Schwere Technik: Super-Feuerwehr hilft beim Straßenbau in Spree-Neiße
Ehrfurcht oder Bewunderung? Oder ist es einfach, weil sie auf dem Radweg an dem Koloss nicht mehr vorbeikommen? Die Radtouristen, die an diesem Tag rund um Zelz unterwegs sind, legen an der Neiße kurz vor dem Ort einen so nicht geplanten Zwischenstopp ein. Die Handys werden gezückt und Erinnerungsfotos geschossen.
Das Objekt, das für soviel Aufmerksamkeit sorgt, heißt Simba und gehört Uwe Wonneberger. Der Chef vom gleichnamigen Biomassehof in Groß Kölzig betreibt dort gleichzeitig noch eine Betriebsfeuerwehr. Simba ist dabei das Prunkstück.
Kölziger Koloss kommt von der Flughafenfeuerwehr
Erst seit dem vergangenen Jahr ist der Koloss dort stationiert. Zuvor versah er mehr als 30 Jahre bei der Flughafenfeuerwehr des Airports Weeze im Niederrhein seine Dienste. Als Großflughafenlöschfahrzeug war es vom österreichischen Hersteller Rosenbauer auch konzipiert worden.

Die Betriebsfeuerwehr des Biomassehofes Wonneberger unterstützt die Arbeiten an der Straße zwischen Zelz und Bahren. Durch das Wasser, das hier aufgebracht wird, wird der Untergrund verdichtet. Das imposante 1000-PS-starke Fahrzeug wird von Uwe Wonneberger gesteuert.
Sven Hering„Was ist denn das für ein Ding?“, will einer der Fahrradtouristen wissen. In solch einem Fall präsentiert Uwe Wonneberger oft nur eine Zahl: „Der hat 1000 PS“, antwortet er.
Kölziger Riesenfeuerwehrauto: 11 000 Liter Fassungsvermögen
Doch auf die Leistung kommt es bei diesem ganz speziellen Einsatz weniger an. Vielmehr ist das Fassungsvermögen des Tanks gefragt. Immerhin 11 000 Liter nimmt das Fahrzeug auf. Innerhalb weniger Minuten ist das Wasser aus der Neiße in das Fahrzeug gepumpt. Dann setzt sich Simba auch schon in Bewegung.
Das Bauunternehmen Eurovia hat das Tanklöschfahrzeug geordert. Es soll die neue Straße vor dem Aufbringen der Asphaltschicht bewässern. „Nur so ist es möglich, dort die geforderte Verdichtung und Festigkeit hinzubekommen“, sagt Frank Kuckert, Sachgebietsleiter der Unteren Straßenbaubehörde im Landkreis Spree-Neiße. Alternativen wären Güllefahrzeuge, mit Wasser gefüllt, der örtlichen Landwirte gewesen. Der Vorteil des Feuerwehr-Fahrzeugs: Dank der auf dem Dach befestigten Spritze kann das Wasser mit hohem Druck und bis zu 80 Meter weit auf die Fahrbahn gesprüht werden.
Schwere Feuerwehrtechnik auf dem Radweg an der Neiße
So arbeitet sich Simba über die dort gut ausgebauten Radwege vorsichtig in Richtung Baustelle vor. Die Fahrten von der Neiße bis zum Einsatzort sind zugleich ein guter Test dafür, ob die Bäume entlang der Fahrrad-Trasse ordentlich verschnitten worden sind. An einigen Stellen muss wohl demnächst nachgearbeitet werden. „Hier fahren ja auch die landwirtschaftlichen Fahrzeuge und im Bedarfsfall auch die Feuerwehr lang“, erklärt Uwe Wonneberger.
Der lenkte das Ungetüm routiniert durch enge Kurven und schmale Passagen, immer Obacht auf die Radtouristen gebend, die sich an diesem Tag bei strahlendem Sonnenschein den Weg mit dem Koloss teilen müssen, dafür aber im Gegenzug eine schöne Erinnerung im digitalen Fotoalbum festhalten können.
Kölziger hat sich seine eigene Betriebsfeuerwehr aufgebaut
Für Uwe Wonneberger ist der Baustelleneinsatz eine gute Gelegenheit, seiner Leidenschaft nachzugehen und dabei auch noch ein paar Euro einzuspielen. Denn der 49-Jährige ist leidenschaftlicher Feuerwehrmann und in dieser Funktion seit Jahren schon Ortswehrführer der Groß Kölziger Wehr. In seinem Biomassehof hatte er im Herbst 2012 freiwillig eine Betriebsfeuerwehr eingerichtet, um schnell selbst Abhilfe zu schaffen, falls auf dem Firmengelände oder im Wald beim Holzeinschlag etwas passiert.
So sind 16 Mitarbeiter seines Biomassehofs auch Mitglieder der Betriebsfeuerwehr. „Sie haben sich freiwillig bereit erklärt, sie kennen das Geschäft, sind allesamt gestandene Feuerwehrleute und im Ehrenamt auch bei der freiwilligen Feuerwehr“, sagt Wonneberger mit einem Schmunzeln.
Als Unterstützer der freiwilligen Wehren ist die Betriebsfeuerwehr inzwischen gern gesehen. „Auf Anforderung rücken wir mit aus“, erklärt der Firmen- und Feuerwehrchef. Vor wenigen Tagen war Wonneberger so zum Beispiel bei der Sprengung der Minen bei Bahren mit dabei, stellte dort sogar einen Container als Einsatzzentrale.
Kölziger Betriebsfeuerwehr verhindert Großbrand bei Agrargenossenschaft
Die Feuertaufe hatte die Betriebswehr übrigens nicht auf dem eigenen Gelände, sondern bei einem Brand in Gahry bestanden. Damals galt es, bei ständig die Richtung wechselndem, stark böigen Wind ein Übergreifen der Flammen auf die Biogasanlage der Agrargenossenschaft, den Rinderstall und 3000 Strohballen zu verhindern. Die vorhandene Löschtechnik reichte nicht aus, deshalb wurde Hilfe vom Biomassehof angefordert. Der Einsatz war erfolgreich. Seitdem wird bei Bedarf auch auf die Betriebsfeuerwehr zurückgegriffen – oder wenn es darum geht, Straßenbaustellen kurzzeitig unter Wasser zu setzen.






