Osterwasser: Trebendorfer Frauen halten an altem Osterbrauch fest
Osterwasserschöpfen ist in diesem Jahr eine Angelegenheit für besonders mutige Frauen und Mädchen. Einst brachen sie zumeist in größerer Gesellschaft in den ersten Stunden des Ostersonntags auf, um mit irdenen Gefäßen an den jeweiligen Quellen das wundertätige Wasser zu schöpfen.
Wer jetzt in der Osternacht vor Sonnenaufgang schweigend auf der Suche nach Schönheit und Gesundheit ist, muss dies allein oder in weiblicher Begleitung aus dem eigenen Haushalt tun. Vor allem der Aspekt Gesundheit wird wohl angesichts des Coronavirus gedanklich im Vordergrund stehen, wenn diesen Ostersonntag die Frauen und Mädchen aus dem Wiesengrunder Ortsteil Trebendorf ihren Gang zur Osterwasserquelle antreten.
Die Quelle im Trebendorfer Park wurde wieder freigelegt
Für Uneingeweihte ist der Weg ins Quellgebiet des Trebendorfer Parks allerdings nicht ganz leicht zu finden. Ausgesprochen feucht und neblig zeigt sich das Areal im Allgemeinen und kann normalerweise nur schwer trockenen Fußes erreicht werden. In diesem Jahr ist der Weg dorthin jedoch trocken.
Der aus Pommern stammende Klaus Schwekutsch (†) hatte den aus heidnischer Zeit stammenden Brauch, der bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in der gesamten Lausitz weit verbreitet war, in den 1950er-Jahren in seiner Wahlheimat Trebendorf kennengelernt und dort wiederbelebt.
Gemeinsam mit seinem Freund, dem Steinsetzer Herbert Riffer aus Keune, hat er vor dreizehn Jahren die verschüttete Osterquelle freigelegt, dem Wasserlauf in der Trebendorfer Parkwiese ein neues Bett gegraben und es kunstvoll mit zusammengetragenen Feldsteinen ausgekleidet. Inzwischen ist das Gebiet sogar ein ganzjähriger Rastplatz für Radtouristen.
Seine Witwe Elvira Schwekutsch, seine Töchter Sylvia Tauche und Conny Matthäus sowie deren Familien setzen diese Arbeit in seinem Sinne fort.
Das Umfeld der Quelle im Trebendorfer Park ist geschmückt
Conny Matthäus hat daher gemeinsam mit ihrer Familie den Quelllauf gesäubert, den Boden geharkt, die bunten Ostereier an die Sträucher gehängt und sich an den zahlreich blühenden Buschwindröschen erfreut.
Damit können sich nun auch wieder Mädchen und Frauen in einem geschmückten Umfeld einfinden, um dort in der Osternacht das kristallklare Wasser zu schöpfen. Schweigend, so gebietet es der Brauch. Denn sonst verliert das Osterwasser seine angeblich heilkräftige und schönheitsfördernde Wirkung und verwandelt sich unweigerlich in „Plapperwasser“.
Das Ganze ist eine echte Renaissance dieses aus heidnischer Zeit stammenden Oster-Brauches im Altkreis Forst.
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts trugen die Mädchen aus Trebendorf und dem benachbarten Mattendorf dabei noch ihre sorbisch/wendische Festtagstracht. Während der Brauch in den umliegenden Orten teils wegen versiegter oder verschmutzter Quellen verloren ging, besinnen sich in Trebendorf immer noch junge Mädchen auf die Tradition ihrer Vorfahren.
Das Wasser aus der Trebendorfer Quelle wird per Steinkrug transportiert
„Ich hoffe, meine Tochter wird mich in diesem Jahr begleiten. Ich möchte nicht gern allein gehen“, so Conny Matthäus. Denn auch Tochter Lucy hat sich früher schon gern mit zur Osterquelle aufgemacht.
Zum Einsatz kommt dann immer der alte graue Steinkrug, der noch von Urgroßmutter Margarete Schwekutsch stammt. Mit dem Wasser wird das Gesicht benetzt. „Es hält sich lange frisch“, versichert ihre Elvira Schwekutsch, die einst selbst zum Osterwasserholen ging. Inzwischen bringen ihr die Töchter das kostbare Nass mit.
Dass das Osterwasser in dem Steinkrug besonders gut aufgehoben werden kann, hat auch Conny Matthäus festgestellt. Mindestens eine Woche lang wird es aufbewahrt und mit dem Rest werden die Topfblumen gegossen.
Unvergesslich ist ihr alljährlich der Anblick der Landschaft, die vom Oster-Vollmond beleuchtet wird. „Der Schein der obligatorischen Laterne auf dem Holztisch wird natürlich ebenfalls wieder den Weg weisen“, versichert Elvira Schwekutsch.

