Von Daniel Schauff

„Er ist kein Stadthund mehr“, sagt Philipp Wesemann mit Blick auf den kleinen Vierbeiner. Vorsichtshalber nimmt er Billy an die Leine, als es raus auf die Berliner Straße geht. Ja, er sei noch des Öfteren in Forst, sagt er. Leben tut er woanders.

2015 wird Wesemann zum Bürgermeister von Forst gewählt. Damals ist er gerade einmal 25 Jahre alt und damit jüngster Bürgermeister Brandenburgs. Gut ein Jahr später erkrankt der SPD-Mann, so schwer, dass er nicht mehr arbeitsfähig ist. Die Geschicke in der Stadtverwaltung lenkt nun Jens Handreck.

Lange geht das so, bis sich Wesemann schließlich dem Willen der Stadtverordnetenversammlung beugt und zurücktritt.

Von der Politik zur Politik-Beratung

„Ich habe die Fehler für andere gemacht“, sagt Wesemann heute. Seine Firma ist noch jung, mit ihr will er anderen ersparen, ebenso an dem verantwortungsvollen Posten eines gewählten Politikers zu scheitern. Der ehemalige Forster Bürgermeister berät jetzt Poltiker im Wahlkampf. „Jede demokratische Partei kann zu mir kommen“, sagt Wesemann, macht aber auch kein Geheimnis daraus, dass er seiner politischen Linie treu bleibt und weiterhin für die SPD die Fahne hochhält.

Der 29-Jährige lebt mittlerweile in der Nähe von Werder, in einem kleinen Ort gleich am Schwielowsee. Nein, der Hund ist kein Stadthund mehr. „Ich habe das Gefühl, dass er erst da zu einem Hund geworden ist“, sagt Wesemann. Und er selbst wieder zu sich gefunden hat.

Wesemann bleibt Forst treu

Groll – Wesemann ist nicht der Typ, der jetzt, lange nach seinem Rücktritt, mit der Forster Stadtpolitik abrechnet. Nein, er komme gerne nach Forst. Die Gespräche, die er mit Forstern führe, seien in aller Regel positive. Der Stadt bleibt er verbunden. Auch wenn er in Werder lebt, sein Auto trägt ein Forster Kennzeichen. „Einmal Forster, immer Forster“, sagt Wesemann.

Er sieht nicht aus wie jemand, der lange krank war, der mit der Vergangenheit hadert. Im Gegenteil, Wesemann wirkt motiviert, er redet gern über seine neuen Aufgaben und berichtet von einem guten Netzwerk, das er einerseits durch seine Zeit als Forster Bürgermeister, andererseits durch seine lange Zeit in der SPD geknüpft hat. „Ich komme leicht an aktuelle Umfrageergebnisse“, sagt er. Das würde ihn vielleicht unterscheiden von anderen Wahlkampfberatern.

Verwaltung? Nein, danke

Überhaupt sehe er die Zeit als gewählter Bürgermeister als Chance für seine Zukunft. Auch wenn die, das hat Wesemann sehr schnell gemerkt, nicht in einer Verwaltung stattfinden wird. Wesemann hat nach seiner Zeit in Forst an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Potsdam Kurse belegt. Wie eine Verwaltung funktioniert, weiß er, dass er dort nicht hin will, ebenfalls.

Heute ist Wesemann wieder gewählter Politiker, ist in Petzow zum Ortsbeirat gewählt worden. Deshalb, sagt er, sei er bei der Kommunalwahl auch noch nicht wirklich aktiv als Wahlkampfberater in Erscheinung getreten. „Ich habe mich auf meinen eigenen Wahlkampf konzentriert“, sagt Wesemann. Mit Erfolg – neben ihm sitzen ein Einzelbewerber und ein Vertreter der Linken im Ortsbeirat.

Die Landtagswahlen stehen an

Wahlkampf – so scheint es, kann Wesemann noch. In den Monaten bis September hat er gut zu tun. Die Landtagswahlen stehen an, Wesemann wird mitmischen, als Berater, nicht als Kandidat. Und er will Politikern das ersparen, was Wesemann durchgemacht hat. Welche Fehler er gemacht habe, wisse er, sagt der ehemalige Bürgermeister von Forst. Eine wichtige Voraussetzung für den Job, den der heute 29-Jährige jetzt übernommen hat.