Von Doberlug-Kirchhain nach Rom: Zwei Simson-Fans auf großer Tour

Am Ziel: Manuel Zahn und Christian Schmidtke mit ihren Simsons in Rom vor dem Kolosseum.
Handyfoto: Manuel Zahn/Christian SchmidtkeSie haben es erneut getan. Nach Paris im Jahr 2011 ging es für Manuel Zahn (35), Kfz-Mechatroniker, und Christian Schmidtke (37), Maurer von Beruf, von Doberlug-Kirchhain aus mit ihren Simsons jetzt erneut auf große Tour. Das Ziel: Rom.
Nach Paris war Manuel mit einer SR 50, Baujahr 1987 und Christian mit einer S 51 gedüst. Nach Rom ging es für Schmidtke diesmal aber mit einer S 83, Baujahr 1985. „Es war damals schon klar, dass wir so was noch mal machen würden. Und diesmal wollten wir noch länger unterwegs sein.“ Bis Paris waren es 2150 Kilometer, nach Rom stolze 3409, hin und zurück.
Mit den Simsons über herrliche Weiten düsen
Die Simsonbegeisterten legten am Tag zwischen 250 und 300 Kilometer zurück, bei 60 km/h. Zahn: „Im Durchschnitt waren es 260 Kilometer.“ Es ging über Landstraßen, mit herrlichen Aussichten, im Gepäck zwei Zelte, ein Iglu und ein kleines Zweimann-Zelt, um über Nacht immer so nah wie möglich am Wasser zu sein.
Schmidtke: „Wir waren sieben Stunden pro Tag unterwegs, natürlich mit Pausen.“ Morgens früh ging es in der Regel so um halb neun los und dann wurden erst mal Kilometer gemacht. Zahn lächelt. „So 80, 90 Kilometer haben wir fürs Erste schon hingelegt. Früh tut der Arsch nicht so weh.“
Danach wurde die Strecke in 50, 60 Kilometer-Etappen eingeteilt. Alle 140 Kilometer musste getankt werden. Und Mittags wurde Pause gemacht, um zu essen. Zahn: „Viele Auto- und Motorradfahrer haben den Daumen gehoben, als sie uns vorbeirauschen sahen. Das war ein gutes Gefühl.“
Simson fahren ist in Elbe-Elster eine wahre Leidenschaft
Manuel und Christian lieben das Campen. War die Streckenetappe geschafft, wurde zünftig gekocht, auf einem Benzinkocher, Spagetti oder Dosenfutter, das bequem auf Christians Anhänger mitgeführt wurde. Dazu ein kühles Feierabendbier vom Campingplatzladen, schon waren die Strapazen des Tages vergessen. „In Italien sind wir natürlich auch essen gegangen: Pizza und Nudeln. Ganz klassisch.“
Schmidtke: „Ich hab meinem Chef schon letztes Jahr gesagt, dass ich 2023 zweimal Urlaub brauche.“ Und Ende 22 stand die Reise dann definitiv fest. Die Jungs hatten Glück, das Wetter hat es wirklich gut mit ihnen gemeint, es gab kaum Regen.

Manuel Zahn und Christian Schmidtke mit ihren Maschinen.
Handyfoto: Manuel Zahn/Christian SchmidtkeAuf Christians Anhänger reisten nicht nur Übernachtungsutensilien mit, sondern auch Ersatzteile. Schmidtke: „Einmal ist der Kuppelbowdenzug gerissen und ein anderes Mal die Kette. Auch der Kettenkasten war hin.“ Zahn hatte einen Kolbenfresser und so manches Zündungsproblem. Auch der Schwimmer im Vergaser gab während der Tour den Geist auf.
Schmidtke: „Ich hatte ein Ersatzrad dabei und eine neue Kette und natürlich Zündkerzen.“ Zahn: „Um notdürftige Reparaturen zu machen, braucht man auf jeden Fall Kabelbinder, Panzertape und Tüdeldraht. Damit kriegt man fast alles in Griff.“
Über den San Pellegrino mit zwei Simsons
Auf dem San Pellegrino in Motomessa stießen die Simsonfans zufällig auf ein Motorradtreffen, oben auf dem Pass war alles voll mit großen Maschinen. Zahn: „Die Jungs sind gleich um uns rumgestanden und der Veranstalter hat uns T-Shirts geschenkt.“ Denn kaum ein Moped wagt sich so eine Passstraße rauf, es gibt Stellen mit 18 Prozent Steigung.

Manuel Zahn und Christian Schmidtke campen mit ihren Simsons auf der Reise nach Rom am liebsten an einem See.
Manuel Zahn/Christian SchmidtkeAuf dem Passo Pennes, dem Penserjoch, mit 2211 Meter dem höchsten Punkt der Reise, bemerkten die beiden plötzlich, dass Christians Anhängerdeichsel im Schiefstand war. Deichselbruch mitten auf dem Pass! So etwas kann natürlich notdürftig geschient werden, aber es war klar, lange hält das nicht. Schmidtke: „Wir sind in eine KFZ-Bude und Zahni hat das dann geschweißt.“
Nach Rom fliegen, auf einer herrlichen Simson
Die beiden Abenteurer haben herrliche Landschaften und Städte gesehen: Venedig, San Marino, Rimini und Pisa, das Mittelmeer, den Garda- und Chiemsee, aber das absolute Highlight war das anvisierte Ziel, erreicht in nur sechs Tagen, mittags, das Kolosseum in Rom.
Zwischendurch gab es immer wieder Rückmeldungen von Freunden: Ihr schafft das! Die Simsonbegeisterten führten sogar ein Bordbuch, wie auch schon auf ihrer Reise nach Paris. Mehrmals täglich wurde alles notiert, in ein altes DDR-Fahrtenbuch. Ort, Zeit und Kilometerstand, besonders wenn etwas Besonders passierte.
Zahn: „Alles hat gestimmt. Das Fahren, das Campen, das, was wir gesehen haben und all die Reparaturen, die wir gemeistert haben.“ Auf dem Anhänger, der mit der Zeit leerer wurde, haben die beiden Geschenke mitgebracht: italienische Pasta, Pesto und Bier. Zahn: „Und auch tolle Kiefernzapfen, die sind dort viel größer als bei uns.“

Manuel Zahn schweißt in einer oberitalienischen Werkstatt den Deichselbruch des Anhängers.
Zahn/ SchmidtkeVor wenigen Tagen ging es zurück. Schon in Tröbitz wurden sie erwartet und dann ging es gemeinsam mit zwei Kumpels zurück zum Ausgangspunkt der Reise, der Rollschänke bei Bad Erna. „Wir waren exakt um 12.42 Uhr dort.“ Familie und Freunde waren begeistert, die beiden heil zurück zu haben. Schmidtke: „Es war die Anstrengung wert. Sieben Stunden Moped fahren pro Tag und das zwei Wochen lang.“
Und obwohl es so manchen Muskelkater im Allerwertesten gab, sind die Pläne für die nächste Tour schon geschmiedet. Dann soll es nach Schweden gehen, zum Mittsommerfest nach Rinkaby, da wohnt ein Kumpel, der auch aus Kirchhain stammt. „Aber das ist eine kleinere Tour. Bis Rostock sind es 400 Kilometer und in Schweden dann noch mal 250“, sagen die Simson-Fans. Doch ein Abenteuer, davon sind sie überzeugt, wird es trotzdem.


