Der Hase hatte keine Chance. „Ein Ohr war entzündet. Das Tier war voller Parasiten“, sagt Sabine Delloch vom Tierschutzverein Finsterwalde. Zudem sei der Hase völlig unterernährt gewesen und damit extrem geschwächt. Gemeinsam mit dem Tierarzt sei deshalb die Entscheidung getroffen worden, den Hasen von seinem Leid zu erlösen.
„Dabei wäre bei rechtzeitiger Hilfe eine Behandlung durchaus noch möglich gewesen“, berichtet die Tierschützerin. Doch stattdessen entledigte sich der Besitzer oder die Besitzerin des Problems auf eine Weise, die viele in Finsterwalde fassungslos zurücklässt.
Denn der Hase war zuvor einfach aus einem fahrenden Auto geworfen worden. Geschehen ist dies bereits Anfang Oktober zwischen Schacksdorf und Lichterfeld. Am helllichten Tag.

Autofahrerin beobachtet den Vorfall

Eine Autofahrerin, die zu dieser Zeit auf diesem Abschnitt unterwegs war, habe beobachtet, wie aus dem Fahrzeug vor ihr plötzlich eine Tüte aus dem Fenster geworfen worden sei, schildert Sabine Delloch die Situation. Sie habe daraufhin sofort angehalten und nachgeschaut. In der Tüte habe sich ein Hase befunden – in einem erbärmlichen Zustand.
Der Tierschutzverein wurde informiert, schließlich sei versucht worden, das Tier noch zu retten. Ohne Erfolg.
„Die Frau, die den Vorfall beobachtet hatte, war so aufgeregt, dass sie sich leider nicht das Kennzeichen des Fahrzeugs merken konnte“, sagt Sabine Delloch. Allerdings soll es sich um einen grauen 5er-Golf gehandelt haben, der in Richtung Finsterwalde unterwegs war.
„Wir haben dann Anzeige bei der Polizei erstattet“, so die Tierschützerin. Zudem wurde in den sozialen Netzwerken ein Zeugenaufruf gestartet.

Das sagt die Polizei zu den Erfolgsaussichten

Doch so wie es aktuell aussieht, werden der oder die Täter wohl keine Konsequenzen zu befürchten haben. Denn Hinweise an den Tierschutzverein gab es bislang keine. Die Polizei schätzt die Erfolgsaussichten ebenfalls als gering ein.
Sabine Delloch ist die Chefin des Finsterwalder Tierschutzvereins.
Sabine Delloch ist die Chefin des Finsterwalder Tierschutzvereins.
© Foto: Henry Blumroth
„Eine entsprechende Anzeige ist bei uns eingegangen“, bestätigt Polizeisprecherin Ines Filohn. „Doch wenn wir das Kennzeichen nicht kennen, werden die Ermittlungen kompliziert“, ergänzt sie. Zumal es sich bei dem Fahrzeug um eine Marke handle, die nicht so selten vorkomme.
Für Sabine Delloch ist es ungeachtet der schlechten Erfolgsaussichten, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, dennoch wichtig, dass bei derartigen Taten nicht weggeschaut werde. „Ich weiß, dass viele Angst haben, etwas zu melden, wenn sie solche Dinge beobachten“, sagt sie. Hinzu käme eine verständliche Aufregung, sodass fehlende Details die Suche nach den Tätern erschwere. So habe sie großen Respekt für die junge Frau, die sich gekümmert habe.

Viel Arbeit für die Tierschützer in Elbe-Elster

In Elbe-Elster hatten die zumeist ehrenamtlichen, unbezahlten Tierschützer erst vor wenigen Wochen aus Anlass des Welttierschutztages auf ihre Arbeit aufmerksam gemacht. Zu tun haben sie dabei eine ganze Menge. So gingen sie nicht nur Hinweisen nach, sie führten auch Vorgespräche beziehungsweise Nachkontrollen sowie organisieren zum Beispiel die Kastrationen von Streunerkatzen oder vermitteln Hunde. Tierarztkosten würden oft aus Spenden finanziert, nicht von öffentlichen Geldern.
Tierschutzverein Finsterwalde Wenn Maikätzchen zur Plage werden

Finsterwalde

„Beschimpfungen sind an der Tagesordnung. Damit kann ich leben“, sagt Sabine Delloch, die schon selbst mit einigen Anzeigen konfrontiert worden sei und eine Strafe aus eigener Tasche bezahlen musste. So hatte sie in Abstimmung mit einem Pflegedienst den Hund einer bettlägrigen Frau abgeholt und in eine Pflegestelle gebracht. Die Hundebesitzerin ging dagegen vor. Sabine Delloch musste eine Strafe von 331 Euro berappen. Der Hund hat inzwischen neue Besitzer.

Tierheime in der Region sind überfüllt

Auch für den Fall des Fund-Hasen ist der Tierschutzverein beim Tierarzt erst einmal in Vorleistung gegangen. Sabine Delloch geht aber davon aus, dass dafür die Ordnungsbehörde in Massen aufkommen wird. Die Zusammenarbeit mit dem Amt sei gut, so die Tierschützerin.
Ein Fakt bereitet ihr aber Sorgen. So seien viele Tierheime wie in Langengrassau oder Cottbus an der Belastungsgrenze. Teilweise wurden sogar schon Aufnahmestopps ausgesprochen. Zumal gerade jetzt neues Ungemach droht. Ab Herbst müssen Tierhalter beim Praxisbesuch tiefer in die Tasche greifen. Nachdem der Bundesrat im Juli die Neufassung der Gebührenordnung für Tierärzte beschlossen hat, werden die Behandlungen ab dem 22. November teurer. Die Aktualisierung 2022 ist die erste seit mehr als 20 Jahren. Nicht alle Tierhalter, so befürchtet Sabine Delloch, werden sich die höheren Kosten leisten können.