Tanken in Polen
: Benzin zeitweise ausverkauft, droht ein Preishammer?

Der Iran-Krieg treibt die Spritpreise in Deutschland und in Polen in die Höhe. Trotzdem nimmt der Tanktourismus weiter zu. Das hat Konsequenzen im Nachbarland.
Von
Marcel Laggai
Forst
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Andrang und Warten an der Tankstelle in Zasieki bei Forst (Lausitz). Trotz steigender Preise ist der Kraftstoff in Polen viel günstiger als in Deutschland.

Andrang und Warten an der Tankstelle in Zasieki bei Forst (Lausitz). Trotz steigender Preise sind Diesel und Benzin in Polen viel günstiger als in Deutschland.

Marcel Laggai
  • Iran-Krieg treibt Spritpreise hoch: Diesel >2,20 €, Super >2,10 € in Forst/Cottbus.
  • Tanktourismus nach Polen steigt; teils Benzin knapp, z. B. in Zasieki bei Forst.
  • Circle‑K Zasieki: Super stieg von 1,35 € (25.2.2026) auf 1,59 € (10.3.2026).
  • Zeitweise Rationierung: Soil‑Petro max. 60 l; jetzt Diesel auf 80 l begrenzt.
  • Zoll: reguläre Kontrollen; steuerfrei Tank + 1 Reservekanister bis 20 l.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am späten Montagabend (9. März 2026) verkündete US-Präsident Donald Trump, dass der Krieg „so gut wie beendet“ sei. Damit ist der Krieg gegen den Iran gemeint, der sich seit Beginn am 28. Februar auch massiv auf die weltweiten Ölmärkte auswirkt.

Die Konsequenzen bekommen deutsche Berufspendler seit Tagen zu spüren. Die Preise für Kraftstoffe sind kräftig gestiegen. Im Raum Forst (Lausitz) und auch in Cottbus liegen die Dieselpreise inzwischen bei über 2,20 Euro pro Liter. Doch auch Super (95er) kostet auf deutscher Seite – abhängig von der Tageszeit – mehr als 2,10 Euro je Liter.

Trotz Trumps Ankündigung ist ein Ende der Preisspirale nicht in Sicht. Das befördert wiederum den Tanktourismus nach Polen. Die Nachfrage ist teilweise so groß, dass manchen Tankstellen der Kraftstoff ausgeht.

Tankstelle in Polen bei Forst vorübergehend ausverkauft

So auch in Zasieki bei Forst. Am vergangenen Wochenende mussten dort zahlreiche deutsche Tanktouristen unverrichteter Dinge wieder abrücken beziehungsweise eine andere Tankstelle ansteuern. „Tatsächlich gab es hier zeitweise kein Benzin mehr“, berichtet Martin Mazurkiewicz, der am Gemüsestand seines Bruders arbeitet. Dieser liegt direkt neben der betroffenen Circle-K-Tankstelle.

Inzwischen sei aber wieder Kraftstoff geliefert worden, sodass die Zapfpistolen nicht trocken bleiben müssen. Das hat sich offensichtlich auch bei der deutschen Kundschaft herumgesprochen. Am Dienstagvormittag, (10. März 2026) haben sich dort sogar kleine Warteschlangen gebildet. Denn die Tanktouristen füllen oftmals nicht nur den Tank des eigenen Autos, sondern auch mitgebrachte Kanister. Eine Beobachtung, die Mazurkiewicz bestätigt. Oftmals kämen die Kunden sogar mit mehreren Kanistern.

Diese erhöhte Nachfrage hatte in der vergangenen Woche zu ersten Rationierungen in Polen geführt. An der Soil-Petro-Tankstelle, die etwa einen Kilometer von der Circle-Tankstelle entfernt liegt, durften die Kunden zeitweise maximal 60 Liter Benzin oder Diesel tanken. Darauf hat ein gut sichtbares, rotes Schildchen an den Zapfsäulen hingewiesen.

Mittlerweile wurde diese Rationierung aber wieder etwas gelockert. Nunmehr ist lediglich die Tankmenge für Diesel begrenzt. Den neuen Hinweisschildchen an den Zapfsäulen ist zu entnehmen, dass aktuell nur 80 Liter Diesel getankt werden dürfen. Die Rationierung und die auch in Polen steigenden Preise tun der Nachfrage aber keinen Abbruch. Deutlich wird das an der Circle-K-Tankstelle neben dem Gemüsestand der Gebrüder Mazurkiewicz. Doch auch Martin Mazurkiewicz blickt mit Sorge auf die steigenden Preise im eigenen Land.

Tanken Tankpreise

Auch an den Tankstellen in Polen steigen die Spritpreise seit Tagen, aber die Preisunterschiede zu Deutschland liegen trotzdem bei mehr als 50 Cent pro Liter.

Marcel Laggai/Montage: Sebastian Schubert

Zur Verdeutlichung: Am 25. Februar 2026 lag der Preis für einen Liter Super (95er) an der Circle-K noch bei knapp 1,35 Euro. Am vergangenen Mittwoch (4. März 2026) kostete der Kraftstoff bereits 1,45 Euro pro Liter und aktuell (10. März 2026) liegt der Preis bei 1,59 Euro. „Selbst für unsere Verhältnisse ist das schon echt hoch“, so Mazurkiewicz.

Spritpreise in Polen bald bei 2,40 Euro je Liter?

Ihm zufolge sind die polnischen Spritpreise inzwischen zum Politikum geworden. Experten hätten sogar prognostiziert, dass in Polen Preise von bis zu 2,40 Euro je Liter möglich wären. Der Gemüsehändler hält das zwar für politische Panikmache, geht aber ebenfalls davon aus, dass die Preise weiter steigen werden. „Letztlich dürfen wir uns nicht verrückt machen lassen, sondern sollten abwarten, wohin die Reise noch geht.“

Derweil reißt der Strom an Tanktouristen nicht ab, was inzwischen auch auf deutscher Seite registriert wird. Nicht etwa von den Tankstellen, sondern vom Zoll. So wurde bereits mehrfach berichtet, dass der Zoll inzwischen die Einfuhr von Kraftstoff verstärkt kontrolliert. Aber ist dem wirklich so?

Kontrolliert Zoll verstärkt die Einfuhr von Kraftsstoff?

„Nein, der Schein trügt“, informiert Astrid Pinz, Pressesprecherin des Hauptzollamts Frankfurt (Oder). Verstärkte Kontrollen seien personell schlichtweg nicht zu realisieren, fügt sie hinzu. Trotzdem führt der Zoll im regulären Dienst immer wieder auch verbrauchsteuerrechtliche Kontrollen durch. Dazu zählt ihrer Aussage nach eben auch die Einfuhr von Kraftstoff. Zu den anderen verbrauchsteuerpflichtigen Waren zählen unter anderem Alkohol und Tabak.

Steuerfrei ist der Kraftstoff im Tank des Fahrzeugs sowie ein Reservekanister mit einem Fassungsvermögen von maximal 20 Litern. Aber auch dabei ist Obacht geboten, wie Astrid Pinz hervorhebt. „Mit welchem Kraftstoff das Fahrzeug auch immer fährt, das muss dann auch im Kanister sein.“ Demnach darf mit einem Diesel-Pkw kein Benzin – etwa für den Rasenmäher – nach Deutschland eingeführt werden. Zumindest nicht, ohne mögliche Konsequenzen zu riskieren.