Ausbildung in Finsterwalde: Ausbildungsplätze frei — woran es oft scheitert

In der Lehrausbildung zum Industriemechaniker bleibt die Grundlagenausbildung wichtig und wird oft interessant gestaltet. Es gibt für 2025 noch freie Plätzte in Elbe-Elster. (Archivbild)
Kerstin Bechly- Im Landkreis Elbe-Elster sind 2025 noch 322 Ausbildungsplätze unbesetzt, bei 234 suchenden Jugendlichen.
- Besonders betroffen: Handwerk, Pflege, Gastgewerbe und technische Berufe.
- Firmen bieten Zusatzleistungen, Praktika und Social-Media-Kampagnen, um Azubis zu gewinnen.
- Ursachen: Fehlende Grundkompetenzen, abweichende Erwartungen und zu wenig Info über Berufe.
- IHK und Arbeitsagentur beraten und vermitteln – Bewerber sollten sich jetzt kurzfristig melden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Während zahlreiche Unternehmen im Landkreis Elbe-Elster händeringend nach Auszubildenden suchen, machen sich viele Schulabgänger Sorgen, keinen passenden Ausbildungsplatz zu finden. Diese paradoxe Situation prägt den Ausbildungsmarkt 2025 — und wirft Fragen zu Ursachen, Chancen und Zukunftsaussichten auf.
Nach Angaben von Jean-Marie Ulrich, Teamleiter Arbeitgeberservice im
Geschäftsstellenverbund Elbe-Elster waren Ende Juni 2025 erst 106 Ausbildungsverträge geschlossen und noch 322 Ausbildungsplätze im Landkreis unbesetzt. Besonders betroffen sind das Handwerk, die Pflege, das Gastgewerbe und technische Berufe. „Der Bedarf an Nachwuchs war selten so hoch“, bestätigt Liane Kretschmer-Erbe, Pressesprecherin der Arbeitsagentur Cottbus. Dabei gibt es für die 427 auf den Markt strömenden Ausbildungsbewerber insgesamt in Elbe-Elster 638 freie Ausbildungsstellen.
Gleichzeitig suchen laut Agentur für Arbeit noch etwa 234 Jugendliche aktiv nach einem Ausbildungsplatz. Sind viele Jugendliche unsicher, welcher Beruf zu ihnen passt, oder scheitern diese an unpassenden Bewerbungsunterlagen? „Grundsätzlich kümmern wir uns, die Agentur für Arbeit Cottbus, um jeden Jugendlichen und unterbreiten ein konkretes Angebot. Wer noch Bedarf hat, kann sich jederzeit bei der Berufsberatung bzw. Unternehmen sich beim Arbeitgeber-Service melden“, betont Kretschmer-Erbe.
Warum finden Angebot und Nachfrage nicht zusammen?
Ein zentrales Problem: Die Vorstellungen von Bewerbern und Betrieben gehen oft auseinander. „Manche Jugendliche wünschen sich moderne Arbeitsplätze, flexible Arbeitszeiten oder attraktive Benefits, was vor allem kleinere Betriebe auf dem Land nicht immer bieten können“, sagt Obermeister Mario Kuhla. Oft fehle es zudem an Informationen über weniger bekannte Berufe mit guten Zukunftsaussichten.
Auch die schulische Vorbereitung spielt eine Rolle. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Schulabgänger mit ausreichenden Lese- und Schreibkompetenzen laut IGLU- und PISA-Studie gesunken. „Fehlende Grundkompetenzen erschweren nicht nur die Bewerbung, sondern auch den erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung“, gibt der Obermeister zu bedenken.

Holger Dehnert ist Geschäftsführer der VerkehrsManagement Elbe-Elster GmbH. Er sieht den Nahverkehr im Landkreis auf einem hohen Level und stellt hierfür auch jährlich einen motivierten sowie arbeits- und lernbegeisterten Azubi ein.
Henry BlumrothBetriebe aus Finsterwalde gehen neue Wege für die Ausbildung
Die Unternehmen reagieren mit kreativen Strategien: Sie bieten mehr Praktikumsplätze, setzen auf Social Media-Kampagnen, laden zu Schnuppertagen ein und locken mit Zusatzleistungen wie Fahrtkostenzuschüssen oder Übernahmegarantien. „Wir nutzen unsere Homepage, gehen gezielt auf Schulen zu und präsentieren uns auf Ausbildungsmessen“, berichtet Holger Dehnert, Geschäftsführer der Verkehrsmanagement GmbH aus Finsterwalde. „Wir bilden jährlich einen Kaufmann für Verkehrsservice aus. Wer motiviert ist, bekommt bei uns eine echte Perspektive.“
Doch im neuen Ausbildungsjahr 2025/26 war bisher kein einstellbarer Bewerber zum Vorstellungsgespräch. „Dann lassen wir die Bemühungen ruhen. Wir nehmen nicht mehr jeden. Es muss schon passen und Grundfähigkeiten für kaufmännische Berufe müssen gegeben sein“, betont der Geschäftsführer und fordert: „Spätestens nach einem Jahr m sollte er verwertbare Arbeitsleistungen erringen.“
Die Berufsausbildung habe in erster Linie einen Nutzen für den Azubi selbst. Er will, kann und soll seine Persönlichkeit entwickeln, Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernen und ausprägen. „Dann liegt es im Interesse des Ausbildungsbetriebes, dass ein Azubi möglich rasch produktiv in den Betriebsalltag eingebunden werden kann, was wiederum auch im Interesse des Azubis liegt. So übernimmt er zeitig Verantwortung. Wir verstehen dies als gegenseitiges Geben und Nehmen“, erläutert Holger Dehnert.
Handwerkskammer als Brückenbauer bei der Suche nach einer Ausbildung
Um Betriebe und Bewerber zusammenzubringen, setzt die HWK auf Beratung, Matching-Programme und Vermittlungsaktionen. „Wir begleiten Jugendliche intensiv von der Berufsorientierung bis zum unterschriebenen Ausbildungsvertrag“, so Michel Havasi, Pressesprecher der HWK Cottbus. Auch Eltern werden stärker als wichtige Unterstützer bei der Berufswahl einbezogen. So seien bis 31. Juli 90 Berufsausbildungsverträge unterzeichnet worden. Das sind im Vergleich zu 2022 neun mehr.

Der Obermeister der Installateur- und Heizungsbauerninnung Finsterwalde, Mario Kuhla, ist aktiv engagiert im Vorstand der Kreishandwerkerschaft Elster Spree in Finsterwalde und setzt sich intensiv für die Lehrausbildung ein.
Mario SandersInsgesamt werden momentan 359 Ausbildungsverhältnisse über alle Lehrjahre hinweg betreut. Für Interessenten würden aber noch 105 freie Lehrstellen zur Verfügung stehen. Die Kreishandwerkerschaft Elster-Spree im Gröbitzer Weg 106 in Finsterwalde unterstützt gern, teilte Obermeister Mario Kuhla mit.
Chancen für die Zukunft bei Ausbildungen in Finsterwalde
Die Prognosen bleiben herausfordernd. Der demografische Wandel verschärft den Wettbewerb um Nachwuchs weiter. Gleichzeitig entstehen durch Digitalisierung und neue Berufsbilder spannende Chancen — etwa in IT, Umwelttechnik oder Pflege. Die IHK wie die HWK, Unternehmen und Schulen setzen auf verstärkte Zusammenarbeit, damit möglichst viele Jugendliche und Betriebe zueinanderfinden.
Tipp für Bewerber
Wer noch keinen Ausbildungsplatz hat, sollte sich jetzt bewerben — viele Betriebe suchen noch kurzfristig Azubis für den Herbststart.
Die IHK Cottbus und die Agentur für Arbeit bieten Beratungstage und helfen bei der Suche.
Beratungstag der IHK: 3. September 2025, 12:00 - 16:00 Uhr
Regionalcenter Elbe-Elster der IHK Cottbus, Burgplatz 1, 04924 Bad Liebenwerda
offene Ausbildungsstellen online: www.cottbus.ihk.de/ausbildung
www.hwk-cottbus.de/lehrstellen
Berufsberatung der Agentur für Arbeit: Telefon 03531 785 200
„Der Ausbildungsmarkt im Kreis Elbe-Elster bietet viele Chancen — für Jugendliche und Unternehmen. Entscheidend ist, dass beide Seiten offen aufeinander zugehen und neue Wege wagen. Denn die Fachkräfte von morgen werden heute gesucht“, hebt Obermeister Kuhla hervor.



