Von Heike Lehmann

Seit 2011 hat die Paltrockwindmühle in Oppelhain keine Flügel mehr. Ein eher trauriges Bild. „Kurz davor hat sie sich das letzte Mal bewegt“, erinnert sich Hans-Jörg Fellner. Der 62-Jährige hat sein Ehrenamt als Hobbymüller im Dezember 2018 aus privaten Gründen niedergelegt. Die Zukunft der Mühle liegt ihm aber immer noch sehr am Herzen. Am Donnerstagabend ist er deshalb wie etwa 100 andere Leute zur Mühle gekommen. Kerstin Weide, SPD-Landtagskandidatin für den Wahlkreis 37, – gewählt wird am 1. September – will dem touristischen Kleinod in Oppelhain, dem Ensemble von Mühle, Max- und Moritz-Weg, Barfußweg und Kräutergarten Gewicht verleihen. Zur Verstärkung hat sie sich  Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke hinzugeholt. Kerstin Weide sagt: „Ich gebe meine ganze Unterstützung, dass wir das hier wieder zum Laufen bringen.“ Die Oppelhainer knüpfen ihre Hoffnung an Woidke.

Beim Mühlenmarkt immer voll

Der Mühlenmarkt Oppelhain e.V. etwa. Die Mitglieder sind erkennbar in ihren weinroten T-Shirts. Peggy Krebs, die stellvertretende Vorsitzende, sagt: „Wir hoffen, dass jetzt bald wieder Flügel rankommen. Die alten, eingelagerten können es nicht wieder sein. Die haben sich verdreht. Wir brauchen neue.“ Der eigentliche Sturmschaden aber liegt im Innern der Mühle. „Das Fundament ist kaputt, die Mühle steht schief. Sie müsste zur Reparatur angehoben werden“, sagt Peggy Krebs. Und das werde richtig teuer. Jedes Jahr müsse derzeit von Amts wegen die Mühlenstatik geprüft werden. Maximal zehn Personen dürfen gleichzeitig in die Mühle. Hans-Jörg Fellner hat viele Schulklassen, Leute aus Kanada, Afrika und Berlin durch das Wunderwerk der Technik geführt. „Beim Mühlenmarkt war die Mühle immer voll“, erinnert er sich.

Dietmar Woidke verspätet sich um eine Stunde. Da hat die Band Random aus Doberlug-Kirchhain bereits gespielt, die ersten Bratwürste sind gegessen und auch Bier und rote Fassbrause schmecken. Frank Mücklich sitzt unter den Wartenden. Der 72-Jährige war nie in einer Partei, aber er sympathisiere mit der SPD. „Mir hat imponiert, dass man gewagt hat, eine Regierung mit den Linken zu bilden“, sagt der ehemalige Lehrer. Aber nicht alles gefalle ihm. So wünsche er sich in der Energiepolitik weniger rabiate Entscheidungen. „Was machen denn unsere Nachbarländer?“ Die Frauen vom Sängerverein Kirchhain singen „Heut’ ist ein herrlicher Tag ... lasst uns vergessen Mühe und Plag’“. Auch Frank Mücklich singt – im Männerchor Gorden-Staupitz.

Als Dietmar Woidke wegen der Hitze hemdsärmelig daherkommt, stimmen die Frauen sofort die „Märkische Heide“ an. Schnell reihen sich Woidke und Kerstin Weide ein und singen mit.

Woidke ist am gleichen Tag mit dem Verdienstorden der Republik Polen ausgezeichnet worden, weil er sich um die deutsch-polnische Zusammenarbeit insbesondere im grenznahen Raum verdient gemacht hat. Er sagt, dass er diese Ehrung stellvertretend „für viele Tausende, die sich für bessere Beziehungen zu Polen einsetzen“, sieht. Er schlägt den Bogen zum Kriegsausbruch am 1. September 1939 und sagt: „Wir müssen Signale setzen, dass von Brandenburg nie wieder so eine Gefahr ausgeht.“

„Brandenburg macht kein Krankenhaus dicht“

Dann sieht er die Kameraden der freiwilligen Feuerwehren, denen er ein „dickes Dankeschön“ zuruft. „Wir sind das erste Land, das eine Retterprämie eingeführt hat“, sagt er. Und weil er im ländlichen Raum zu Gast ist, spricht er über gleichwertige Lebensverhältnisse. „Es wird kein Opernhaus in Oppelhain geben. Wichtig ist die Gesundheitsversorgung“, so Woidke. Zur aktuellen Diskussion um die Krankenhäuser versichert er: „Wir werden kein Krankenhaus in Brandenburg dicht machen. Unsere Krankenhäuser sind Polikliniken, in die wir jährlich 130 Millionen Euro investieren.“ Er sagt, dass Braunkohle noch unverzichtbar ist, Sprit zu verteuern, einer Abzocke der Leute im ländlichen Raum gleichkäme und Rente keine Sozialleistung ist.

Für die Oppelhainer Mühle waren am Ende knapp 130 Euro in einer Spendenbox. Aber Dietmar Woidke hat zumindest gesehen, dass ihr die Flügel fehlen.