerufen haben. „Mittlerweile hat die Resonanz darauf zugenommen“, freut sie sich im Archiv. „Es kommen immer wieder neue Beiträge, die die Besucher der Festlichkeiten am Wochenende auch hier im Verwaltungsgebäude in der Heinrich–Zille–Straße in Augenschein nehmen und bewerten können.“ Auch Heide hat ihr eigenes Verhältnis zur Bahn. „Als Kind bin ich immer in den Ferien nach Schmerkendorf zu meinen Großeltern gefahren. Mein Opa war Lokführer und manchmal durfte ich auch auf der Lokomotive am Bahnhof mitfahren. Das sind für mich einfach sehr schöne Kindheitserinnerungen.“
Viele Einwohner haben starken Bezug zur Bahn
Erinnerungen sind es auch, die andere ehemalige Eisenbahner beschäftigen. Wie etwa Werner Heyne oder Erika Stolinski. Heyne hat 45 Jahre lang als Rangierer gearbeitet, während Erika Stolinski als Ausbilderin für Bahnbetrieb über den gleichen Zeitraum beschäftigt war.
Die beiden stehen in der Lieberwerdaer Straße vor jenem Wohnblock, der, wie viele andere auch in der Stadt, einst für die Bahnbeschäftigten gebaut worden ist. „Es waren gute Arbeitsplätze“, sind sich die beiden einig. „Gefühlt hat doch jeder zweite Falkenberger zu Ostzeiten bei der Bahn gearbeitet“, schmunzelt Werner Heyne. „Wir haben doch als Stadt davon gelebt.“ Nicht ganz so glücklich sind sie darüber, wie sich nach der Wende alles verändert und nach und nach rückgebaut beziehungsweise aufgegeben wurde. „Auch der Zusammenhalt war früher ein anderer“, meint Erika Stolinski. „So ist es heute nicht mehr.“ Aber nur meckern möchten sie auch nicht. „Immerhin haben wir noch einen Bahnhof und sind immer noch ein Knotenpunkt.“
Dieser Punkt ist auch für Falkenbergs ehrenamtlichen Bürgermeister Stephan Bawey wichtig. „Wir hoffen, dass wir auch weiterhin Menschen zum Zuzug ermutigen können, wenn wir gute Voraussetzungen auch für Pendler etwa nach Leipzig, Berlin oder Cottbus anbieten können.“ Ihm selbst sind konkrete Fälle bekannt, wo genau diese Möglichkeit den Ausschlag gegeben hat, sich in der Stadt niederzulassen.
Umfangreiches Programm am Wochenende
Für das Wochenende hat man sich dementsprechend auch einiges einfallen lassen. So wird es in der Bahnhofstraße im Festzelt vom Freitag (6. Oktober) bis zum Sonntag (8. Oktober) „vielfältige kulturelle sowie musikalische Angebote“ geben. Auch eine Kirmes und verschiedene Stände entlang der Straße sollen für Unterhaltung sorgen. Am Freitagabend gibt es dann unter anderem „City–Dance“ im Festzelt und am Samstagabend an selber Stelle den „Eisenbahnerball“.
Ebenso geöffnet ist das Eisenbahnmuseum am Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Geboten wird neben einem Programm unter anderem eine Fahrzeugausstellung mit der Dampflok 52 8154 und verschiedene Diesel– und E–Lokomotiven. Auch Lokmitfahrten und Fahrten mit einer Schmalspurdampflok der Parkeisenbahn Cottbus sind möglich.
Am oberen Güterbahnhof besteht Samstag und Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr die Möglichkeit, die Loksammlung im 18–ständigen Lokschuppen zu erleben. Auch Mitfahrten auf einer 52er–Dampflok aus Berlin sind an diesen Tagen auf dem Gelände der BLG Railtec für die Besucher möglich.
Für die ehemaligen Eisenbahner Erika Stolinski und Werner Heyne steht der Besuch der Veranstaltungen schon im Vorfeld so gut wie fest. „Da werden viele aktuelle und ehemalige Eisenbahner mit dabei sein. Eine gute Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen und zusammen zu feiern.“






