Von Heike Lehmann

Torsten Jatzko ist seit 2018 Betriebsratsvorsitzender im HIL Werk Doberlug-Kirchhain. Hinter ihm liegt eine aufreibende Zeit. Viele Gespräche hat er geführt und E-Mails verschickt, um die umstrittene Privatisierung der Heeresinstandsetzungslogistik (HIL) der Bundeswehr abzuwenden. Selbst während seiner Urlaubstage ließ ihn die Korrespondenz nicht los.

Drei Werke gibt es bundesweit – in Darmstadt (Hessen), St. Wendel (Saarland) und Doberlug-Kirchhain (Brandenburg). Alle drei werden nun doch nicht verkauft. So hat es Verteidungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Donnerstag verkündet. Im Werk Doberlug-Kirchhain hat diese Nachricht für einen „turbulenten Tag“ gesorgt, wie es Torsten Jatzko umschreibt.

„Selbst unsere Geschäftsführung wusste nichts“, erzählt Jatzko. Gemeinsam hat man die E-Mail aus dem Verteidigungsministerium gelesen. Danach wurde die Belegschaft – 255 Beschäftigte hat das Werk an der Schönborner Straße – informiert. Ab 8 Uhr durfte die Nachricht verbreitet werden, erst an die Abteilungsleiter und dann an die Belegschaft. „Die Freude war groߓ, berichtet der Betriebsratschef.

Die HIL sorgt dafür, dass Militärfahrzeuge, Großgeräte und Waffen im Ernstfall funktionieren. Sie wurde 2005 als Jointventure zwischen dem Bund und einer Industrieholding aus Rüstungsfirmen gegründet. 2013 übernahm der Bund die Firmenanteile. „Ab 2016 wurden dann die Privatisierungspläne massiv vorangetrieben“, so Jatzko.

Einen Tag nach dem Stopp sagt er: „Wir haben es selbst nicht geglaubt, dass wir das hinkriegen.“ Erleichtert spricht er davon, dass das Werk in Doberlug-Kirchhain, das mit viel Geld und im Zuge einer Betriebskonzentration modernisiert wurde, „erhalten und weiterbetrieben“ werden kann.

Mitte letzten Jahres haben die Betriebsräte die Obleute und Sprecher der Fraktionen im Verteidigungsausschuss angeschrieben. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese, er sitzt im Haushaltsausschuss, versprach Hilfe. Zu den weiteren Unterstützern gehören Thomas Jurk, SPD-Bundestagsabgeordneter, und Fritz Felgentreu, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Mit Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke hat Torsten Jatzko im Sommer am Rande eines Wahlauftritts in Oppelhain gesprochen. Das Ergebnis sei ein „sehr guter Brief von Woidke an die Verteidigungsministerin“ gewesen. Aktiv waren Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach und sein Staatssekretär. „Barbara Hackenschmidt hat uns viele Türen geöffnet, mit beeindruckender Effizienz“, betont Jatzko.

 Freude über den Privatisierungsstopp wird nun von vielen Seiten geäußert. Mit Erleichterung hat auch Stadtverordnetenvorsteher Sebastian Rudolph (CDU) am Freitag reagiert. „Es ist eine sehr gute Entscheidung für Doberlug-Kirchhain und unseren Landkreis Elbe-Elster! Für den Standort in Doberlug-Kirchhain bringt das nicht nur den etwa 250 Beschäftigten wieder Stabilität, sondern sichert für uns auch in Zukunft einen vertrauten und festen Partner der Kloster-und Gerberstadt und für den gesamten Landkreis“, teilt er mit. Er freue sich für die Beschäftigten und deren Familien, aber auch über visionär gesicherte Ausbildungsplätze für junge Menschen.

Die HIL GmbH ist einer der größten Arbeitgeber im Landkreis Elbe-Elster und wird weiter wachsen. Das hatte Werkleiter Peter Beuckmann zu Jahresbeginn erklärt. „17 neue Leute, darunter viele produktive Mitarbeiter, sind 2019 bereits dazugekommen“, bestätigt Jatzko.  Möglich wurde dies durch einen  Anstieg der Zahl der Fahrzeuge und Baugruppen, welche das Unternehmen für die Bundeswehr instand setzt.

Laut Kramp-Karrenbauer werden jetzt 160 Millionen Euro in die HIL-Werke investiert. Wie viel in Doberlug-Kirchhain davon ankommt ist noch unklar.